Dank Hagen Stamm gibt es im deutschen Wasserball wieder Grund zum Jubeln.
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BerlinSich etwas zu wünschen, ist eigentlich nichts für Hagen Stamm. Als erster Repräsentant des Wasserballsports hierzulande ist es der Spandauer mit Wohnsitz in Alt-Britz gewohnt, dass es in dieser Branche viel Nachdruck, viel eigenen Einsatz braucht, um selbst kleine Fortschritte zu erzielen. Zum 60. Geburtstag, den er an diesem Freitag feiert, lässt sich der Bundestrainer und Präsident von Spandau 04 dann aber doch verleiten: „Neben der Gesundheit für die Familie träume ich sportlich davon, dass in Spandau eine Wasserballarena entsteht. Was dieses Thema angeht, bin ich guten Mutes wie lange nicht.“

48 Jahre hat Stamm diesem Sport gewidmet. Und nie hat er nachgelassen, daran zu arbeiten, dass seine Leidenschaft für den Gladiatorenkampf im Schwimmbecken auf die Berliner Sportfans, einfach so viele wie möglich, überspringt. Es gibt wohl kaum eine andere Disziplin hierzulande, die so sehr mit einer Frontfigur verbunden ist. „Neben der Familie ist das eben meine große Liebe“, sagt er. Und nur deshalb kann er vor sich selbst, seiner Ehefrau, den Kindern und Enkeln rechtfertigen, dass er neben der Verantwortung als Fahrrad-Unternehmer so viel seiner wertvollen Zeit einem Sport widmet, der in Deutschland kaum wahrgenommen wird.

Stamm kennt aber noch die anderen Zeiten. 1981 und 1989 feierte er mit der Nationalmannschaft den EM-Titel, 1982 gewann das DSV-Team WM-Bronze, und Spandau 04 kürte sich in der Schöneberger Schwimmhalle erstmals zu Europas Champion. „Die Halle war so voll, da passte keine Maus mehr rein“, erinnert er sich. Es folgten drei weitere Landesmeistertitel, ganz zu schweigen von der Dominanz, die Spandau 04 in der Liga ausübte. „Wir genossen damals eine ganz andere Aufmerksamkeit, was natürlich auch damit zu tun hatte, dass wir eingemauert waren.“

Fast noch prägender waren für Stamm allerdings die Rückschläge, wie er am Tag vor seinem Geburtstag erzählt. Den Tod seiner Trainer und Förderer Alfred Balen und Uwe Gaßmann empfand er als tiefgreifenden Verlust. Der Olympiaboykott 1980 war für den aufstrebenden Wasserballer zudem ein sehr einschneidendes Erlebnis. „Du trainierst hart und erfährst dann, dass du nicht bei Olympia teilnehmen darfst, da überlegst du natürlich, ob das alles Sinn macht?“, erinnert sich Stamm.

Ähnliche Sinnfragen haben sich Wasserballer der Gegenwart um seinen Sohn Marko in den vergangenen Jahren immer wieder gestellt. Denn erst, nachdem Stamm 2016 den Rücktritt vom Rücktritt als Bundestrainer erklärte, ging es mit der Nationalmannschaft wieder aufwärts. Im kommenden Februar will er das DSV-Team zum ersten Mal seit 2008 wieder zu Olympia führen. Auch das wird zu den Wünschen zum 60. gehören. Wobei: „Wir haben das sportlich ja selbst in der Hand.“