Hahohe: Pal Dardai möchte ein bisschen böse werden

Berlin - Wie soll man sich den bösen Pal Dardai vorstellen? Wie Rumpelstilzchen Jürgen Klopp, der oft mit weit aufgerissenen Augen und gefletschten Zähnen auf die Schiedsrichter losging? Oder wie Pep Guardiola, der 90 Minuten wild an der Seitenlinie gestikulierte und pausenlos taktische Anweisungen auf den Rasen schrie? Oder wie Leverkusens Roger Schmidt, der auch schon mal im Eifer des Gefechts abfällige Bemerkungen gegenüber einem jungen Trainerkollegen machte?

Nein! Das wird es so nicht geben bei Dardai. Da bin ich mir ganz sicher. Herthas Trainer hatte nach der 1:3-Niederlage am Wochenende in Leverkusen angekündigt, dass es nun nicht mehr die „nette Hertha und den netten Trainer“ geben werde. „Ich fange auch an, ein bisschen böse zu sein.“ Die Bild-Zeitung druckte die Schlagzeile  „Den netten kleinen Ungarn wird es nicht mehr geben“.

Was Herthas Chefcoach meint, ist vor allem auf seine Profis gemünzt, die ihm in vielen Situation in der Liga  einen Tick zu nett, einen Tick zu naiv sind und die deshalb oft bestraft werden – mit unnötigen Gegentoren und umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen.

Es ist nicht neu, dass Dardai seine Spieler zu mehr Kampf, mehr Aggressivität (ohne unfair zu sein), mehr Cleverness auffordert. Kleine Details in dieser Richtung entscheiden oft knappe Spiele. Schon im Mai 2016 rügte Dardai etwas süffisant die „Schwiegersohn-Mentalität“ seiner Mannschaft. Sie sei zu brav, zu lieb. „Wenn ich eine Tochter hätte, würde ich jeden meiner Spieler als Schwiegersohn nehmen. So lieb sind sie.“

Das wird natürlich nicht passieren, da die Dardais drei Söhne haben, aber keine Tochter…

Einen bösen Pal Dardai habe ich nicht erlebt in den vielen Jahren, in denen ich ihn als leidenschaftlichen Profi und nun  als engagierten Trainer beobachtet und begleitet habe. Dardai ist außerhalb des Platzes ein freundlicher, höflicher, optimistischer und sehr ehrlicher Mensch. Ein Mann mit einer klaren Meinung, die er auch äußert. Er ist immer bodenständig geblieben. Auf dem Rasen aber war er einst vor allem ein rustikaler Kämpfer, der sich und den  Gegner nie schonte. Vor taktischen Fouls schreckte er nicht zurück, blieb aber stets als fairer Spieler in Erinnerung. Zu Recht.

Solche Eigenschaften erhofft er sich nun  auch zunehmend von seinen Profis.

In der aktuellen Liga-Statistik bei Gelben, Roten und Gelb-Roten Karten liegt Hertha im unteren Mittelfeld, fällt weder als unfaire Truppe, noch als „körperlos agierende  Mannschaft“ auf.  29 Gelbe Karten wurden kassiert, Spitze sind Frankfurt (48) und der HSV (38). Eine Gelb-Rote Karte gab es für Vedad Ibisevic, vier Mannschaften haben je 2 Gelb-Rote Karten bekommen. Und : Hertha ist mit einmal Rot für Valentin Stocker dabei, Mainz, Frankfurt und der HSV stehen bei je 3 Roten Karten. Etwas robuster zu Werke zu gehen, bedeutet ja nicht automatisch, auch zahlreiche Karten sammeln zu müssen.

Ich habe einmal herausgesucht, wer die Hertha-Profis mit den meisten Verwarnungen in der Liga-Geschichte sind. Diese „Hitliste“ liest sich so:

 

 

Die meisten Platzverweise sammelten Simunic und van Burik (je 5) vor Alexander Madlung mit 3 Herausstellungen.

Wie die neue, die „bösere“ Hertha aussehen wird, kann man zuerst am kommenden Sonntag beim Spiel in Freiburg beobachten. Beim Sportclub gibt es in Christian Streich auch einen Trainer, der gern mal das Rumpelstilzchen spielt. Wie wird Pal Dardai auftreten? Ich bin gespannt.

Darauf ein kämpferisches Ha-Ho-He!