Hahohe: Sturm und Drang – mit Herthas Spezialtrainer Andreas Thom

Als der Australier Mathew Leckie im ersten Bundesligaspiel der Hertha gegen den VfB Stuttgart beide Treffer zum 2:0-Sieg erzielt hatte, wurde Cheftrainer Pal Dardai später gefragt, was er denn mit dem flinken Angreifer in kurzer Zeit angestellt habe – der hatte schließlich in der Vorsaison beim FC Ingolstadt nicht ein einziges Tor geschafft? „Fragt Andy Thom. Der hat die Lorbeeren verdient!“ so Dardais vielsagende Antwort.

Der ersten, attraktiven Treffer hatte Leckie im Stil eines Arjen Robben erzielt, beim zweiten Tor stand er da, wo ein Stürmer stehen musste und verwandelte eiskalt mit einem trockenen Schuss. Das war alles gut anzusehen.

Und nun zu Andreas Thom. Der 51-jährige, ehemalige Profi firmiert seit dem Sommer als sogenannter Spezialcoach oder auch Stürmertrainer. Er soll die Angreifer aller Altersklassen bei Hertha im Blick haben und mit speziellem Training verbessern. Die neue Position für den einstigen Weltklassestürmer ist Ausdruck der weiteren Spezialisierung und des noch stärker individuell angelegten Trainings bei Hertha. Ganz neu ist diese Idee natürlich nicht, denn Bundestrainer Jogi Löw holte sich in Ex-Torjäger Miroslav Klose einen Spezialisten an eine Seite.

Ich habe mal im Netz gewühlt und noch zwei Stürmertrainer gefunden. In Hoffenheim war das einige Jahre im Nachwuchs der Kroate Romeo Wendler, der jetzt beim VfL Bochum tätig ist. Und beim Schweizer Traditionsklub FC Zürich arbeitet der Bulgare Petar Aleksandrov als Stürmercoach. Vor allem Schlitzohrigkeit und eine  „Nase für Tore“ wollen die Spezialtrainer ihren Schützlingen beibringen. Da ist auch viel mentale Arbeit gefragt.

Frank Vogel, Sportlicher Leiter der Hertha-Jugend-Akademie, sagte mir: „Andreas Thom soll praktisch von oben nach unten arbeiten, also von den Profis nach unten bis zu den 15-jährigen. Er arbeitet in kleinen Gruppen, es ist halt ein zusätzliches individuelles Training für die Offensivspieler. Je nach Bedarf soll er sich seine Zeit einteilen. Es ist eine weitere Spezialisierung im fußballerischen Alltag.“

Andreas Thom ist natürlich für diesen Job prädestiniert. Der Mann hat mehrere Alleinstellungsmerkmale in seiner Vita zu stehen. Ende 1989 war er der erste DDR-Oberligaspieler und DDR-Nationalspieler, der offiziell in die Bundesliga wechseln durfte -  vom Dauermeister BFC Dynamo zu Bayer Leverkusen. Er spielte zudem 51 Mal für die DDR-Nationalelf und 10 Mal für die DFB-Auswahl. Im August 1995 war Thom dann der erste deutsche Nationalspieler, der in der ersten schottischen Liga spielte – bei Celtic Glasgow.

Seine Treffsicherheit – Dank starker Schusstechnik und Schnelligkeit – hat Thom überall unter Beweis gestellt. In der DDR-Oberliga schaffte er in 158 Einsätzen für den BFC 77 Tore. In der Bundesliga für Leverkusen und Hertha in 212 Spielen 42 Treffer. Und bei Celtic traf er in 71 Duellen 14 Mal.

Oft harmonierte Thom mit einem anderen Angreifer besonders gut. Beim BFC war das Thomas Doll (heute Trainer bei Ferencvaros Budapest), bei Leverkusen Ulf Kirsten und bei Hertha natürlich Michael Preetz. Thom und Doll wurden einst gar als „Zwillinge“ tituliert.

Der Australier Mathew Leckie jedenfalls sagte: „Toll, wenn man Experten als Trainer hat, die selbst sehr gute Spieler waren.“  Davon hat Hertha ja einige „Exemplare“ zu bieten.

Darauf ein torreiches Ha-Ho-He!