Es ist kein Angstschweiß, den Thomas Päch auf seiner Stirn trägt. Vielmehr hat das Gewitter am Montagabend nicht wirklich für Abkühlung gesorgt. Eine halbe Stunde vor Trainingsbeginn ist es am Dienstagvormittag in der Sporthalle in der Schützenstraße ordentlich warm. Die Be- und Entlüftung läuft auf Hochtouren. Die sonst geschlossenen Türen am Eingang zu Alba Berlins Trainingszentrum sind weit geöffnet. Während sich die Spieler mit Übungen auf die bevorstehende Einheit vorbereiten, wirkt der Assistenztrainer entspannt. Das erste Spiel in Oldenburg ist gewonnen, der vorgegebene Plan ging voll auf, beziehungsweise „die Jungs haben es sensationell umgesetzt“, sagt Thomas Päch.

Kraft einer Idee

Gemeinsam mit Cheftrainer Aito Garcia Reneses und Israel Gonzalez, dem zweiten Assistenztrainer, wurde vor der Halbfinalserie ein Konzept ausgetüftelt, von dem man natürlich im Vorfeld nie so recht wisse, wie es denn so funktioniere. „Es hängt immer davon ab, wie man einen Plan macht oder was für eine Idee man hat“, erzählt der 36-Jährige.

So richtig spannend wird es mit dem Pläneschmieden, wenn man sich nur drei Tage nach dem ersten Aufeinandertreffen erneut gegenübersteht. Setzt Alba am Mittwochabend in der Arena am Ostbahnhof ab 20.30 Uhr auf den selben Plan wie in Spiel eins oder wird nach einer großen Überraschung gesucht? Päch muss kurz lächeln, bevor er antwortet. „Der Gegner muss ja erst einmal herausfinden, was der Plan war.“ Er glaube aber nicht, dass sich die Ideen wiederholen lassen. „Weil Heim- und Auswärtsspiele ganz unterschiedlich sind. Oldenburg spielt in Berlin anders als zu Hause. Das macht schon einen Unterschied, weil die Energie des eigenen Publikums einem viel gibt“, sagt er.

Doch scheint diese Energie beide Teams in dieser Saison bislang eher gehemmt als beflügelt zu haben. In der Hauptrunde hatte Alba in Oldenburg gewonnen, die Baskets siegten wiederum in Berlin. Und jetzt hat Alba Spiel eins der Serie in Oldenburg gewonnen. Diese Tatsache mache die Best-of-Five-Serie sehr interessiert. Auch mit Blick auf die Ausrichtung der Mannschaft. Am Grundansatz wird sich bei Alba wenig ändern. „Gerade bei Aito geht es immer darum, dass wir unsere Sachen machen müssen. Und die möglichst gut“, sagt Päch. Kleinigkeiten, von denen man denkt, dass sie dem Spiel guttun können, werden zwar probiert, aber: „Wenn die gutgehen, dann ist das super, wenn sie nicht gutgehen, muss man am Ende sowieso darauf zurückkommen, was man das ganze Jahr trainiert hat und kann“, erzählt Päch. Die Play-offs sind keine Zeit für wilde Experimente, sondern für die Sachen, die man extrem gut kann.

Im Trainerstab werden die Aufgaben nur minimal verändert. Beide Assistenten bereiten die Spiele vor und nicht mehr nur einer. Israel Gonzalez und Thomas Päch stimmen sich da ab. Er spürt in dieser entscheidenden Phase der Saison eine andere Anspannung, eine andere Energie. „Man merkt den Unterschied zwischen Leuten, die regelmäßig an dieser Stelle sind, weil sie eine andere Energie, einen anderen Fokus am Ende der Saison bringen.“

Erfahrung hilft

Nach einer ohnehin schon extrem langen Spielzeit das eigentliche Highlight zu haben, koste noch einmal viel Kraft, um den vollen Fokus zu behalten, sagt Päch. Diese Fokussierung kennt Alba. Selbst wenn die Endspiele im BBL-Pokal und Eurocup verloren gingen, ist der Assistent davon überzeugt, dass alle gesammelten Erfahrungen – positiv wie negativ – am Saisonende helfen können. „Wir haben als Mannschaft in dieser Saison sicher mehr erlebt als Oldenburg“, sagt er, lächelt und richtet seinen Blick wieder auf die Spieler. Und tüftelt vermutlich am Plan für Spiel zwei.