Schauplatz Schmelinghalle: Der Regio-Cup zog noch vor nicht allzu langer Zeit zahlreiche Fans nach Prenzlauer Berg.
Foto: Imago Images/Sebastian Wells

BerlinDas Titelfoto der Facebookseite des Regio-Cups ziert noch immer Lichtenberg 47. Der Klub konnte schließlich im vergangenen Jahr die 41. Auflage des Turniers der Berliner Fußball-Regional- und Oberligisten gewinnen. Mindestens noch ein weiteres Jahr wird sich das Bild allerdings auch nicht ändern. Denn das Turnier wurde für 2020 abgesagt. „Wir hätten unseren Titel gerne verteidigt“, sagt Nico Dörr, „es konnte aber kein Termin gefunden werden.“ Statt eines Hallenturniers seiner Mannschaft wird der Lichtenberger Abteilungsleiter am Sonnabend ein Testspiel gegen den Berliner SC auf dem Sportplatz Bornitzstraße zu sehen bekommen. Kunstrasen unter freiem Himmel statt unter dem Dach der Max-Schmeling-Halle.

Dort werden sich stattdessen die acht Teilnehmer des Traditionsmasters gegenüberstehen. Diesmal aber an zwei Tagen und nicht mehr nur an einem. Und das ist wohl in diesem Jahr der Knackpunkt für eine Ausrichtung des Regio-Cups gewesen. „Der grundlegende Fakt ist der, dass er immer im Anschluss an das Traditionsmasters stattgefunden hat“, sagt Dörr. Alle Banden konnten aufgebaut, der Kunstrasen ausgerollt bleiben. Bis in den Dezember hinein wurde nach einem Ausweichtermin gesucht, der allerdings zu ungünstig für alle Teams gelegen hätte. Ob es eine 42. Auflage des Regio-Cups geben wird, steht derzeit noch nicht fest.

18 Berlin-Ligisten machen nicht mit

Es ist längst nicht das erste klassische Hallenfußballturnier das „um seine Existenz fürchten muss“, sagt Dörr. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat sich bereits vor etlichen Jahren auf Futsal als Sport unter dem Hallendach festgelegt. Im Nachwuchs werden überregionale Meisterschaften nur noch im Futsal-Modus gespielt. Mittlerweile müssen alle offiziellen DFB-Turniere im Futsal gespielt werden.

Das hat auch haftungsrechtliche Gründe, wie beim Berlin-Liga-Hallenturnier am ersten Januar-Wochenende des neuen Jahres. Auch hier wurde, wenn auch in vereinfachter Form, Futsal und nicht mehr der klassische Hallenfußball gespielt. Wer das nicht will, ist nicht dabei. Das kommt bei den Vereinen und den Zuschauern nicht gut an. Allein sechs der 18 Berlin-Ligisten hatten sich gegen eine Teilnahme entschieden.

In Stern 1900, Mahlsdorf, dem TSV Rudow, Berlin United und Makkabi Berlin fehlten gleich fünf der besten sechs Teams nach der Hinrunde. Das sorgt natürlich auch für einen Schwund auf den Zuschauerrängen. Kratzte die Zahl der Fans normalerweise schon am ersten Turniertag am vierstelligen Bereich, so waren es diesmal rund 300 Zuschauer weniger, die sich die Spiele im für sie ungewohnten Spielmodus anschauen wollten. Der Fan ist ein Gewohnheitstier und wenn jetzt auch noch der „Budenzauber“ seine Magie verliert, geht er eben nicht mehr hin. Weniger Zuschauer bedeuten für die Spieler wiederum weniger Unterstützung. Ein Teufelskreis.

Neben allem Drumherum ist es vor allem sportlich „für Fußballer eigentlich interessanter, wenn im klassischen Hallenmodus gespielt wird“, sagt Dörr, „nur für Vereine mit Futsal-Spielern ist Futsal auch interessanter.“ Dabei haben die in Berlin sogar eine eigene Liga und dort die Möglichkeit sich untereinander und nicht mit zusammengewürfelten Mannschaften aus Fußballern und Futsal-Spielern zu messen. Denn: Nicht jeder gute Fußballer, gerade in den unteren Ligen, ist auch gleichzeitig ein guter Futsal-Spieler. Und: Er muss es für die wenigen Turniere, die er im Winter spielt, auch nicht werden.

Bleiben die Fußballerinnen vom Futsal noch unberührt und können, so wie Lichtenberg 47 am vergangenen Wochenende, noch neue Hallenturniere ins Leben rufen, bleibt den Männern und dem Nachwuchs nur eine kleine Nische. Sie müssen die Turniere wie die Lichtenberger Hallenmeisterschaft Ende Dezember als inoffizielle Turniere und nicht als offizielle DFB-Turniere stattfinden lassen.

Vielleicht also wird Lichtenberg 47 auch deshalb der letzte Titelträger des Regio-Cups bleiben und sein Siegerfoto so lange auf der Facebook-Seite des Turniers zu sehen sein, bis die gelöscht wird.