Hamburger SV darf offiziell Pyrotechnik abbrennen

In der Vergangenheit fielen die Fans des Traditionsklub immer wieder negativ zu, die Folge waren hohe Strafen. Jetzt hat der DFB den Hanseaten eine Ausnahmegenehmigung erteilt.

Hamburg-Sonnabend, kurz vor 13 Uhr. Im Volksparkstadion haben sich rund 50 000 Fans versammelt. Es flackert vor der Nordkurve, Rauch steigt auf – mit Genehmigung von ganz oben. Der Hamburger SV wagt ein bundesweit beachtetes Experiment und darf als erster Profiklub vor einem Pflichtspiel Pyrotechnik kontrolliert abbrennen. Wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mitteilte, haben die zuständigen Behörden der Hansestadt und die Kommission für Prävention, Sicherheit und Fußballkultur des Verbands einen entsprechenden Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung bewilligt.

Die Hamburger Anhänger fallen immer wieder durch das Abfackeln von Pyrotechnik auf.
Die Hamburger Anhänger fallen immer wieder durch das Abfackeln von Pyrotechnik auf.

Vor dem Anpfiff des Zweitliga-Duells gegen den Karlsruher SC werden unter Beteiligung von Fans „zehn Rauchtöpfe außerhalb der Zuschauerbereiche unter Aufsicht einer Fachfirma kontrolliert“ abgebrannt, schrieb der DFB. Monatelang hatte der HSV im Hintergrund an seinem Vorhaben gearbeitet. Bei der Erlaubnis handelt es sich „um eine einmalige Ausnahmegenehmigung auf Basis der behördlichen Zustimmung für diesen Spieltag“.

Hamburger SV geht auf Fanszene zu

Das Thema Pyrotechnik beschäftigt den deutschen Fußball seit Jahren, entsprechend genau schauen die Bundesligavereine hin, die regelmäßig zur Kasse gebeten werden, wenn ihre Fans unerlaubt auf der Tribüne zündeln. Die Hamburger waren dabei in den vergangen beiden Saisons trauriger Strafenkönig. Mehrmals musste der Traditionsverein für die Vergehen seiner Anhänger sechsstellige Summen aufbringen. So etwa nach dem Derby gegen St. Pauli. Lösungen waren bislang nicht in Sicht.

Wir verstehen uns nicht als Anwälte bei der Pyro-Diskussion dieser 20 durchgeknallten Straftäter, denen Gesundheit und Leben ihrer Mitmenschen egal ist, wenn sie unkontrolliert Pyro zündeln.

Bernd Hoffmann

Die Hamburger gehen mit ihrem Vorstoß nun auf die aktive Fanszene zu, für die Pyro zum Stadionerlebnis dazugehört. Aber der HSV grenzt sich auch ganz klar von den Anhängern ab, die im Block mit dem gefährlichen Feuerwerk hantieren. „Wir verstehen uns nicht als Anwälte bei der Pyro-Diskussion dieser 20 durchgeknallten Straftäter, denen Gesundheit und Leben ihrer Mitmenschen egal ist, wenn sie unkontrolliert Pyro zündeln“, sagt HSV-Chef Bernd Hoffmann: „Um das klar zu sagen: Hier gilt eine absolute Null-Toleranz-Politik.“

Vor dem Spiel gegen Karlsruhe werde laut DFB das Abbrennen „durchgehend von einem Pyrotechniker vor Ort begleitet und überwacht“, jegliche Gefahr soll ausgeschlossen werden. Feuerlöscher und Löscheimer stehen bereit. Hinter den beteiligten Fans wird jeweils ein Ordner postiert. Die Feuerwehr muss abhängig von der Wetterprognose noch ein finales Okay geben, auch eine Absage ist weiter möglich. „Generell gilt, dass die Vereine zum Schutz der Zuschauer dafür zu sorgen haben, dass keine Pyrotechnik ins Stadion gebracht wird“, teilte der DFB mit.   Ausnahmegenehmigung bleiben möglich, solange der Veranstalter „Haftung und Verantwortung für den kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik“ übernehme.