Alfred Gislason soll Handballer zu Olympia 2020 führen

Von dem neuen Bundestrainer erwartet der Deutsche Handballbund neue Impulse. Vorgänger Prokop enttäuschte bei der EM im Januar.

Köln-Am Ende haben sie beim Deutschen Handballbund das Positive hervorgehoben. Angesichts einer verkorksten Europameisterschaft mit einem  fünften Platz am Ende ist das ja verständlich. Sie haben also am Donnerstagnachmittag eine Meldung verbreitet unter der Überschrift: „Alfred Gislason neuer Bundestrainer.“ Der 60 Jahre alte Isländer soll die deutschen Handballer zu den Olympischen Spielen 2020 führen. Das bedeutete im Umkehrschluss, dass der bisherige Cheftrainer der deutschen Männer gehen muss: Christian Prokop hat die Konsequenzen aus dem schwachen Abscheiden zu tragen.

Als Klubtrainer mit deutschen Teams sehr erfolgreich: Alfred Gislason, neuer Handball-Bundestrainer.
Als Klubtrainer mit deutschen Teams sehr erfolgreich: Alfred Gislason, neuer Handball-Bundestrainer.Imago Images

„Wir haben diese schwere Entscheidung nach reichlicher Abwägung und einer ganzheitlichen Analyse aus Verantwortung für den deutschen Handball getroffen“, sagt Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB). „Bei Christian Prokop bedanken wir uns ausdrücklich für die geleistete Arbeit und insbesondere für das Auftreten unserer Nationalmannschaft bei den letzten Turnieren.“ Was ein leitender Funktionär eben so sagt: „Wir sind allerdings auch in der Analyse der Europameisterschaft davon überzeugt, dass wir unsere kurzfristigen Ziele nur mit einem neuen Impuls erreichen können. Alfred Gislason steht aufgrund seiner langjährigen Erfahrung und Erfolge für einen solchen Impuls und bringt frische Energie in die Nationalmannschaft.“

Gislason soll nun auf die WM 2021 und die EM 2022 hinarbeiten. So lange jedenfalls läuft sein Vertrag mit dem DHB mindestens. Am 9. März wird er sein Amt bei einem Lehrgang in Aschersleben antreten. Das erste Länderspiel verantwortet der Isländer am 13. März gegen die Niederlande (18 Uhr/ARD). Und dann ist da  die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio, die vom 17. bis 19. April in Berlin ausgetragen wird. Gegen Schweden, Slowenien und Algerien muss sich die deutsche Auswahl in der Max-Schmeling-Halle einen von zwei Plätzen sichern.

Auch vor diesem Hintergrund ist die Trennung von Prokop zu sehen. Der Bundestrainer hatte Pech, Verletzungspech, bei der Europameisterschaft fehlten ihm wichtige Akteure wie etwa Fabian Wiede von den Füchsen Berlin. Dennoch besaß das vorhandene Personal bei dem Turnier in Österreich und dann in Norwegen genug Qualität, um besser abzuschneiden. So zumindest die Einschätzung von Experten wie dem ehemaligen Handballprofi Daniel Stephan. Der attestierte der DHB-Auswahl, sie sei seit der WM 2019 „keinen Schritt nach vorne gekommen“. Immerhin waren die Deutschen da noch auf Platz vier gelandet. Defizite im Angriff, andere machten die Abwehr als Problemzone ausfindig.

Gislason soll für positive Nachrichten sorgen

DHB-Vizepräsident Bob Hanning, in Personal-Union Manager der Füchse Berlin, stellte sich hinter Prokop. Nicht zuletzt deshalb schien der Köthener eine Bewährungsfrist bis zu dem Berliner Qualifikationsturnier zu bekommen. Doch nun ist seine Zeit abgelaufen.

Nachfolger Gislason ist mit dem deutschen Handball eng verbunden. Als Spieler gewann er mit TuSEM Essen in den Achtzigerjahren zweimal die  Meisterschaft. Nach seiner Laufbahn als Aktiver wurde er einer der erfolgreichsten Vereinstrainer weltweit. In der stärksten Liga weltweit: Mit dem SC Magdeburg gewann er 2002 die Champions League, 2010 und 2012 dann auch mit dem THW Kiel. Siebenmal nahm er die deutsche Meistertrophäe in Empfang, sechsmal den DHB-Pokal. In seiner Heimat Island war Gislason von 2006 bis 2008 Trainer des Jahres in Serie.

Bis Sommer 2019 war Gislason Trainer des THW Kiel. Jetzt ist er Bundestrainer. Er wird noch stärker in den Fokus rücken als in seiner Funktion als Vereinscoach. Und der DHB erwartet, klar: weitere positive Meldungen.