Deutschlands Patrick Wiencek (r) setzt sich gegen Spaniens Julen Aguinagalde Akizu und wirft auf das spanische Tor.
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TrondheimAls vor der zweiten EM-Vorrundenspiel in der Norweger Arena das Lied „Viva Colonia“ von den Höhnern zu hören war, schien es wie ein gutes Omen. Kurz kamen Erinnerungen an der WM im letzten Jahr auf, als die deutsche Mannschaft im letzten Hauptrunden-Spiel in Köln gegen Spanien mit 31:30 hatte gewinnen können. Doch in Trondheim zeichnete sich ein ganz anderes Bild. Die DHB-Auswahl ging sang- und klanglos mit einer 26:33 (11:14)-Niederlage unter.

„Das haben wir uns alle anders vorgestellt“, zeigte sich Bundestrainer Christian Prokop nach Abpfiff resigniert. „Wir sind aus unserer Sicht mit einer guten Vorbereitung und Stimmung da rein gegangen und dann kam eine Startphase, die voll ins Kontour schlägt.“

Enttäuscht: Handball-Bundestrainer Christian Prokop.
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Ein technischer Fehler nach dem anderen

In der Anfangsphase leistete sich sein Team einen technischen Fehler nach dem anderen und wenn sich dann doch einmal eine Wurfchance ergab, scheiterte man am gegnerischen Torhüter Gonzalo Perez de Vargas. Auf der anderen Seite ließ man sich eiskalt auskontern und ausspielen. Nach nur zehn gespielten Minuten war auf dem Videowürfel ein ernüchternder 1:6-Spielstand abzulesen. Einzig erfolgreicher Schütze zu diesem Zeitpunkt war Uwe Gensheimer, der in der sechsten Minute den ersten Treffer erzielen konnte.

Der Kapitän war es, der mehrfach versuchte seine Mannschaftskameraden anzuspornen. „Kommt jetzt“, hörte man seine motivierende Worte durch die gesamte Halle schallen, während er die Arme auffordernd in die Luft hob. Es wirkte. Nach einer gespielten Viertelstunde legten die Deutschen einen 5:0-Lauf hin und kamen bis auf ein Tor heran (21., 9:10). Für mehr reichte es allerdings nicht, auch weil Gensheimer zwei Strafwürfe liegen ließ. Bei ihm und seinen Kollegen haderte es an der Wurfeffektivität. Die Chance auf den Ausgleich wurde wiederholt verspielt und Spanien zurück in das Spiel geholt.

Michalczik blieb auf der Bank

„Die geringe Durchschlagskraft im Angriff war heute der Schlüssel, das wir dieses Spiel nicht offen gestalten konnten“, erklärte Prokop, der in der zweiten Hälfte fast alle seine Spieler einsetzte. Einzig Michalczik blieb auf der Bank, um „nicht noch mehr Unruhe“ ins Geschehen zu bringen, wie der Bundestrainer ausführte. Jedoch war es dafür schon etwas zu spät. Bei einem zwischenzeitigen Rückstand von zehn Toren gingen die Köpfe immer weiter nach unten, die Körperspannung verloren. In den letzten Minuten fehlte dem Auftritt jegliches Selbstvertrauen. Die Spieler hatten sichtbar erkannt, dass sie den routinierten Spaniern wenig entgegensetzen konnten, unterdessen diese ihre individuelle Klasse ausspielten.

Das musste Prokop am Ende neidlos anerkennen: „Das war eine enttäuschende Performance. Wir haben über 60 Minuten keine Lösung gegen die spanische Defensive gefunden. Das müssen wir akzeptieren und uns im nächsten Spiel verbessern, damit wir die Hauptrunde erreichen.“ Man merkte dem 41-Jährigen an, dass seine anfängliche Zuversicht verflogen war. Denn das die deutsche Mannschaft gegen Lettland um das Weiterkommen zittert, hätte vor dem Turnier wohl keiner gedacht.