Jacob Tandrup Holm (Füchse), beim Wurf, hinten Patrick Wiencek (Kiel).
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BerlinEs dauerte genau 83 Sekunden, als das Trikot des Kielers Harald Reinkind bei der Zerreißprobe scheiterte, nachdem ihn Mijajlo Marsenic aggressiv in seinem Angriff gestoppt hatte. Zwei Minuten später erhielt der Serbe von den Füchsen nach einer weiteren Abwehraktion die Gelbe Karte. Marsenic und seine Kollegen machten von Beginn an deutlich, dass sie bereit für einen großen Kampf waren. Der Rekordmeister nahm die Herausforderung an, doch am Ende behielt Berlin die Oberhand und gewann dieses Spitzenspiel mit 29:28(12:17).

„Ich will heute nichts analysieren oder viel erklären. Ich bin einfach nur glücklich und stolz, diese Mannschaft trainieren zu dürfen“, sagte Trainer Velimir Petkovic nach dem ersten Sieg der Füchse gegen Kiel nach neun Jahren.

So verlief das Spiel

Petkovics Schützlinge starteten gut in der Defensive und zwangen die Kieler mehrmals zum Zeitspiel, dennoch gelang den Gästen   wiederholt der Torerfolg. Aus dem Rückraum, von Außen, im Gegenstoß – die Füchse fanden kein Mittel. Nach 15 Minuten war der Rückstand bereits bei vier Treffern angelangt und stieg trotz eines  Zwischenspurts bis zur Halbzeit weiter an.

Fünf Minuten vor der Pause zeigte die Anzeige sogar nur noch ein Tor Rückstand an, doch die Füchse verloren wieder den Faden. Auch der Torhüterwechsel von Martin Ziemer auf Fredrik Genz blieb ohne die erhoffte Impulsgebung. Sogar der mit Knieproblemen verletzte Silvio Heinevetter mischte sich ein und gab dem 22-Jährigen von der Tribüne aus Hilfestellung. Es half alles nichts.

In der zweiten Halbzeit stand Ziemer wieder zwischen den Pfosten und es schien, als ob die Mannschaft ihren anfänglichen Kampfgeist wiederentdeckt hatte. Der zuvor durch Frustschreie auffällige Hans Lindberg traf zum 13:17, bevor der frisch eingewechselte Kevin Struck zweifach im Gegenstoß erhöhte.

Füchse Vs. THW Kiel: Rot für Marsenic

Dann folgte wieder ein harter Moment. Marsenic holte den nächsten Kieler aus der Luft und sah Rot – für ein Foul, das wenige Minuten zuvor auf der anderen Seite nicht geahndet wurde. Die Strafe war entscheidend, jedoch nicht auf die erwartete Weise. Die Schiedsrichter machten sich unbeliebter, die Halle wurde laut. Danach quittierte das Publikum jede Entscheidung mit Buhrufen und Pfiffen, die eigene Mannschaft wurde umso energischer angefeuert. Die Füchse sogen die Unterstützung auf und kämpften sich weiter heran. In der 48. Minute gelang der Ausgleich, auch weil Ziemer im Tor einige wichtige Bälle festhalten konnte und Tempogegenstöße dadurch ermöglichte. In der 50. Minute parierte er einen Strafwurf und sicherte das 24:24. Anschließend verwandelte Jacob Holm drei Würfe in Serie und erarbeitete die erste zwei Tore-Führung (27:25).

„Die Rote Karte hat bei uns etwas bewirkt. Danach haben wir als Mannschaft enger zusammengestanden. Und mit dem Publikum hier ist es immer etwas Besonderes“, sagte Holm, der mit acht Treffern erfolgreichster Schütze der Partie war. Doch der entscheidende Augenblick gehörte dem Schlussmann. In der letzten Sekunde hielt er einen Wurf von Nikola Bylik und wurde zum Held des Abends.