Berlin - Mikkel Hansen sagte diesen einen Satz, weil er an das Gute glaubte. Weil er Vertrauen hatte in Jesper Nielsen, den millionenschweren Mäzen, und in dessen groß angelegtes Handball-Projekt AG Kopenhagen. Hansen, der Weltklassespieler und Pop-Star Dänemarks, der Mann mit den ausgefallenen Klamotten und den ungebändigten Haaren, hoffte auf eine rosige Zukunft bei AGK. In einem Video über seinen Klub sagte er: „Intet er umuligt“ – nichts ist unmöglich.

Was als Traum von Triumphen und Titeln begann, endete für Hansen an diesem Dienstag in einem Albtraum. Da bekamen der Welthandballer und seine Kollegen von AG Kopenhagen übermittelt, dass ihr Verein Insolvenz angemeldet habe. „Wir sind sehr traurig“, sagte Hansen, „AGK hat in Europa ja ein Stück weit ganz Dänemark repräsentiert.“ Er frage sich, wie das passieren konnte. Die Antwort ist einfach: Sie trägt den Namen Jesper Nielsen.

Weil der Gönner in arge Finanznöte geraten ist, war sein Projekt nicht mehr lebensfähig. Nielsen hat vor einiger Zeit mit dem Verkauf seiner Schmuckfirma Pandora viel Geld verloren. Wie man hört, mussten er und seine Mitgründer wegen Missmanagement der neuen Führung Hunderte Millionen Euro abschreiben. Zuletzt wurde zudem öffentlich, dass Nielsen aus seiner Zeit als Mäzen bei den Rhein-Neckar Löwen auch noch einen hohen einstelligen Millionenbetrag an den Bundesligist zahlen müsse.

Das Aus von Nielsens AG Kopenhagen ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung. In jüngster Zeit hat es eine Reihe von Erdbeben im Spitzenhandball gegeben. Der Sport ist in Aufruhr, im Moment verschieben sich die Machtverhältnisse in Rekordzeit, vor allem weil Mäzene oder Investorengruppen ihre Finger im Spiel haben. Neue Vereine, die die Champions League gewinnen wollen, schießen aus dem Boden, andere, wie Kopenhagen, verschwinden im Nichts.

Im Fokus steht vor allem Paris. Dort wollen finanziell betuchte Katarer nicht nur den Fußball-Erstligisten St. Germain pushen, sondern auch dem Handball-Ableger zu europäischen Titeln verhelfen. Ein Verein, der in der vergangenen Saison fast abgestiegen ist, soll nun die Königsklasse gewinnen. Die Katarer leben Jesper Nielsens Traum – und wie es heißt, ist ihr Interesse an Mikkel Hansen sehr groß.

Hinter dem Fußball- und Handballprojekt in Paris steht die Gruppe Qatar Sports Investment (QSI), eine in Doha ansässige Kapitalgesellschaft, deren Bemühungen einhergehen mit dem verstärkten Expansionsbestreben des katarischen Fernsehsenders Al-Jazeera. Dieser will sich auf dem globalen Sportmarkt nachhaltiger als bisher positionieren, als Blaupause fungiert die Fernsehlandschaft in Frankreich. Dort hat Al-Jazeera bereits den Ableger „beIN Sport“ installiert – wenig überraschend hält der Bezahlsender nicht nur Fußballrechte, sondern darf auch die Handball-Champions-League ausstrahlen.

Plötzliche Auferstehung

Bis zu sieben Millionen Euro, so heißt es, investiert die QSI in den Pariser Handball. Dadurch, und durch den Rückzug von AG Kopenhagen, gerät der europäische Spielermarkt in Bewegung. Paris etwa ist nicht nur an Hansen interessiert, sondern auch am kroatischen Exzentriker Ivano Balic. Der französische Nationalspieler Didier Dinart richtet schon seine Wohnung an der Seine ein, genau wie sein Kollege Luc Abalo, für den die Katarer mehr als eine halbe Million Euro zahlten.

Dinart und Abalo kommen von Atlético Madrid, dem diesjährigen Champions-League-Finalisten. Wie Atlético leidet die gesamte Asobal, die zweitstärkste Liga der Welt nach der Bundesliga, unter der Finanzkrise. Der frühere Renommierklub BM Valladolid etwa verzichtete auf seinen Start im Europapokal, weil die finanzielle Situation das oftmalige Zuschussgeschäft EHF-Cup nicht zulasse. „Vielleicht eine der peinlichsten Entscheidungen“, hieß es auf der Homepage von Valladolid. „Ich fühle mich desillusioniert und verlassen von Gott“, klagte Klubpräsident Dionisio Miguel Recio.

Viele spanische Profis zog es nun in für sie neue Regionen: an den Balaton zu MKB Veszprém etwa. Der ungarische Topklub kämpfte zuletzt ums Überleben, weil der Hauptsponsor, eine Bank, im Zuge der Finanzkrise in Probleme geraten war. Doch plötzlich, als wäre Magie im Spiel gewesen, feierten die Magyaren ihre Auferstehung, verpflichteten der Reihe nach Topspieler. Später stellte sich heraus, dass an dieser Entwicklung gar nichts Magisches war – sondern vielmehr ein Brausefabrikant aus Österreich investierte.

Offiziell bestätigt wurde die Zusammenarbeit noch nicht, doch sie gilt als sicher. Das Ziel soll sein, dass Veszprém der Brausemarke in Ungarn zu noch mehr Bekanntheit verhilft. Gewännen der fast schon tot geglaubte Handballklub nebenbei den Champions-League-Titel, wäre das natürlich ein schönes Extra. Unmöglich scheint im Moment ja sowieso nichts zu sein.