Köln - Zur Ruhe will niemand kommen, auch wenn das Spiel, die vielen Torjubel-Freuden und die Schlusssirene nun schon ein paar Minuten hinter der wild feiernden Kulisse liegen. Die Hallenregie entscheidet sich für einen deutschen Schlager, der bei Erfolgen Konjunktur hat: „Oh wie ist das schön“, und mehr als 19.000 Menschen in der Lanxess-Arena stimmen mit ein.

Anschließend rufen sie die Vornamen der überragenden Spieler: „Andi“, „Uwe“ und „Paul“, „Steffen“ sowieso, weil Steffen Fäth mit seinen sechs Treffern am Samstag beim ersten Spiel der deutschen Mannschaft in der WM-Hauptrunde gegen Island einer der entscheidenden Spieler war. Deutschland gewann am Ende klar 24:19 (14:10) – doch der Weg zum erfolgreichen Auftakt war hart erkämpft.

Kölner Zuschauer feierten Torwart Andi Wolff

Deshalb feierten die Zuschauer auch Torhüter Andreas „Andi“ Wolff, der mit sagenhaften zwölf Paraden auffiel, davon eine kurz vor Schluss gegen den frei vor ihm stehenden Sigvaldi Gudjonsson, die nicht von dieser Welt war. Bundestrainer Christian Prokop fand das: „Wahnsinn!“. Bleiben also noch „Uwe“ Gensheimer und „Paul“ Drux zu würdigen. Kapitän Gensheimer traf fünf Mal und Drux immer dann, wenn scheinbar nichts mehr ging. Standfest dribbelte er sich dann durch die isländische Hünen-Abwehr – und traf am Ende bei vier Versuchen vier Mal.

Und alle deutschen Spieler waren nach der Partie fasziniert bis fassungslos von der phänomenalen Unterstützung ihrer tanzenden, hüpfenden und sie unermüdlich anfeuernden Fans. Prokop sagte: „Das ist die schönste Zeit, die wir beruflich erleben.“ Drux stellte fest: „Wahnsinn! So etwas habe ich noch nie erlebt. Die Zuschauer haben uns getragen, wenn es eng war. Es ist unglaublich. Das macht so viel Spaß.“

Deutsche Mannschaft mit Problemen zu Beginn

Tatsächlich hatte die deutsche Mannschaft in der Anfangsphase einige Probleme, vor allem mit Islands Weltklasse-Spieler Aron Palmarsson, der für den FC Barcelona aktiv ist. Er warf in der Anfangsphase drei Tore und war ein wichtiger Faktor der Isländer. Doch das galt nur für die erste Halbzeit, er verletzte sich, was Gensheimer auch als siegentscheidend für das deutsche Team ausmachte.

Prokops Team lag nach schneller 5:2-Führung (7.) nach 18 Minuten plötzlich hinten: 6:7. Es sollte der einzige Rückstand bleiben. Die Deutschen nahmen diese Warnung ernst und setzten sich bis zur Halbzeit mit 14:10 ab.

Isländer verlieren die Kraft

In der zweiten Halbzeit ließ die Zielgenauigkeit der Deutschen zeitweise nach, so stand es nach 41 Minuten 18:16. Und wieder schöpfte das deutsche Team aus dieser Schwächephase neue Kraft, was auch daran lag, dass die hart verteidigenden Isländer zunehmend kraftlos wirkten und neben Palmarsson schließlich auch noch auf Arnor Thor Gunarsson verzichten mussten, ihren treffsicheren und stark spielenden Rechtsaußen (sechs Tore).

Deutschland hat nun fünf Punkte und steht zumindest bis Sonntagabend an der Spitze der Hauptrundengruppe A. Um das Halbfinale in Hamburg zu erreichen, müssen die Deutschen einen der ersten beiden Gruppen-Plätze erreichen. Das wird eine harte Prüfung, die nächsten Gegner verkörpern Weltklasse: Kroatien (Montag) und Spanien (Mittwoch). „Wir haben es in der eigenen Hand“, sagte Prokop noch. Und: „Wir brauchen ein emotionales Feuerwerk gegen die Kroaten.“ Das, so scheint es, ist die leichteste Übung am Montag in Köln – die Fans werden gewiss liefern.