Hello again: Hansi Flick muss an diesem Mittwoch in London beim FC Chelsea eine gute Ausgangslage schaffen für das Achtelfinal-Rückspiel am 18. März. 
Foto: AFP/Schiffmann

MünchenZeit, um seinen 55. Geburtstag zu feiern, blieb Hansi Flick am Rosenmontag kaum, einmal abgesehen vom Ständchen, das ihm seine Mannschaft beim Abschlusstraining in München um 11 Uhr sang. Zu vollgepackt war die Agenda mit dem Abflug nach London um 15 Uhr und der Pressekonferenz dort am frühen Abend vor dem Achtelfinalhinspiel der Champions League beim FC Chelsea an diesem Dienstag. Bei jenem Premier-League-Vierten also, der dem FC Bayern als Traumagegner in Erinnerung geblieben ist vom verlorenen „Finale dahoam“ von 2012. Trotz großer Überlegenheit samt Thomas Müllers 1:0 unterlagen die Münchner damals am 19. Mai in der eigenen Arena nach Didier Drogbas Ausgleich kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit später im Elfmeterschießen dramatisch 3:4.

„Das hat mit dem Spiel von damals fast nichts mehr zu tun“, sagt Müller nun über die aktuelle Dienstreise ins Stadion an der Stamford Bridge. Neben dem Offensivspieler waren aus dem aktuellen Kader nur Torwart Manuel Neuer und Innenverteidiger Jérôme Boateng vor fast acht Jahren dabei. Doch die Erinnerung spiele für sie eigentlich keine Rolle. „Man wird natürlich immer danach gefragt“, sagt Müller, und erst „dann kommen die Bilder“. Also im Kopf.

Lob von Rummenigge

Flick hat das Drama von 2012 ohnehin nur als Unbeteiligter verfolgt. Allein schon deshalb sieht er von einer Verquickung und Begriffen wie Revanche vor dem aktuellen Achtelfinale ab. Für ihn geht es einzig um die Gegenwart und Zukunft. Denn im Mittelpunkt der beiden Verabredungen mit Chelsea nun und im Rückspiel am 18. März in München steht ja die Frage, ob sich Flick auch international bewährt. Davon hängt sein Verbleib über den Sommer hinaus wohl entscheidend ab.

Dass die Bayern die kommende Saison mit Flick angehen werden, ist derzeit sehr wahrscheinlich. Das brachte auch Karl-Heinz Rummenigge zum Ausdruck, als er dem Trainer im Fachblatt kicker am Montag eine verbale Geburtstagsgirlande flocht. „Er hat einen klaren Matchplan. Die Mannschaft ist taktisch so ausgerichtet wie bei Louis van Gaal, Jupp Heynckes und Pep Guardiola“, schwärmte der Vorstandschef und unterstrich mit seinem Vergleich, welch hohe Wertschätzung Flick in München genießt. Dieser sei „ein wichtiger Faktor, er hat eine empathische Verbindung zur Mannschaft und macht es auch in der Öffentlichkeit sehr gut.“

Zudem lehrt Flick seit seinem Amtsantritt Anfang November wie seine berühmten Vorgänger jenen Ballbesitz- und Offensivstil, den sie in München unter Niko Kovac vermisst hatten, besonders beim Achtelfinal-Aus gegen den FC Liverpool in der Vorsaison. Ein derart früher Abschied aus Europa, verfügte Rummenigge, „darf uns nicht noch einmal passieren“. Flick weiß das und ebenso, dass ihm seine Bilanz von 14 Siegen aus seinen bisherigen 17 Spielen nicht zum Verbleib verhelfen dürfte, wenn seine Mannschaft nun gegen das junge Chelsea-Team ausscheiden sollte.

Die beiden Vergleiche mit dem englischen Großklub werden zur Reifeprüfung. Für die aktuelle Bayern-Belegschaft mit ihrem Hang zu Nachlässigkeiten wie für ihren Trainer. All das Lob, das Flick in Empfang nehmen darf – von seinen Spielern und Vorgesetzten, Experten und auch von Bayerns Triple-Trainer Heynckes, der früh zu einer Ära mit Flick riet – all diese Elogen also wären bei einem Aus überdeckt vom schweren Makel, den eigenen Ansprüchen wieder nicht gerecht geworden zu sein. Flick ahnt, was das für seinen Wunsch, die Mannschaft dauerhaft anleiten zu dürfen, bedeuten könnte.

Flick ist nach außen gewohnt gelassen

Er gibt sich aber nach außen gewohnt gelassen und verweist selbstbewusst auf seine Unabhängigkeit. „Wenn es so sein sollte, dass sie einen anderen Trainer haben wollen, dann geht bei mir die Welt auch nicht unter und mein Leben weiter“, sagte er vor ein paar Tagen. Sein weniger beachteter Zusatz, „wenn man überzeugt ist, wird man eine Entscheidung treffen“, umriss die Bedeutung der Auftritte in der Champions League. Aus Vorsicht und strategischen Erwägungen wartet die Klubführung noch ab mit weitreichenden Zusagen für Flick, obwohl sie sich eine Zukunft mit ihm sehr gut vorstellen kann und „bis dato total zufrieden“ ist, wie Rummenigge betonte.

Nach allem, was zu vernehmen ist, denken sie derzeit entgegen anders lautender Gerüchte jedenfalls nicht ernsthaft an die gehandelten Thomas Tuchel (Paris St. Germain) und Erik ten Hag (Ajax Amsterdam). Wenn man so will, haben die Bayern Flick den roten Teppich für die gemeinsame Zukunft bereits ausgerollt. Er muss nur noch drüber gehen, und einen ersten entscheidenden Schritt machen, indem er gegen Chelsea schon mal ins Viertelfinale einzieht.