Am Ende wurde wieder gehüpft und gesungen. Ein mehrere tausend Stimmen starkes „Finale Ohoho“ hallte am Sonntagnachmittag durch die Arena am Ostbahnhof. Während die Fans auf der Tribüne sangen, feierten auch die Spieler auf dem Parkett. Bogdan Radosavljevic dirigierte den Gesang, Marius Grigonis hüpfte auf und ab wie ein Flummi und Peyton Siva stand mit ausgebreiteten Armen im Mittelkreis. 91:88 hatten Alba Berlins Basketballer die Riesen aus Ludwigsburg besiegt und mit diesem dritten Sieg im dritten Halbfinalduell den Einzug in die entscheidende Runde geschafft.

Wen sie dort lieber sähen, wurde Spencer Butterfield auf dem Weg in den Feierabend gefragt. „Egal, wen wir bekommen, es wird auf jeden Fall ein tolles Duell“, sagte der Guard, der mit seinen 19 Punkten und 7 Rebounds entscheidenden Anteil am Finaleinzug hatte. „Bamberg wäre besser, weil wir in einem fünften Spiel Heimrecht hätten.“

Der Heimvorteil: Nahm man die bisherigen acht Play-off-Spiele und heute die ersten fünf Minuten, hilft er den Berlinern sehr. Sie starteten furios in die Partie. 15:4 stand es nach vier Minuten. Während Alba hinten druckvoll verteidigte und vorne durch viel Tempo und Treffsicherheit glänzte, schien Ludwigsburg gedanklich noch in der Kabine zu weilen. Doch sie wurden in einer Auszeit offenbar geweckt von ihrem Trainer John Patrick.

Beweis der Berliner Qualität

Plötzlich waren es die Gäste, die das Spiel prägten. „In der ersten Hälfte haben wir mit niedriger Intensität gespielt“, sagte Butterfield. Hinten brachten die Ludwigsburger Alba mit ihrer gefürchteten Press-Verteidigung aus dem Konzept, und auch ihre Angriffe liefen sie jetzt besser. Nach dem ersten Viertel stand es 27:23, kurz darauf dann 30:30.

Symptomatisch für die Offensivprobleme Albas war eine Szene Mitte des zweiten Viertels: Innerhalb von nicht einmal 30 Sekunden verwarf erst Peyton Siva, dann der sonst so treffsichere Butterfield und anschließend auch noch Center Dennis Clifford, ehe abermals Butterfield mit dem Ball in der Hand auf der Auslinie stand. Und doch blieb Alba zumindest an den entfesselten Ludwigsburgern dran. Auch dank eines Wunderwurfes von Stefan Peno, der mit der Halbzeitsirene von Höhe der Mittellinie auf 42:43 verkürzte.

Was folgte, war ein Beweis der Berliner Qualität auch mit schwierigen Situation umgehen zu können. So zeigte Alba sich in Hälfte zwei wenig beeindruckt von der Knappheit des Spiels. „Wir haben härter gespielt und sind zu guten Würfen gekommen“, sagte Butterfield. Er war es, der nun zu überzeugen wusste, verwandelte zwei Dreier zum 56:47.

„Das war heute ein hartes Stück Arbeit“

Butterfield war es auch, der Alba Anfang des Schlussabschnitts zum Erfolg dirigierte. Sieben Punkte in Folge erzielte er, erhöhte auf 74:61 und versetzte auch die 10 387 Zuschauer in der Arena in einen Zustand kollektiver Freude. Getoppt wurde dieser einzig durch bereits beschriebene Szenen nach dem Ertönen der Schlusssirene.

Durch das glatte 3:0 hat Alba gegenüber dem Finalgegner kleinen Vorteil. Die Berliner haben eine ganze Woche Zeit, um sich auf die langersehnte Finalserie vorzubereiten, für die sie so hart gekämpft haben, während der ganzen Saison, im Halbfinale, im dritten Spiel. „Das war heute ein hartes Stück Arbeit“, sagte Joshiko Saibou. Davon können sich die Berliner jetzt erholen. Und am Dienstag nach Bamberg schauen, auf Spiel vier. Saibou: „Ich bin gespannt, wer im Finale auf der anderen Seite sein wird.“