Hartwig Gauder verstarb 65-jährig an einem Herzinfarkt.
Foto: Imago Images

BerlinDer frühere Berliner Geher André Höhe kann sich noch gut daran erinnern, wie ihm Hartwig Gauder 2009 zum vierten Platz bei der Leichtathletik-WM im Berliner Olympiastadion gratuliert hat. Hartwig Gauder war Höhnes Vorbild gewesen, ein Olympiasieger, einer der Werte vermittelte. Am Mittwoch erlag der Olympiasieger im 50 km Gehen von 1980 im Alter von 65 Jahren einem Herzinfarkt. Dies berichten die Thüringer Allgemeine und die Ostthüringer Zeitung. 

„Heute hat Thüringen mit Hartwig Gauder einen seiner begabtesten Sportler und unermüdlichen Streiter für das Thema Organspende verloren. Wir trauern um einen großen Menschen. Sein Andenken lebt weiter“, twitterte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow.

Zehn Monate mit einem künstlichen Herzen

Gauder, der 2016 in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen wurde, war am 30. Januar 1997 ein Spenderherz transplantiert worden. Zuvor war nach einer Bakterieninfektion 1995 seine Herzleistung auf 16 Prozent gesunken, wenig später musste er auf die Transplantations-Warteliste gesetzt werden. Zehn Monate lebte er mit einem künstlichen Herzen. Nach der Transplantation schloss er sein Architekturstudium ab.

In den zurückliegenden Monaten musste er täglich zur Dialyse, da seine Nieren versagt hatten. Gauder stand kurz vor einer zweiten Herztransplantation, die Mediziner hatten bereits grünes Licht gegeben. Doch es war zu spät.

"Er hat Werte vermittelt"

„Er ist natürlich ein sehr bekannter Geher gewesen, sehr erfolgreich“, sagt Höhne, der inzwischen als Bundestrainer Langstrecke beim Deutschen Leichtathletik-Verband arbeitet. „Er hat Werte wie Disziplin, Zielstrebigkeit, Bewegungsfreude vermittelt, auch unserer Jugend. Er hat gewusst, und das ist ja gerade auch wieder ein wichtiger Punkt, dass man sich durch den Sport gesund hält.“

Die Geschichte des Hartwig Gauder ist eine Geschichte von Erfolg, vor allem aber von Kampf: In den 80er Jahren gehörte Gauder zur Weltspitze im Gehen. Er gewann fast jeden Wettbewerb: DDR-Meister in Folge, Europameister, Weltmeister, Olympiasieger. Auch nach der Wende ging er von Erfolg zu Erfolg. 1993 wurde er Deutscher Meister über 50 Kilometer. Dann beendete er seine unvergleichliche Karriere. Unmittelbar danach kämpfte Gauder seinen härtesten Kampf: um sein Herz, es wurde ein Wettlauf gegen den Tod oder, wie Gauder rückblickend einmal in der Berliner Zeitung sagte: ein Wettlauf um sein Leben.

Die Leistungsfähigkeit von Gauders Herzen sank auf 30 Prozent, dann auf  15 Prozent. Nun bestand Lebensgefahr. Um ihn zu retten, implantierten ihm Ärzte ein Kunstherz. Sie hoffen, daß sich sein eigenes Herz dadurch erholen würde. Aber sein Zustand verschlechterte sich dramatisch. Gauder musste erleben, wie alle Patienten um ihn herum, die dasselbe Kunstherzmodell haben, starben.

In letzter Sekunde bekam er ein Spenderherz. Bewussten 30. Januar 1997 werde er niemals vergessen, als er erwachte, sagte Gauder 2005 in einer Dokumentation der ARD: "Ich habe in mich hineingehört und einen Herzschlag gehört."

Gauder bestieg den Fudschijama

Nur vier Tage nach seiner Transplantation begannt er wieder Rad zu fahren und zu trainieren. Zwei Mal die Woche übte Gauder. Wenig später lief er den New York Marathon - als erster Mensch nach einer Herztransplantation. Im Juli 2003 besteigte er den höchsten Berg Japans, den Fudschijama.

2014 führte eine Abstoßungsreaktion zu Problemen und desolaten Werten. „Mit Willen und guten Gedanken schafft man es dann auch wieder auf den positiven Weg“, sagte Gauder damals. Und immer wieder half ihm bei der Bewältigung auch seine Karriere als Leistungssportler. 1980 in Moskau wurde der in Baden-Württemberg geborene Gauder Olympiasieger, 1986 in Stuttgart Europameister, ein Jahr später in Rom Weltmeister.