Im Fadenkreuz: Im Stadion an der Alten Försterei pöbeln Union-Fans gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp. 
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BerlinWieder einmal ist Dietmar Hopp in einem Stadion beschimpft, der Mäzen des Bundesligisten Hoffenheim diffamiert worden. Diesmal am Sonnabend im Spiel seines Teams gegen den FC Bayern und am Sonntag im Duell des 1. FC Union gegen Wolfsburg. Wieder dient die Verklärung des geschäftsmäßigen Fußballs zur Rechtfertigung einer Straftat. Ein Konflikt ist daraus entstanden, er hat sich so weit zugespitzt, dass der Ausgangspunkt kaum noch auszumachen ist. Und wieder fungiert die Tribüne als idealer Tatort.

Das Phänomen der Diffamierung aus dem Dickicht ist bekannt aus den sogenannten sozialen Netzwerken, die in derartigen Fällen deshalb asozial sind, weil die Täter von der Gemeinschaft, der Anonymität profitieren. Im Fußball arbeitet sich der Stumpfsinn bevorzugt an Emporkömmlingen wie RB Leipzig oder eben der TSG 1899 Hoffenheim ab, allzu oft auch an Profis mit anderer Hautfarbe. Das Tatmotiv liegt in schrägen Weltbildern, in selbstgebastelten Feindbildern.

Fußballprofis setzen Zeichen

Die Profis der TSG und des FC Bayern haben dagegen nun ein starkes Zeichen gesetzt. Sie wählten ein Mittel, das den Straffälligen im Fan besser zur Räson ruft als jede Technik. Es wirkt effizienter und zielgerichteter als jene App etwa, die in Englands Premier League dazu dient, einen mutmaßlichen Querulanten auf dem Nachbarsitz zu denunzieren. Hoffenheimer und Münchner schoben sich am Ende nur noch den Ball zu. Das kam einem Spielabbruch gleich. Und das erhöht den sozialen Druck. Durch all jene, die in ein Stadion gehen, um Fußball zu sehen. Unabhängig davon, ob ihr Klub von einem Mäzen oder einem Finanzinvestor gesponsert wird. Durch die Mehrheit also, die sich irgendwann gegen den Pöbel zur Wehr setzt.