Berlin - Russlands Eishockey-Idol Alexander Owetschkin sieht sich nach seinen Aussagen zum Ukraine-Krieg heftiger Kritik ausgesetzt. Nicht nur nordamerikanische Medien zeigen wenig Verständnis für die Haltung des Stürmers vom NHL-Team Washington Capitals, zuvor hatte bereits die tschechische Torhüterlegende Dominik Hasek klare Worte geäußert.

„Bitte, keinen Krieg mehr. Wir müssen in Frieden leben“, hatte Owetschkin zuletzt erklärt, von gezielter Kritik an Russland aber abgesehen. Er sei „kein Politiker“, sagte der 36-Jährige, der in Moskau auf die Welt kam und meinte über Wladimir Putin: „Er ist mein Präsident.“ Er habe „Familie in Russland“, so Owetschkin. Die Lage sei „beängstigend. Wir können nichts tun.“

Die Montreal Gazette ist der Auffassung, dass es „nicht wahr ist, dass Owetschkin nichts tun kann“. Das Blatt forderte den dreimaligen Weltmeister mit der Sbornaja, der seine Karriere bei Dynamo Moskau begann, auf, „seine beträchtliche Kraft einzusetzen, um den Tyrannen von seinem Sockel zu stürzen“.

Ein Profilfoto an der Seite von Putin

Noch deutlicher wurde das Sportblogging-Netzwerk SB Nation. „Zu sagen, dass er sich hilflos fühlt, ist ein unaufrichtiger Versuch, seine Bedeutung herunterzuspielen“, heißt es dort. Als einer der international prominentesten Athleten Russlands könne er „sich anders ausdrücken. Er hat sich dagegen entschieden.“ Owetschkin, auf dessen Instagram-Profilbild er bis heute an Putins Seite zu sehen ist, sei ein „feiger Speichellecker“.

Zuvor hatte Dominik Hasek, in der NHL zweimaliger Stanley-Cup-Sieger, den Russen auf Instagram scharf angegriffen. Owetschkin sei ein „Lügner“ und „Hühnerscheiße“ stand im Post, „jeder Erwachsene in Europa weiß genau, dass Putin ein wahnsinniger Killer ist und Russland einen Offensivkrieg gegen ein freies Land und dessen Menschen führt“.

Die NHL müsse die Verträge „aller russischen Spieler sofort aussetzen. Jeder Athlet repräsentiert nicht nur sich selbst und seinen Verein, sondern auch sein Land und dessen Werte und Handlungen.“

Der renommierte Spielerberater Dan Milstein, der rund 75 Prozent aller russischen und belarussischen NHL-Profis unter Vertrag hat, warnte unterdessen vor einer Stigmatisierung. „Die Diskriminierung und der Rassismus, mit denen diese Spieler derzeit konfrontiert sind, ist bemerkenswert“, sagte Milstein in einem ESPN-Interview.

Man werde „30 Jahre zurückgeworfen“, so der gebürtige Ukrainer: „Ich habe Spieler, die mich anrufen, Eltern, die mich anrufen. Sie sind besorgt, ob sie spielen können, ob sie in Sicherheit sind.“