Eigentlich hätte man über die beiden Begegnungen zwischen dem 1. FC Union und dem SC Freiburg ja auf dem kleinen Dienstweg eine Entscheidung herbeiführen können. Die Möglichkeit dazu wäre gewesen bei der Trainertagung in der Länderspielpause. Da saßen Unions Chefcoach und der oberste Übungsleiter der Breisgauer in Mönchengladbach gemütlich am Tag danach beim Frühstückstisch. „War wirklich ein toller Austausch mit ihm. Für mich ist er ein toller Trainer, der irgendwo 'ne Ansicht hat, die ich zum Teil auch teile. Von daher war's wirklich sehr angenehm“, meinte Urs Fischer über das Gespräch mit Christian Streich, in dem sich nicht alles nur um Fußball drehte.

Was auch einen Grund hatte. Natürlich wollte sich keiner der beiden Fußballlehrer vor der heutigen Partie im Stadion An der Alten Försterei (15.30 Uhr) zu sehr in die Karten blicken lassen. Womit leider auch die Möglichkeit eines Deals verpasst worden ist. Der hätte ja so aussehen können: Union behält die Ligapunkte, die Badener dürften dafür eineinhalb Wochen später im Pokal eine Runde weiterkommen.

Boris Johnsons Strategie

Wäre eigentlich beiden Klubs mit gedient. Freiburg, derzeit in der Liga in Champions-League-Gefilden rangierend, braucht die Punkte im Alltag weniger als Kellerkind Union. Doch für dieses Ansinnen konnte sich Urs Fischer nicht wirklich erwärmen. Streich-Resultate sind nicht sein Ding. „Ich hätte ihm einen ganz anderen Deal angeboten“, meinte der 53-Jährige. Man kann getrost davon ausgehen, dass er eine ähnliche Verhandlungspolitik wie Englands Premierminister Boris Johnson im Sinn hatte, der bei allen Brexit-Kompromissen immer nur eine Lösung im seinen Sinne haben wollte.

Ein Backstop im Geiste von Urs Fischer sieht bei aller Sympathie für seine Gegenüber eine sportlich harte Grenze zu den Breisgauern vor. Erst der Sieg in der Liga, dann am 29. Oktober ein Erfolg im ehemaligen Dreisamstadion im Cup. „Dieses gemeinsame Frühstück“ sei für den Schweizer ja eigentlich schon seit seiner Rückkehr nach Berlin „aus dem Kopf“ gewesen. Sein einziges Ansinnen ist, wie man den nach vier Pleiten in Folge wachsenden Druck mindern kann. Man könne sich ja schlecht darauf verlassen, dass im letzten Drittel der Hinrunde die Gegner reihenweise gestürzt werden, nur weil sie vom Papier her auf Augenhöhe mit den Eisernen zu sein scheinen. „Ich glaube, vier Punkte werden nicht genügen, um schlussendlich unser Ziel zu erreichen“, merkte Fischer mit Blick auf die Tabelle an. Zumal die unmittelbare Konkurrenz an diesem Wochenende nicht gänzlich leer ausgehen wird, da in Düsseldorf (gegen Mainz) und in Köln (gegen Paderborn) die Kellerkinder unter sich sind.

Leichte Spiele gibt es nicht

„Freiburg ist sehr gut in diese Meisterschaft gestartet. Sie haben sich das nötige Selbstvertrauen erarbeitet. Geschenke werden wir uns sicher nicht machen. Aber wir bestreiten ein Heimspiel“, betonte Fischer eingedenk des Höhenfluges der Badener.

Doch leichte Gegner gibt es für einen Aufsteiger ohnehin nicht. Und ob es nur ein Lauf ist, den die Streich-Schützlinge da gerade haben oder ob sie wirklich so gut sind wie Rang vier aussagt, soll eben heute überprüft werden. Und zwar gründlich. „Es gilt bei dem Heimspiel wie auch bei einem Auswärtsspiel, dass wir aufs Feld gehen, um gewinnen zu wollen“, so Fischer weiter.

Es gelte also nun zu bestätigen, was Union in mehr als nur Ansätzen gegen Frankfurt oder in Wolfsburg gezeigt hatte. „Wir wollen uns einfach auch mal für unsere Leistung belohnen, das heißt zu punkten“, fordert Fischer. Ansonsten könnten die kommenden Wochen mit einem Auswärtstrip nach München zum FC Bayern und einer auch nicht gerade schwach daherkommende Hertha im Derby den Köpenickern unangenehme Tage bescheren.