Immer schön den Ball flach halten. Das ist eine Devise, die im Fußball von der Kreisklasse bis zur Bundesliga ausgegeben wird – und auch in Köpenick Konjunktur hat.  Gerüchteweise soll ja schon mal ein allseits bekannter Klub nach 25. Spieltagen als Erster ins Schlussdrittel der Saison gegangen sein und endete dann nur als Vierter. Folglich denkt man beim 1. FC Union dieser Tage weniger an das, was Rang zwei und 16 Zähler – also durchschnittlich aufstiegsverdächtige zwei Punkte pro Spiel –  verheißen, sondern nur daran, wie am Sonntag ab 13.30 Uhr  gegen den FC Heidenheim die nächsten drei Zähler auf dem Konto der Eisernen landen könnten.

Immer weiter und wieder Punkte sammeln, das ist das Einzige, was Unions Trainer Urs Fischer derzeit   in aller Bescheidenheit umtreibt.  Platz zwei hinter dem 1. FC Köln und vor dem HSV – alles für Fischer nur eine „Momentaufnahme“, nichts für die Ewigkeit. Selbst die Möglichkeit, die Startserie ungeschlagener Spiele auf neun, mit womöglich der Rekordausbeute von dann 19 Zählern ausbauen zu können, würde das Trainerherz zwar erfreuen, nicht aber zu irgendwelchem Leichtsinn oder gar Enthusiasmus verleiten.

Zufriedene Anhängerschaft

Die Anhängerschaft der Köpenicker goutiert dieses zurückhaltende Verhalten. Die Unionfans gehören ja ohnehin zu der seltenen Spezies von Ballsportfreunden, die zwar jedes Spiel gewinnen wollen, damit aber  nicht zwingend einen Spielklassenwechsel anstreben oder implizieren. Der soll irgendwann  einmal erfolgen. Aber erst, wenn die Zeit und das Team dafür reif sind. Was es, das habe der Abstiegskampf des Vorjahrs gelehrt, wohl noch nicht ist.

Ob diese aus der Vorsicht geborene Haltung wirklich so zelebriert werden muss, sei  dahingestellt.  Es gibt Faktoren, die dafür sprechen, dass der Unionjahrgang 18/19 sich auf einer anderen Entwicklungsstufe befindet als die Vorjahresklasse.  „Das Spiel in Ingolstadt hat gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Jetzt heißt es, die eingeschlagene Richtung beizubehalten“, sagte Fischer.

Neue Abwehrstabilität

Die neue Abwehrstabilität, die aus dem Qualitätszuwachs im Tor (Rafal Gikiewicz) und einer mit Gardemaß aufwarteten Innenverteidigung (Marvin Friedrich uns Florian Hübner) beruht, zeichnet sich durch erst sechs Gegentore aus. Was Ligabestwert ist. Dazu sind die Eisernen das bislang heimstärkste Team der Liga. Auch geschuldet, sagte  Fischer, dem fanatischen Publikum, das hinter seinen Lieblingen steht. Ein Faktor, der gerade ein „engen Spielen“ hilfreich sei, um zurückzukommen – so wie gegen Duisburg – oder Spiele komplett zu ziehen.

Die phrasenschweinverdächtig geäußerte Konzentration auf die nächste Aufgabe scheint auch förderlich für die Truppe zu sein. Zu all dem kommen  „Teamgeist“ oder „Solidarität“, die Fischer nicht predigen muss, sondern täglich live erlebt.

Ganz leise schleichen sich    Untertöne ein, dass Union  mehr als nur die postulierte tabellarische Verbesserung   (Rang acht) anpeilt, wenn Fischer anmerkt, der Aufstieg  von Köln und dem HSV seien nicht in Stein gemeißelt. „Ich gehe weiterhin davon aus, dass sich am Ende Köln und Hamburg durchsetzen werden“, sagte der Trainer. Doch dann ergänzte er leise: „Es kann anders kommen. Dafür  muss Union  sorgen, und ich denke die eine oder andere Mannschaft.“ Es kann durchaus als Kampfansage interpretiert werden.