Heimspiel-Highlight: Hertha will den Bayern einen Punkt klauen

Gegen Mönchengladbach versuchte es Pal Dardai mit einer offensiven Taktik, gegen Dortmund mit einer defensiven Variante. Beide Male bekam Hertha von den Spitzenteams der Liga deutlich die Grenzen aufgezeigt. Vor dem Kräftemessen mit Bayern München heute Nachmittag (15.30 Uhr Olympiastadion, Sky) ließ der Trainer seine Mannen nun in Straßenfußballmanier bolzen. Eine Schulung für eine mögliche Chaostaktik gegen den Dauermeister war das allerdings wohl nicht, vielmehr ging es darum, den Kopf nach dem geplatzten Pokaltraum wieder freizubekommen. Frustbewältigung mit guter Laune, berichtete Dardai anschließend.

Doch nicht nur psychisch muss der Ungar sein Team nach der hochverdienten Niederlage vom Mittwochabend wieder aufbauen, auch körperlich zeigten die Herthaner gegen lauffreudige Dortmunder Defizite. Dardai betonte zuletzt, sein Team bewege sich derzeit am Limit, sei müde. Ohnehin bereiten englische Wochen der Hertha in dieser Saison Probleme. Die Niederlagen gegen Gladbach in der Hin- sowie gegen Stuttgart und Hamburg in der Rückrunde waren jeweils die dritte Partie binnen acht Tagen.

Dardai will rotieren

Gegen die Bayern, die bei einem Sieg und einer gleichzeitigen Niederlage des BVB in Stuttgart heute bereits vorzeitig den 25. Bundesligatitel eintüten könnten, setzt der Hertha-Coach deshalb auf Rotation. Rechtsverteidiger Peter Pekarik soll ebenso in die Startelf rücken wie Mittelfeldakteur Tolga Cicergi. Zudem erhält Valentin Stocker nach langer Pause mal wieder die Chance auf bis zu 90 Minuten Einsatzzeit. Zuletzt stand er Ende Oktober bei Anpfiff auf dem Feld.

Wer für die drei Neuen draußen bleiben muss, ließ Dardai offen. Aus dem Vollen schöpfen kann er bei seinen Personalrochaden ohnehin nicht. Vladimir Darida fällt verletzungsbedingt mindestens noch bis kommende Woche aus. Zudem mussten Innenverteidiger John Anthony Brooks und Torwart Rune Jarstein nach dem Pokalspiel angeschlagen Trainingsverzicht üben. Vor allem eine Krankmeldung des Norwegers wäre ein herber Schlag für die Hertha, ragte er doch gegen Dortmund deutlich aus dem blau-weißen Ensemble heraus.

Ein Punktgewinn wäre eine kleine Sensation

Ein Torhüter in Topform wäre gegen die Bayern sicherlich von Vorteil. Schließlich dürften die Münchner für einen mindestens ähnlichen Ansturm auf das Hertha-Gehäuse sorgen wie am Mittwoch die Dortmunder. Manager Michael Preetz warnte deshalb vorsorglich: „Die Bayern sind noch einen Tick besser als Dortmund. Wir werden eine außergewöhnliche Leistung brauchen, wenn wir etwas holen wollen.“

Einen Heimsieg hält Coach Dardai offenbar für unmöglich, kündigte zugleich jedoch ein Eigentumsdelikt durch sein Team an: „Wir werden alles dafür tun, Bayern einen Punkt zu klauen.“ Den hätte die Hertha auch dringend nötig, um den vom Trainer als Ziel ausgegebenen Champions-League-Rang vier zu sichern.

Nach der ersten Saisonkrise mit nur einem Punkt aus den vergangenen vier Spielen ist die Konkurrenz aus Gladbach, Mainz und Schalke mittlerweile auf vier Punkte an die Berliner herangerückt, denen mit Leverkusen in der kommenden Woche eine weitere schwere Aufgabe ins Haus steht. Bei einem eigenen Sieg oder einer Niederlage von Wolfsburg und Ingolstadt könnte sich die Hertha heute Nachmittag jedoch zumindest schon mal die Teilnahme an der Europa League sichern.