Berlin - Profifußball ist ein Geschäft, klar: Verkauft wird die Ware Sport, hergestellt in abgestufter Qualität. Die Champions League gilt als höchste Stufe, bringt am meisten Geld, je weiter ein Anbieter in dem europäischen Wettbewerb kommt, desto mehr.

Deshalb hat Borussia Mönchengladbachnach einem Ort für das Heimspiel kommende Woche gegen Manchester City gesucht. Das Team aus England darf nicht nach Deutschland kommen, wegen Corona gilt ein Einreiseverbot für Briten. Jetzt weichen auch die Gladbacher nach Ungarn aus. Sie sagen: Wir nehmen es, wie es kommt, zu Hause spielen wir ja auch ohne Fans. 

Haben sich die Borussen die Sache mit diesem Spielort aber auch gut überlegt? RB Leipzig hatte sein Heimspiel gegen den FC Liverpool zuvor schon nach Budapest verlegt. Das erweist sich als geschäftsschädigend, weil schlecht fürs Image: In Ungarn hat Premierminister Viktor Orban das Sagen, ein Nationalist, ein Corona-Verharmloser noch dazu.

Kaum besser wäre Katar, aber das liegt ja ohnehin nicht in Europa. Der FC Bayern ist dorthin aufgebrochen, um bei der Klub-WM aufzutreten. Wieder gab es Aufregung, nicht wegen der Verletzungen von Menschenrechten im Land, sondern weil das Flugzeug verspätet von Berlin aus dorthin abhob. Ohne Proteste starten diese Woche die Weltmeisterschaften im alpinen Ski (Cortina d’Ampezzo) und im Biathlon (Pokljuka). 

Dabei ist jede Reise in Zeiten der Pandemie eine Reise zu viel, sie kann zur Verbreitung des Virus beitragen. Jedes Geschäft gilt es deshalb gegen das Infektionsrisiko abzuwägen. Jedes Geschäftsgebaren verdient eine Überprüfung, die Rolle der europäischen Fußball-Union (Uefa) etwa, deren Regularien Teams mit Niederlagen am grünen Tisch bestrafen, wenn sie nicht antreten. 

Diejenigen, die vor allem prüfen sollten, sind die Konsumenten der Ware Sport. Sie bezahlen. Auch jene, die das gern mal vergessen. Die das Geschäft kritisieren – und trotzdem fasziniert zuschauen.