Bis auf weiteres finden wohl auch in der Alten Försterei nur Geisterspiele statt.
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BerlinFür die Fußball-Bundesliga und den deutschen Spitzensport gab es am Donnerstag keine guten Nachrichten vom Polit-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten in Berlin. Wegen der angespannten Pandemie-Lage in Deutschland wird der Bundesliga-Saisonstart Mitte September definitiv ohne größeres Publikum stattfinden.

„Corona ist wieder voll da in Deutschland, deswegen müssen wir uns dieser Situation stellen“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nach der mehr als fünfstündigen Sitzung. Es sei „nicht sinnvoll, im September mit Zuschauern zu starten. Es wäre mit einer steigenden Infektionszahl ein falsches Signal“.

Merkel und die Länderchefs einigten sich bei der Videokonferenz daher darauf, dass eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien in den kommenden beiden Monaten einen Vorschlag für den Umgang mit Fans bei bundesweiten Sportveranstaltungen erarbeiten soll. CSU-Chef Söder stellte zumindest in Aussicht, dass durch die Arbeitsgruppe „kleine, schrittweise Möglichkeiten“ vereinbart werden könnten, und zwar „noch vor Weihnachten“. Großveranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen nicht möglich ist, sollen indes mindestens bis Ende Dezember 2020 nicht stattfinden.

Die Einschränkungen treffen neben den Fußballklubs von der Bundesliga bis zur Regionalliga auch die Spitzenvereine im Handball, Basketball und Eishockey sowie weitere stark von Zuschauer-Einnahmen abhängige Sportarten empfindlich. Die Bundesligasaison im Handball soll am 1. Oktober beginnen, die Basketballer und die Kufen-Cracks in der Deutschen Eishockey-Liga wollen im November in die Spielzeit 2020/21 starten – jeweils mit Zuschauern.

Inwieweit schon vor dem 31. Oktober zumindest einige Hundert Fans zugelassen werden, blieb zunächst offen. Die Beschränkungen für Teilnehmer an solchen Veranstaltungen unterscheiden sich derzeit in den Bundesländern stark.

Kaweh Niroomand, Manager der Berlin Volleys, sagt: „Fakt ist, dass unsere Hoffnung mit einem ordentlichen Hygienekonzept eventuell über 1000 Zuschauer zu gehen, eher kleiner geworden ist als größer.“ Der deutsche Volleyball-Meister hatte ein entsprechendes  Konzept in Auftrag gegeben. Mitte September sollte mit dem Senat darüber gesprochen werden. Das ist nun alles obsolet geworden und kostet uns nur Geld. „Ich hoffe, dass wir das Konzept irgendwann gebrauchen können, denn der Auftrag ist ja vergeben. “ Niroomand hofft auf eine einheitliche Linie. „Alles andere wäre fatal. Es kann ja nicht sein, dass man innerhalb einer Liga in Berlin vor 2000 Zuschauern spielt und etwa in Bayern ohne Zuschauer.“

Dem Profifußball droht aber ein weiteres Problem von möglicherweise noch viel größerer Tragweite. Ab dem 1. Oktober sollen Reiserückkehrer aus Risikogebieten eine Corona-Quarantäne frühestens durch einen Test ab dem fünften Tag nach der Einreise in Deutschland beenden können. Das könnte massive Auswirkungen auf den Spielbetrieb in der Bundesliga und Zweiten Bundesliga haben, denn die Vereine stellen zahlreiche in- und ausländische Nationalspieler für die internationalen Partien ab.

Nach derzeitigem Stand wäre auch die DFB-Auswahl davon betroffen, die am 10. Oktober in der Ukraine spielt. Die Ukraine gehört zu einer Vielzahl von Ländern, die derzeit als Risikogebiet eingestuft worden sind. Im weiteren Saisonverlauf könnten auch Spiele in der Champions League und Europa League in Risikogebieten stattfinden, was dann Auswirkungen auf die Bundesligavereine hätte.

In Sachen Fans gibt es vorerst auch in Regionen mit sehr geringen Infektionszahlen vorerst keine Ausnahmeregeln, wie noch in der Beschlussvorlage angedacht worden war. Dies hätte zu einem Flickenteppich geführt.