Keine Chance im Schwergewicht: Kevin Johnson beendet das Comeback von Yoan Pablo Hernández (l.) mit einem Niederschlag.
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MagdeburgSo ein Comeback im Profiboxen und dazu noch im Schwergewicht, ist nichts, was sich mal eben en passant erledigen lässt. Das ist dem früheren Cruisergewichts-Weltmeisters Yoan Pablo Hernández am späten Sonnabend vermutlich schon vor Runde sieben aufgefallen, in der er nach zwei Minuten auf dem Ringboden landete und angezählt wurde. Der 35-Jährige hatte Mühe, sich zu erheben, seinen 105,5-Kilo-Körper mit den Ellbogen wieder aufzustemmen. Er lag da wie eine gestrandete Robbe, blinzelte im Scheinwerferlicht. Der Ringrichter auf der Magdeburger Seebühne winkte nach dem Knock-out ab: Comeback gescheitert.

Gegen den 40 Jahre alten US-Amerikaner Kevin Johnson sah es nur drei Runden lang so aus, als habe der in Kuba geborene Boxer aus Stendal eine Chance. Doch sechs Jahre nach seinem letzten Kampf fehlten Hernández Kondition, Geschwindigkeit und Schlaghärte. „Mach das jetzt für uns“, flehte ihn sein Stendaler Coach Christoph Schlender, im Hauptberuf Malermeister, vor dem Gong zur vierten Runde an. Doch prompt wurde Hernández vor 1000 Zuschauer vom bulligen, 11 Kilo schwereren Johnson zu Boden geschickt.

Danach schien er überhaupt kein Konzept mehr zu haben. Wo war der leichtfüßige, ausdauernde Athlet, der vor neun Jahren den WM-Titel gegen Steve Cunningham gewann? Mit rund 15 Kilogramm mehr auf den Rippen hatte sich der frühere Cruisergewichtler im Schwergewicht selbst seiner Explosivität beraubt. Ein paar Ausdauerläufe und Konditionseinheiten mehr hätten es wohl auch sein müssen.

„Er hat nachgewiesen, dass er boxerisch ein hervorragender Junge ist. Aber er hat taktisch unklug geboxt. Körperlich und konditionell hat er das Tempo nicht durchgehalten. Es war traurig. Mit der Erfahrung von 30 Profikämpfen muss er doch ein bisschen cleverer sein“, sagte sein früherer Trainer Ulli Wegner, der in Magdeburg am Ring saß.

Hernández versuchte, den zweiten K. o. seiner Karriere wegzulächeln. „Eine Niederlage entscheidet nicht über die ganze Karriere“, sagte er. Der Stendaler Box-Club-Chef Schlender fand es „schön, dass er es versucht hat“. Es sei ein Test gewesen. „Wir haben ja nicht gewusst, wo wir stehen.“ Tatsächlich standen Schlender und Hernández vor einer Aufgabe, für die sie keine Lösung fanden, die sie offenbar auch nicht konsequent genug angegangen waren. Denn nicht nur die Kampftaktik war mangelhaft, sondern auch die Vorbereitung. „Ein Vierteljahr Training reicht eben nicht. Da hast du nicht die Grundlagen, die es für so einen Kampf braucht. Dass Pablo und sein Trainer mich vor dem Kampf nicht um Rat gefragt haben, war richtig dumm“, konstatierte Ulli Wegner.