Hertha-Banner: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind nicht homophob!

Pink ist schwul. Wer Pink trägt, kann kein richtiger Mann sein. Wer kein richtiger Mann ist, kann keine Frau glücklich machen und darf auch niemals selbst das Glück erleben, Vater zu werden. Stimmt’s? Nein? Na, dann herzlichen Glückwunsch! Sie sind nicht homophob.

Das sind aber einige sogenannte Fußballfans und Anhänger von Hertha BSC, die am Sonnabend in der Ostkurve des Berliner Olympiastadions ein zig Meter langes und von zig Händen getragenes Transparent entrollten, auf dem in großen Lettern zu lesen war: „Lieber eine Mutter als zwei Väter!“ Stimmt’s? Nein! Hertha hat sich recht schnell  davon distanziert. Zumindest auf Twitter: „Lasst doch den Blödsinn sein!“

Das Ganze hat eine lange Vorgeschichte, und diese Vorgeschichte hat eine Vorvorgeschichte. Die Ultragruppierung Harlekins Berlin 98 hatte auf ihrer Website „mit Stolz“ verkündet, dass „elf glückliche Väter und eine glückliche Mutter“ zu ihrem Kreis gehören, was sie nicht daran hindere „weiterhin ein wichtiger Teil unserer Gruppe“ zu sein. Das war nicht mehr als ein kleiner Beitrag zum Thema Vereinbarkeit von Fußball und Familie. Etwas unglücklich vielleicht in der Formulierung. Von einigen wurde es aber bewusst falsch verstanden.

In der vergangenen Saison, während Herthas Auswärtsspiel in Köln, tauchte ein großflächiger Schriftzug auf, den die Ultras von der Wilden Horde 1996 zu verantworten hatten. Darauf stand: „HB 98: 11 glückliche Väter und 1 glückliche Mutter“. Das war mäßig witzig. Aber anscheinend so provokant, dass die Harlekins seitdem nur auf die nächste Gelegenheit gewartet haben, sich zu rächen. Daher am Sonnabend ihr: „WH 96: Lieber eine Mutter als zwei Väter!“

Diese Replik, diese leider nicht seltene Meinung zum Streitthema Adoptionsrecht für Homosexuelle, war jedoch nicht nur nicht witzig. Sie war  diskriminierend und offen homophob. Nicht mal die Väter und Mütter unter den etwa fünfzig Harlekins können es sich anscheinend vorstellen, dass gleichgeschlechtliche Partner glückliche Eltern werden können. Das ist einerseits traurig. Andererseits macht es viele wütend, wie die Reaktionen in Foren und Kommentarspalten zeigen. Jedenfalls bleibt es weit unter dem zurück, was – unabhängig von der aktuellen Rechtsprechung – die Mehrheit einer offenen und toleranten Gesellschaft denkt.

Außerdem passt dieses Banner zum Ton, mit dem in der Berliner Fanszene über das Thema Trikotfarbe debattiert wird. Seit dieser Saison hat Hertha nämlich einen Auswärtslook in Pink, weil es nun mal  vorgeschrieben ist, einen Trikotsatz im Sortiment zu haben, der von den klassischen Vereinsfarben abweicht. Für viele ist die Einführung von Pink ein weiteres Indiz für die Traditionsvergessenheit und Kommerzialisierung des Fußballs. Stimmt’s? Kann sein. Immer wieder heißt es aber auch, diese Farbe sei einfach zu schwul. Stimmt’s? Blödsinn!