Als Jürgen Klopp dieses Spielers zum ersten Mal ansichtig wurde, dachte er nur: „Oh mein Gott, was können wir tun, um ihn zu halten und ins Team zu integrieren.“ So hat es der Trainer des FC Liverpool hernach erzählt, und da Gott ihm nicht geantwortet hat, und die Regeln für den Einsatz ausländischer Fußballer seitdem nicht gelockert, sondern noch verschärft wurden, überlegte sich Wundercoach Klopp höchstselbst eine geniale Lösung: Er lobte Allan Rodrigues de Souza so sehr („herausragendes Talent“, „gute Einstellung“, „jeder liebt ihn“), dass die Verantwortlichen bei Hertha BSC schwach wurden. Diesen Spieler habe er sich von Anfang an gewünscht, sagte Pal Dardai am frühen Montagabend, als er zufrieden vom Trainingsrasen schlenderte.

Von besagtem Spieler fehlte in dem Moment am Schenckendorffplatz zwar jede Spur, aber der Coach wusste, dass sich das tiefe Verlangen, das schon frühzeitig von ihm Besitz ergriffen hatte, schon bald gestillt wird: Am Montag war Allan Rodrigues de Souza in England, um seine Sachen zu packen, der Mittelfeldspieler wird vom FC Liverpool ausgeliehen. „Mit so bissigen und willigen Spielern arbeitet man gerne zusammen“, erklärte Dardai.

Der Haken findet sich im Vertrag

Nach vier Probetrainingstagen und 45 Testspielminuten gegen den Zweitligisten Eintracht Braunschweig sah Dardai sein Anfangsgefühl bestätigt. Obwohl das Erweckungserlebnis nicht ganz Klopp’sche Sphären erreichte, einen sportlichen Makel am 19-Jährigen hat er nicht entdeckt, sondern Schussgewalt, Handlungsschnelligkeit und ein Einsatzgebiet als Sechser oder Achter im zentralen Mittelfeld.

Der einzige Haken ist vertraglicher Natur. Eine Kaufoption wird es nach der wohl einjährigen Leihe nicht geben. Schließlich hatte Klopp vorab wissen lassen: „Er wird in der Zukunft mit Sicherheit ein fester Bestandteil der Mannschaft sein.“ Und zwar in Liverpool. Dass der Brasilianer das nicht schon ist, liegt allein am britischen Arbeitsrecht und an den Regularien des britischen Fußballverbandes. Nicht-EU-Fußballer bekommen nur eine Arbeitserlaubnis, wenn sie Nationalspieler sind und je nach Weltranglistenplatz des Landes an einer bestimmten Mindestzahl von möglichen Länderspielen teilgenommen haben. Bei Allan Rodrigues de Souza wären das 30 Prozent innerhalb eines Jahres.

Noch wurde er nicht in Brasiliens Auswahl berufen, doch selbst wenn sich das während seines Berlinaufenthalts nicht ändert, könnte Klopps Plan aufgehen. Denn gemäß der von dieser Saison an geltenden Regeln, können die Klubs der Premier League auf Basis eines Punktesystems einen Sonderantrag stellen. Einen Zähler bekommt der Spieler etwa, wenn er in einer der sechs Topligen − dazu gehört die Bundesliga − auf mindestens 30 Prozent der möglichen Einsatzminuten kommt. Zuträglich ist auch die Teilnahme an der Europa League. Weitere Punkte kann der englische Verein dann durch ein exorbitantes Gehalt hinzufügen. Das sollte nach all den himmelhohen Jauchzern kein Problem für Klopp sein.