Der Fuß, geht schon, tut nur noch ein bisschen weh, und das ist eine gute Nachricht, die vor dem Bundesligastart sogar doppelt zählt. Denn erstens wird der im Training unsanft von Vladimir Darida auf den Fuß getretene Thomas Kraft am Sonnabend (15.30 Uhr) in Augsburg zwischen den Pfosten stehen. Und zweitens erhöht die bloße Anwesenheit des Torwarts die Chance, dass Hertha BSC auswärts ein Tor erzielen wird – also vorne. Wieso? So: „Wir werden mit elf Mann auflaufen, und jeder darf gerne ein Tor machen, auch der Torwart.“ Sagte Manager Michael Preetz am Donnerstagnachmittag.

Die Vorbereitung auf die neue Spielzeit, die Ende Juni begann und nun endlich zu Ende geht, war lang und anstrengend, und sie war es für alle Beteiligten. Am meisten natürlich für die Spieler, die der neue Fitnesstrainer Henrik Kuchno, ein ehemaliger Oberleutnant der Militärpolizei, in ungeahnte Schmerzbereiche trieb. Aber auch für Preetz, der seit Wochen seinen Handyvertrag bis zum letzten Cent und Byte ausreizt, um neue Spieler zu verpflichten. Einen Stürmer, Innenverteidiger und Flügelspieler hat er noch nicht erreicht oder restzweifellos überzeugen können.

Hegeler macht das Siegtor

Doch da der Manager grundsätzlich nicht jede Transfermarktzuckung kommentiert, bleibt ihm vor dem Saisoneröffnungsspiel nun mal nichts anderes übrig, als zu verkünden, dass Hertha tatsächlich und wie allgemein erwartet zu elft spielen wird. Und dann immerhin das hier: „Es wird noch drei Wochen wild spekuliert werden. Es ist noch alles möglich. Manches braucht seine Zeit.“ In etwa drei Wochen schließt sich das Transferfenster. „Wir müssen schauen, dass es wirtschaftlich Sinn macht.“

Dass Pal Dardai eventuell erschöpft sein könnte von den vielen Trainingseinheiten und Interviews, die er in den vergangenen Wochen geleitet und gegeben hat, das wird man von einem Trainer wie ihm nicht hören. „Ich heule nicht“, sagt er ja gerne.

Ganz im Gegenteil, er kann es kaum erwarten, dass es endlich losgeht, egal, ob sein Kader jetzt komplett ist oder nicht. Es zählt nur, dass es sein Kader ist, seine Mannschaft, seine erste Saison, die er von Beginn an planen konnte. Und wenn man Preetz jetzt schon glauben darf, dann ist diese Planung bislang eine gute gewesen. Der Manager sagte: „Ich kenne Pal schon zwanzig Jahre. Er hat die Mannschaft stabilisiert und entwickelt sie jetzt weiter.“ Und Dardai meinte: „Als Trainer lernst du aus den Niederlagen. Psychologisch ist eine neue Saison etwas anderes. Diese Situation müssen wir jetzt nutzen.“ Sie müssen also Tore schießen. Und zwar mehr als in der vergangenen Saison.

Und da hat Dardai seine ganz persönliche Vision, wie das Spiel gegen Augsburg verlaufen könnte. Ein Sieg wird es natürlich sein, denn sie wollen ja mutiger spielen in dieser Saison, auch auswärts. „Ich erwarte“, sagte also Dardai, „dass Salomon wieder trifft.“ Wie zuletzt im Pokal gegen Bielefeld. „Habe auch das Gefühl, dass Jens Hegeler das Siegtor macht.“ Wie noch nie für Hertha. Der neue Hauptsponsor nimmt so eine Wette sicherlich sehr gern entgegen.

Wahrscheinlicher ist, dass Vladimir Darida nicht nur einen Torwartfuß, sondern das Tor trifft. Bei seinem ersten Testspiel für Hertha ist ihm das gelungen, bei seinem ersten Pokalspiel, und jetzt wäre das erste Ligaspiel an der Reihe.