BerlinViele Fragen, wenige Antworten. Vor dem Duell beim FC Augsburg am Sonnabendnachmittag hängt bei Hertha BSC der Haussegen schief. Während Cheftrainer Bruno Labbadia trotz der angespannten sportlichen Lage optimistisch auf das Auswärtsspiel in Bayern blickte, versuchte Manager Michael Preetz auf der obligatorischen Pressekonferenz vor einem Bundesligaspieltag, den jüngsten Wirbel um Investor Lars Windhorst zu entschärfen. „Weil wir das mit unserem Partner so vereinbart haben“, antwortete Preetz kurz und knapp auf die Frage, warum die Berliner die letzte Rate von Windhorsts Tennor Holding über 100 Millionen Euro nun erst später bekommen. Tags zuvor klang das aus dem Windhorst-Lager noch ganz anders. Man habe erst jetzt einen Zeitpunkt (bis zum 30. Juni 2021) festgelegt. Ein Thema, zwei Versionen, was den Eindruck bekräftigt, dass Hertha BSC und Windhorsts Tennor Holding weiterhin mehr über- als miteinander sprechen.

Bei Hertha ist man darüber höchst irritiert. Schließlich gab man am 1. Juli dieses Jahres eine gemeinsam abgestimmte Pressemitteilung heraus, in der auch die Zahlungen terminiert wurden (50 Mio. im Juli, weitere 100 Mio. Euro bis Ende Oktober). In der Tat erscheint es eher ungewöhnlich, dass bei einem solchen Deal kein fester Zahlungsplan verabschiedet worden sein soll. Ein Grund für die konträren Standpunkte könnten die immer wieder nach außen getragenen Differenzen über die wirtschaftliche und sportliche Ausrichtung des Klubs sein. Dem Vernehmen nach wünscht sich Windhorst, dass seine zur Verfügung gestellten Mittel investiert werden, wodurch sich auch ein schnellerer sportlicher Aufstieg ergeben soll.

Die Blau-Weißen sehen das bekanntlich anders. Aber wer brüskiert schon gerne seinen Geschäftspartner? Preetz befindet sich vielmehr in einer Zwickmühle, entsprechend hält er sich zurück. Ob die verspätet gezahlte dritte Tranche über 50 Millionen Euro Herthas Möglichkeiten auf dem Transfermarkt diesen Sommer eingeschränkt hätte, bejahte Preetz. Allerdings nur indirekt. „In erster Linie“, sagte Herthas Manager, „haben wir die Auswirkungen der Corona-Krise gespürt.“ Gleichzeitig betonte er abermals: „Für uns war es wichtig, verantwortungsvoll mit unseren Möglichkeiten und Ressourcen umgehen. Das haben wir gemacht.“ Einer zweiten großen Einkaufstour, auf die sich Hertha vergangenen Winter begab, erteilte Preetz eine klare Absage: „Wir haben damals außergewöhnliche Transfers getätigt, viel investiert. In diesem Maße werden wir es sicherlich nicht mehr machen.“

Tennor verneint Zahlungsschwierigkeiten

Wann sich der Spielraum wieder erhöht, bleibt unklar. Windhorsts Geschäftszweige verlaufen weltweit und einige Branchen sind in Schieflage. Gerüchte, aufgrund der Corona-Krise in Zahlungsschwierigkeiten zu sein, verneint Tennor. In der Vergangenheit musste Windhorst nach seinem kometenhaften Aufstieg als Teenager unter dem damaligen Kanzler Helmut Kohl immer wieder empfindliche Rückschläge wegstecken – und zwei Insolvenzen. Im Zuge des Zusammenbruchs der New Economy ging die Windhorst AG 2003 bankrott. Später verurteilte ihn das Berliner Landgericht wegen Untreue zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung. 2009 folgte die zweite Pleite.

Zwar bekräftige Windhorst stets, sein Engagement bei Hertha BSC sei langfristig ausgelegt. Inwieweit das auch noch in Zeiten gilt, in denen TV-Verträge erstmals seit Jahren rückläufig sind und Klubs durch die Pandemie bereits mittlere zweistellige Millionenlöcher zu stopfen haben, bleibt offen. Fakt ist, dass die Bundesliga in den nächsten Jahren bei weitem nicht mehr so viel Rendite abwirft, wie es Windhorst im Juni 2019 bei seinem Einstieg erwarten konnte. Gut möglich, dass es deswegen derzeit schwieriger ist, neue Geldgeber zu akquirieren.

Präsident Werner Gegenbauer beruhigte damals übrigens Kritiker und vor allem Fans, die Windhorst als nicht vertrauenswürdig einstuften, indem er sagte: „Das Geld ist bereits auf unserem Konto.“ Dass dies nun nicht der Fall ist, wird viele bereits Verstummte erneut hellhörig werden lassen.