BerlinRatlose Blicke und enttäuschtes Kopfschütteln, Abklatschen und optimistisches Kopfnicken. So richtig einschätzen konnten die Herthaner ihre Leistung nach dem 1:1 (1:1) gegen den VfL Wolfsburg nicht. Die frühe Führung durch Matheus Cunha (6.) glichen die Niedersachsen in einer intensiven und zweikampfbetonten Partie durch Ridle Baku (20.) aus. Trotz spielerischer Überlegenheit im zweiten Abschnitt verpassten die Berliner damit den ersehnten Befreiungsschlag. Zwar wartet Hertha BSC weiter auf den ersten Heimsieg dieser Saison, stoppte aber immerhin den Negativlauf von vier Niederlagen in Serie. „Wir hätten einen Sieg verdient“, erklärte ein ausgepumpter Niklas Stark nach Spielende, stellte aber zugleich fest: „Wir haben die Tore nicht gemacht. Da müssen wir kaltschnäuziger sein.“

Nach der knappen 1:2-Niederlage bei RB Leipzig vertraute Bruno Labbadia beim Wiedersehen mit seinem Ex-Klub derselben Startelf. Damit verzichtete Herthas Cheftrainer in der Mittelfeldzentrale zunächst auf Arsenal-Leihgabe Matteo Guendouzi. Stattdessen sollte sein französischer Landsmann Lucas Tousart zusammen mit Stark das Zentrum vor der Abwehr dicht machen.

Omar Alderete beeindruckt mit einer Schauspieleinlage

Doch bereits nach drei Minuten war das Duo überspielt und der Ball im Tor, nachdem der gebürtige Berliner Maximilian Philipp das Leder aus kurzer Distanz über die Linie gedrückt hatte. Dass es nur bei einem Schreckmoment für Hertha blieb, lag daran, dass der Stürmer, einst als Teenager bei den Blau-Weißen als zu schmächtig und zu langsam befunden, beim Zuspiel im Abseits stand. Korrekt, wenn auch nicht ganz sauber, war dagegen Herthas erster Schuss aufs Tor. Matheus Cunha, von Dodi Lukebakio an der Strafraumkante in Szene gesetzt, rutschte bei seinem Schuss das rechte Standbein weg, wodurch sein Ball durch den Wolfsburger Strafraum und an Torhüter Koen Casteels vorbei ins lange Eck kullerte – 1:0 (6.).

Doch wie in der Vorwoche sorgte die frühe Führung für keine Sicherheit. Stattdessen kombinierten die Wölfe immer mutiger nach vorne und kamen nach zwei gefährlichen Distanzschüssen schließlich durch Rechtsverteidiger Baku zum Ausgleich, nachdem Philipps flache Hereingabe ungestört durch den Berliner Strafraum trudeln konnte (20.).

Unübersichtlicher wurde es dann vor der Halbzeit. Verteidiger Omar Alderete beeindruckte zunächst Schiedsrichter Martin Petersen mit einer Schauspielanlage. Doch weil Wolfsburgs Wout Weghorst sein zu hohes Bein noch rechtzeitig zurückzog und den Paraguayer gar nicht traf, revidierte Petersen nach Betrachtung der Fernsehbilder seinen Elfmeterpfiff korrekterweise. Warum der Unparteiische aufgrund des gefährlichen Spiels nicht auf einen indirekten Freistoß entschied, bleibt fraglich.

Klarer, vor allem zielstrebiger startete dafür Labbadias Elf in die zweite Halbzeit. Stoßstürmer Jhon Cordoba scheiterte aus der Nahdistanz an Casteels starker Fußabwehr (53.). Vier Minuten später musste Tousart humpelnd vom Platz, wodurch Guendouzi sein Debüt feiern durfte. Und der Kapitän der französischen U21-Nationalmannschaft zeigte, warum Manager Michael Preetz ihn am letzten Tag der Transferperiode auch ohne Kaufoption nach Berlin lotste. Ohne viel Spielpraxis in den vergangenen Monaten, dafür mit viel Übersicht forderte und verteilte er die Bälle im Mittelfeld und deutete so an, dass er zukünftig die Fäden im Zentrum ziehen könnte.

Für die offensiven Momente blieb jedoch Cunha zuständig. Der Brasilianer, in dieser Saison stets Dreh- und Angelpunkt aller Angriffe, eroberte den Ball und bediente Cordoba, dessen wuchtiger Schuss in höchster Not von Maxence Lacroix geblockt wurde (73.) „Uns hat das Spielglück gefehlt, weswegen wir uns nicht für den hohen Aufwand belohnt haben“, erklärte Labbadia, dem vor allem gefiel, dass seine Mannschaft eine Reaktion zeigte, „nachdem wir das Spiel nach dem 1:0 kurzzeitig aus der Hand gegeben hatten“.

Weil sowohl Cordoba als auch Abwehrchef Dedryck Boyata in der Schlussphase beste Kopfballmöglichkeiten vergaben, bleibt die Lage im Westend mit vier Punkten nach sechs Spieltagen weiter angespannt. „Wir haben eineinhalb schlechte Spiele gemacht. Die anderen Partien waren auf Augenhöhe“, erklärte Labbadia und gab sich deswegen in Hinblick auf das nächste Spiel beim FC Augsburg kämpferisch: „Wenn wir so weitermachen, bin ich überzeugt, dass sich das bezahlt macht.“