Hertha BSC Berlin: Berlin feiert Ronny

Den 8. April wird man bei Hertha BSC nicht nur wegen des 3:0 (1:0)-Heimsieges im Spitzenspiel der Zweiten Fußball-Bundesliga gegen Eintracht Braunschweig als perfekten Tag in Erinnerung behalten. Den größten Erfolg jenes Montags feierte Hertha BSC in den Stunden vor der Partie gegen die Niedersachsen, die das Team von Trainer Jos Luhukay dem Aufstieg in die Erste Liga einen Riesenschritt näherbrachte.

Um 20.11 Uhr, vier Minuten vor dem Anpfiff der Topbegegnung des 28. Spieltages, verkündete Herthas Stadionsprecher Fabian von Wachsmann, dass der Brasilianer Ronny seinen Vertrag bei den Berlinern bis zum 30. Juni 2017 verlängert hat. Damit nahm der wochenlange Poker um den 26 Jahre alten Spielmacher und Freistoßkünstler eine überraschende Wendung. Noch am Sonntag hatte Ronnys Berater nämlich gegenüber dieser Zeitung betont, dass Ronny Hertha wahrscheinlich verlassen werde und demnächst bei einem ambitionierten Erstligisten einen Vertrag unterschreiben werde – wenn Hertha sein Angebot nicht nachbessern würde. Am Sonntagabend hatte Hertha-Manager Michael Preetz in rbb-Fernsehen gesagt: „Ronny muss sich entscheiden: Geld oder Liebe.“

Zu einfache Übung

Das ist am Montag offenbar passiert, Ronny sagte: „Der Verein glaubt an mich, alle gehen ganz herzlich mit mir um. Und ich bin sehr glücklich, dass ich hier in Berlin bleiben kann.“ Und als ob die Dramaturgie dieses Montagabends den Ereignissen nicht schon angemessen genug gewesen wäre, sorgte Ronny auch für den ersten Höhepunkt des Topspiels. Als der Braunschweiger Omar Elabdellaoui nach 33 Minuten Herthas Flügelspieler Nico Schulz regelwidrig zu Fall gebracht hatte, legte sich Ronny den Ball in halblinker Position zurecht. Und wie so oft zuvor wuchtete der Brasilianer die Kugel ins Netz; dieses Mal begünstigt von einem abfälschenden Fuß in der Braunschweiger Mauer und von Eintracht-Torwart Daniel Davari, der den Ball hätte abwehren müssen.

Das 1:0, Ronnys 15. Saisontreffer, war allerdings einer von wenigen Highlights in der ersten Hälfte des Spitzenspiels, das ansonsten sehr umkämpft und von zwei stabilen Defensivreihen geprägt war. Torchancen gab es kaum, Hertha hatte außer dem Tor keine und Braunschweig eineinhalb. Sinnigerweise durch beide Innenverteidiger, Deniz Dogans Fallrückzieher verfehlte das Berliner Tor ebenso (4.) wie ein Kopfball von Ermin Bicakcic nach 39 Minuten – da ging der Ball jedoch haarscharf am Hertha-Kasten vorbei. Einen Rückschlag hatten die Gastgeber jedoch noch zu verkraften. Nach acht Minuten waren Kapitän Peter Niemeyer und der Braunschweiger Norman Theuerkauf mit den Köpfen zusammengeprallt, Niemeyer musste sichtlich benommen ausgewechselt werden.

Kaum hatte die zweite Hälfte begonnen, da wären dann die Ronny-Festspiele beinahe weitergegangen. Nach einem Sololauf von Peer Kluge gelangte die Kugel zum Mann mit der Rückennummer 12, doch die Übung, den Ball freistehend aus zehn Metern ins Tor zu schieben, war Ronny offenbar zu einfach – er schoss vorbei (48.). Besser machte es wenig später Adrián Ramos. Der kolumbianische Angreifer setzte nach 55 Minuten auf dem rechten Flügel zu einem rasanten Sprint an, drang in den Strafraum ein und lupfte den Ball gefühlvoll über Davari hinweg zum 2:0 ins Tor. Den Knaller des Tages lieferte aber – selbstredend – der Hauptdarsteller des 8. April 2013. In der 75. Minute gab es wieder Freistoß für Hertha – dieses Mal 17 Meter vor dem Braunschweiger Tor in zentraler Position. Wie gemacht für Ronny. Der ließ sich nicht lange bitten und donnerte den Ball zum 3:0 ins Eintracht-Tor. „Seine Qualität bei Standard-Situationen ist sensationell“, lobte Trainer Jos Luhukay.

Der Sieg und Ronnys Vertragsverlängerung waren aber nicht die einzigen Erfolge der Hertha an diesem Montagabend. Drei Stunden vor dem Anpfiff wurde im Bahntower am Potsdamer Platz der Vertrag mit dem langjährigen Hauptsponsor Deutsche Bahn bis zum Sommer 2015 verlängert. Zum ersten Mal im deutschen Fußball enthält ein Sponsoringvertrag Klauseln zur Fanarbeit des Vereins. Hertha wird im Dialog mit den Fans und in Abstimmung mit der Bahn Lösungen für noch mehr Fairness und Sicherheit erarbeiten. Dem Vernehmen nach erhält der Klub pro Saison 4,5 Millionen Euro. Eine Summe, die wichtig ist für die wirtschaftliche Konsolidierung. Die Verbindlichkeiten von über 42 Millionen Euro kann Hertha nur in der Ersten Liga Schritt für Schritt verringern.