Hertha BSC Berlin: Das sind die Gründe für die dritte Heimniederlage

Unsinniges Denken verhängnisvoll vermischt mit unvernünftigem oder unverständlichem Handeln bezeichnet man als Wahnsinn. Und weil Davie Selke dauernd den Kopf schüttelte, sich auf die Zähne biss und dann immer wieder davon sprach, was für „ein Wahnsinn“ das doch sei, dass Hertha BSC dieses Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt nicht gewonnen hat, müssen diese Fragen eben gestellt werden:

Was haben Selke und Kollegen wohl gedacht nach etwa zwanzig Spielminuten? Und warum handelten sie in den restlichen etwa siebzig plus drei so völlig anders als zuvor? Herthas Stürmer hatte nach dem Spiel keine Antworten darauf. „Es ist für mich ein Rätsel“, sagte er, „wie wir das Spiel verlieren konnten.“ Schütteln, beißen – der Wahnsinn.

Des Rätsels Lösung wird Pal Dardai sicherlich noch eine Weile beschäftigen. Er neigt dazu, das Problem in den Köpfen seiner Spieler zu verorten weniger in ihren Beinen. In Dardais Trainerdiagnosen geht es häufig um mentale Barrieren und Blockaden, die es irgendwie zu umgehen und zu lösen gilt.

Spielerische Defizite oder mangelnden Einsatzwillen hat er seiner Mannschaft bislang noch nicht attestiert. Auch am Sonntag nicht. Aber etwas ratlos wirkte Dardai schon. Und er hatte ja zunächst selbst keine Erklärung dafür, warum seine Spieler trotz einer schwungvollen Startphase mit Großchancen im Vierminutentakt und trotz einer Führung durch Selke noch zwei Tore kassierten.

Warum sie sich immer tiefer fallenließen, den Ball lieber abgaben, als ihn zu behalten und so bereits das dritte Heimspiel der Saison verloren ging. Dardai sagte nur: „Das war so nicht abgesprochen.“

Keine Disziplin und Tagesform

Im Olympiastadion konnte sich Dardai bislang immer verlassen auf seine Mannschaft. In der vorletzten Saison lag Hertha in der Heimtabelle auf Platz sechs mit neun Siegen, fünf Unentschieden und drei Niederlagen, in der letzten war es Platz fünf (zwölf, eins, vier), aktuell gab es drei Siege aus acht Spielen, macht Platz dreizehn – macht in der Summe in paar Sorgenfalten auf der Trainerbank. Auswärts ist Hertha traditionell ein dankbarer Gegner.

Schon vor ein paar Wochen hat Dardai versucht, dieses Bild von der Heimmacht Hertha BSC zu korrigieren. Er verwies darauf, dass man nie hoch gewonnen habe, „kein 4:0 oder 5:0 war dabei“, und dass der Vorteil vor eigener Kulisse im Grunde nur ein kleiner gewesen sei und immer eng gekoppelt an die taktische Disziplin, an eine überdurchschnittliche Tagesform. In der zweiten Halbzeit am Sonntag fehlte beides.

Als Arne Maier nach einer Stunde ausgewechselt wurde, packte ihn Dardai zärtlich an den Ohren, am Hals, nahm den erst 18-Jährigen in die Arme, spendete Trost. Maier hatte kein schlechtes Spiel gemacht, aber auch kein gutes wie zuletzt. Wenn die Zukunft Berlin tatsächlich gehört, ist dieser Maier ein schönes Versprechen.

Aber in der Gegenwart ist er wie die meisten seiner meist noch jungen Kollegen nicht in der Lage, konstant ein Leistungsniveau zu halten, das es braucht, um eine Führung über die Zeit zu bringen. Vor allen nicht gegen eine so clevere Mannschaft wie Frankfurt.

Das alles ist irgendwie normal. Keine Krankheit. Und natürlich kein unheilbarer Wahnsinn.