Hertha BSC Berlin: Die These vom sauberen Teich

Berlin - Pal Dardai kam gerade aus der Scoutingsitzung, die Eindrücke waren also noch taufrisch, und was der Trainer bei der Gegnersichtung so alles gesehen hatte, das müsste am ehesten dem zuletzt so mutlosen Gegner Mut machen. Am Sonnabend spielt Hertha BSC gegen Werder. Dardai hat bei den Bremern einige Fortschritte erkannt, er hat viele schnelle Spieler gesehen, die nicht weniger schnell umschalten können. Und das mit der Tabellensituation ist ohnehin trügerisch. Werder steht zwar auf Platz vierzehn. Doch Herthas Trainer erwartet: „Ein sehr gefährliches Spiel.“ An einer anderen Stelle verdoppelte er sogar das „sehr“. Im Gegensatz zu den Spielen gegen Mainz und in Wolfsburg wollte Dardai daher auch nicht die Favoritenrolle übernehmen.

Es sind noch drei Spiele bis zur Winterpause, doch mit jedem Tag wächst bei einigen Reportern dieses Bedürfnis, schon vorher ein Zwischenfazit zu ziehen. Etwa einen Satz zu schreiben wie diesen: „Es ist die beste Herthamannschaft aller Zeiten.“ Was nicht ganz falsch ist, weil der Verein in der Bundesliga zu diesem Zeitpunkt ja noch nie so viele Punkte geholt hat. Was aber nicht ganz richtig sein kann, wenn man den Mann fragt, der das am besten wissen müsste und deshalb auch noch warten will mit seiner Hinrundenbilanz. Also sprach Dardai: „Ich kann nicht sagen, dass es die beste Hertha ist. Wozu soll ich jetzt Hurra, Hurra schreien? Das können wir uns nicht leisten.“ Zusatz: „Wir befinden uns in der Sammelphase.“ Hätten wir das geklärt. Gejagt wird also später.

Bliebe trotzdem die Frage, warum man dieses Bedürfnis verspürt, zumindest einen Satz zu schreiben wie diesen: „Es ist die besten Herthamannschaft unter Pal Dardai.“ Da ist der Widerwille des Trainers, ein Kompliment anzunehmen, nicht ganz so groß. Dardai weiß den momentanen Erfolg richtig einzuschätzen. Er zählte auch noch mal die Erfolgsgründe auf, die bei einem guten Teamgeist begannen und den kein Einwechselspieler („komisches Wort“) mit seiner schlechten Laune vertreiben will, nur weil er nicht spielt. Der Trainer endete damit, dass alle fit und gesund sind, dass einfach die Mischung im Team stimmt. Was den Hobbygärtner Dardai gleich an etwas erinnerte: „Wie ein Teich, sauberes Wasser rein, was nicht so sauber ist, geht raus.“ Aktuelle Schmutzablagerungen? Nicht bekannt.

Darida ist wieder da

Dass Dardais Worte nicht nur so dahergesagt sind, lässt sich am Beispiel Vladimir Darida belegen. Am Wochenende stand er im Wolfsburger Stadionbauch und sagte: „Es ist gerade schwer, in diese Mannschaft zu kommen.“ Man sollte an dieser Stelle daran erinnern, dass der lang verletzte und vermisste Darida erst nach über einer Stunde eingewechselt worden war. Und dass es eher so aussah, als fiele es ihm leicht, wieder virtuos den Taktstock im Mittelfeld zu schwingen. Ausgleichstreffer und Siegtor fielen nach seiner Einwechslung. Dardai: „Valentin Stocker hat nicht schlecht gespielt, aber für dieses Spiel hat Darida vom Profil her besser gepasst. Er kommt rein und hat automatisch das gemacht, was wir uns gewünscht haben.“

Und dann brachte der Trainer den finalen und tatsächlich ja schon vom Spieler selbst bestätigten Beweis für seine These vom sauberen Teich, den niemand verunreinigen oder unnötig in Wallung versetzen will: „Darida sagt, ja, ich muss warten, obwohl wir wissen, dass er unser bester Spieler ist.“ Am Sonnabend wird er wohl nicht so lange warten müssen.