Berlin - Der 22. Oktober 2019 wird wohl als schwarzer Tag in das Leben vieler Hertha-Fans eingehen. Tausende bekamen an diesem Dienstag die Mail mit der vernichtenden Nachricht, dass sie leider kein Ticket für das emotionsgeladene Derby gegen Eisern Union am 2. November gewonnen haben. Mit dem Betreff „Schade, dieses Mal klappt es leider nicht!“ war eigentlich schon alles klar. Wer die Mail, die am Nachmittag kam, dennoch öffnete, las die bedauernde Absage „Leider hast du keine Kaufoption gewonnen“ und die Aufforderung: „Trotzdem gilt: Daumen drücken für unsere Jungs! Ha, Ho, He!“ Eine halbe Stunde später standen die ersten Tickets für das Spiel zum Verkauf auf Ebay.

Fans finden horrende Ebay-Preise "Zum Kotzen"

Dort werden die Stehplatztickets, die eigentlich 12 Euro kosten, nun für ein Vielfaches angeboten. Das höchste Angebot stand Mittwochnachmittag bei mehr als 1.100 Euro. Bei weiteren stand die Auktion wenige Stunden vor Schluss bei 100 bis 200 Euro. Wie teuer sie schließlich verkauft werden, erfährt nur der mehr oder weniger glückliche Gewinner der Auktion. Mitgeboten wurde jedenfalls reichlich. Alle Preise lagen bereits Tage vor dem Ende der Auktion im dreistelligen Bereich. Screenshots der Verkaufsangebote kursierten fast ebenso schnell auf den Instagram-Accounts vieler Fans, versehen mit der Bemerkung „Zum Kotzen“.

Die Laune vor dem mit Spannung erwarteten Stadtderby ist vielen Hertha-Fans also erst mal verdorben. Zumal der Verein nicht wirklich transparent erklärt, wie viele Karten wohin verteilt wurden. Zur Verlosung gab es vermutlich keine Alternative. Die Alte Försterei bietet gerade mal etwas mehr 22 000 Zuschauern Platz. Hertha bekam nach Auskunft des Pressesprechers Max Jung 2 400 Karten für den Auswärtsblock.

Per Mail informierte man die Dauerkartenbesitzer in der zweiten Oktoberwoche darüber, dass sie sich für die Verlosung online registrieren müssten. Dafür gab es Zeit bis zum 15. Oktober. Wie viele Dauerkartenbesitzer sich registriert haben, will der Verein nicht sagen. Es gibt auch keine Auskunft darüber, wie viele Dauerkartenbesitzer es insgesamt gibt. In der vergangenen Saison waren es 18 000.

Dauerkartenbesitzer müssen hoffen ausgelost zu werden

Jung teilte der Berliner Zeitung am Mittwoch auf Anfrage mit, dass man die Karten an vier verschiedene Gruppen verteilt habe: an Vereinsmitglieder, Dauerkartenbesitzer, an die „aktive Fanszene“, also Gruppierungen und Fanclubs sowie an regelmäßige Auswärtsfahrer, deren Daten der Verein wohl auch in der Kartei führt. Die Fanszene bekam Karten, die sie nach eigenen Gesichtspunkten verteilen sollte. Wie viele ihnen zur Verfügung gestellt wurden, ist unklar. Die Adressen der Glücklichen, die am 2. November in die Alte Försterei dürfen, habe man dann per „Zufallsgenerator“ ermittelt, so Pressesprecher Jung.

Hertha BSC hat die Vergabe von Auswärtskarten in der vergangenen Saison aufs Internet umgestellt. Zuvor musste man sie persönlich in der Geschäftsstelle am Olympiastadion erwerben. Bei begehrten Spielen – wie etwa gegen Borussia Dortmund – sind sie schnell vergriffen. Dort gibt es mit 3 000 auch nicht viel mehr Karten als in der Alten Försterei. Die Allianz Arena in München dagegen hat einen Gästeblock, der auf bis zu 7 000 Plätze erweiterbar ist – je nachdem, wie viele Karten der Auswärts-Verein anfordert.

Viele Fans fürchten, dass es durch die Gießkannenverteilung keine richtige Stimmung im Auswärtsblock der Alten Försterei geben könnte. Manche ärgern sich auch, dass sie am Anfang der Saison in eine Dauerkarte investiert haben. „Einer der Gründe, warum ich mir eine Saisonkarte gekauft habe, war, dass ich so auch mal in die Alte Försterei komme“, sagt Manfred Wolf, Hertha-Fan aus Steglitz. Er geht immer mit einer ganzen Truppe zu den Heimspielen. „Keiner, den ich kenne, hat eine Karte bei der Verlosung ergattert“, sagt er.