Hertha BSC Berlin gegen Werder Bremen: Bibiana Steinhaus pfeift ein Unentschieden

Es gibt ja nichts, das man nicht vermarkten kann, zumal in der Fußballbranche. Bei Hertha BSC zum Beispiel gibt es vor jedem Heimspiel einen Fanartikel des Tages, der zu besonders günstigen Konditionen angeboten wird. Und weil das Heimspiel gegen Werder Bremen ein historisches werden sollte, so stand es zumindest auf den Ankündigungsplakaten, gab es gleich zwei berlinpatriotisch bedruckte T-Shirts im Sonderangebot.

Auf einem waren die Museumsinsel und der Fernsehturm von einem Herzchen eingerahmt, ein T-Shirt für Frauen war das, versteht sich von selbst. Es sollten ja auch mehr weibliche Fans ins traditionell spärlich besetzte Olympiastadion kommen, um am Sonntag den Auftritt von Bibiana Steinhaus zu erleben.

Und da ist anschließendes Shoppen natürlich eine naheliegende Idee, wenn man als Frau den halben Eintrittspreis bezahlen durfte. Kurzum: Es hat diesem vermeintlich historischen Tag dann sehr gutgetan, als Steinhaus, die erste Schiedsrichterin der Ersten Bundesliga, endlich ihr erstes Spiel, dass 1:1 enden sollte, anpfeifen konnte. „Ich tue nur das, was ich liebe“, hatte sie vorher gesagt. Und das allein hätte eigentlich schon gereicht.

Pal Dardai hatte sich das alles erst mal mit gestischer Zurückhaltung angeschaut. Wie Steinhaus mehrmals einen Eckball gab für die Bremer, weil die drängten und drückten und Fehler erzwangen. Wie seine Spieler auch mal unbedrängt einen falschen Knopf drückten und Pässe ins Aus schossen. Dann aber, so nach zwanzig Minuten, stand er plötzlich trainergesetzeswidrig nah am Spielfeldrand und machte klare Zeichen der Unzufriedenheit.

Und unzufrieden war Dardai vor allem mit dem Spielaufbau seiner Mannschaft. Die Bälle flogen meist lang weit nach vorne, auch Rune Jarstein fand keine Anspielstation im Mittelfeld und streute viele eher unpräzise Schläge über den Rasen. Mit den Händen war der Torwart gewohnt zuverlässig und verhinderte mindestens einmal den Rückstand. Der Plan, das Spiel zu bestimmen, ging zunächst nicht auf. Kapitän Vedad Ibisevic sagte nach Schlusspfiff: „Werder ist keine Drittligamannschaft und wir nicht Barcelona.“

Dafür funktioniere der Plan, das Tempo zu verschärfen, wenn ein Gegner mal gedanklich zu langsam ist – so wie Robert Bauer. Sofort war Ibisevic dort, wo man das Spiel von Abwehr auf Angriff umschalten muss. Über Vladimir Darida kam der Ball zu Mathew Leckie und der haute einfach drauf, aus spitzem Winkel durch die Torwartbeine von Jiri Pavlenka und zum 1:0 – bereits der dritte Saisontreffer des Australiers. Und Dardais Gestik sieben Minuten vor der Pause? Situativer Gedächtnisverlust, also totale Zufriedenheit. Nach dem Spiel sollte er folgendes Resümee ziehen: „Am Ende muss man sagen, dass das 1:1 gerecht ist. Ich kann damit leben. Solange wir punkten, ist alles okay.“

Nur gestolpert oder Schwalbe?

Gedankenschnelligkeit blieb das Thema dieses Spiels, und in der zweiten Halbzeit nahmen sich Alexander Esswein und Niklas Stark eine kollektive Auszeit von Spielgeschehen. Anders ist jedenfalls nicht zu erklären, wie sich Thomas Delaney den Ball an beiden und im hohen Bogen vorlegen konnte, um aus der Drehung zum 1:1 zu treffen.

Da war knapp eine Stunde gespielt. Nach gut einer Stunde hätten die Bremer sogar führen können, wenn Jarstein nicht den linken Arm ausgefahren hätte bei einem Schuss von Fin Bartels. Dardai? Vermied den direkten Blick mit den am Konter direkt beteiligten Spielern. Er blickte lieber auf seine Uhr. Es begann die Zeit der Rotation. Salomon Kalou (für Esswein) kam rein, Valentin Stocker (für Darida) auch, denn rotieren müssen sie angesichts der Spielhäufung in den kommenden Wochen.

Stocker war es dann übrigens, der Steinhaus am meisten herausforderte an diesem Tag. Elfmeter, nur gestolpert oder Schwalbe? Die Schiedsrichterin brauchte keinen Videobeweis und das zu Recht, um kein Foul zu pfeifen. Ob das etwas am Kaufverhalten der weiblichen Fanartikelkäufer geändert hat, ließ sich leider nicht nachprüfen.