Kleinmachen vor den Bayern gilt nicht: Bruno Labbadia beim Training seines Hertha-Teams.
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BerlinDas iPhone von Matheus Cunha wird in diesen Tagen sehr oft einen neuen Ton von sich geben.  Herthas Kreativspieler bekam seine erste Berufung in die Seleçao, die Nationalmannschaft von Brasilien. „Ich habe vor Freude geweint und danach mit meiner Familie einige Tränen vergossen.“ Sofort wurde er in die WhatsApp-Gruppe der Auswahl aufgenommen, ein durchaus exklusiver Zirkel. Cunha verriet, was er als Erstes reingeschrieben hat: „Ich freue mich, jetzt dabei zu sein!“ Die Antwort kam prompt von Superstar Neymar: „Willkommen!“

Das alles passierte noch vor dem letzten Bundesligaspiel der Berliner gegen Eintracht Frankfurt (1:3). „Ich war wirklich gut drauf und sehr motiviert“, beteuerte der 21-Jährige dieser Tage in einer Medienrunde. Aber er wirkte übermotiviert und konnte der Mannschaft, die insgesamt einen schwachen Auftritt hinlegte, nicht helfen mit seinen oft außergewöhnlichen Ideen.

Nun sagte er klipp und klar: „Meine volle Konzentration gilt dem Spiel beim FC Bayern.“ Eine Aussage, die Cheftrainer Bruno Labbadia sehr gefreut haben muss. Bislang zeigte sich Hertha vor dem Duell in München am Sonntag (18 Uhr, Allianz-Arena) als eine Art Wundertüte, spielt mal souverän wie beim 4:1-Sieg in Bremen und danach eher gehemmt wie gegen körperlich robuste Frankfurter. Noch ist es so, dass ein starker Cunha auch die Aussicht deutlich erhöht, dass das komplette Team einen guten Tag erwischt.

Am Mittwochabend verfolgte Labbadia zusammen mit seinem Trainerstab vor dem Fernsehapparat gespannt die Partie zwischen Bayern und Borussia Dortmund (3:2). Nach der 1:4-Niederlage der Bayern in der Liga zuletzt bei der TSG Hoffenheim und nach dem Supercup-Auftritt gegen Dortmund scheint klar, dass auch die Bayern durchaus verwundbar sind.

Wie Hertha in München auftreten will, hat Labbadia nicht verraten, aber angedeutet, was er von seinen Spielern erwartet: „Gegen Bayern ist nicht nur die Organisation auf dem Platz wichtig, sondern auch der eigene Ballbesitz, den du erkämpfen musst und sicher nicht so oft hast wie gegen andere Bundesligisten.“

Wenn die Berliner in Ballbesitz kommen, kann wohl am besten Cunha etwas mit dem Spielgerät anfangen. Der sagte: „Die Bayern sind klarer Favorit, aber auch sie machen Fehler. In dieser Situation müssen wir zur Stelle sein und unsere Chance nutzen.“ Cunha ist bislang nur wenig mit den Münchnern in Berührung gekommen. Mit RB Leipzig kam er gegen den FC Bayern nur zweimal zu ganz kurzen Einsätzen als Einwechselspieler. Trainer Julian Nagelsmann brachte ihn einmal für neun Minuten und einmal für drei Minuten …

Bei Hertha hofft man nun auf das Ende einer Serie. Der letzte Erfolg einer Hertha-Mannschaft in der Liga in München stammt aus einer anderen Welt. Am 29. Oktober 1977 siegte Hertha nach Treffern von Gerhard Grau und Bernd Gersdorff mit 2:0. Die Bayern um Sepp Maier, Gerd Müller und Karl-Heinz Rummenigge waren sauer, suchten die Schuld auch beim Referee und der Stadionsprecher sagte nach dem Abpfiff Richtung Bayern-Fans: „Wir bitten Sie, den Schiedsrichter nicht zu beleidigen!“