Leipzig/BerlinDie Negativserie geht weiter. Hertha BSC verliert nach zuletzt drei Niederlagen in Folge auch bei Spitzenreiter RB Leipzig mit 1:2 (1:1). Knackpunkt war der kuriose Platzverweis für Berlins Rechtsverteidiger Deyo Zeefuik, der nur vier Minuten nach seiner Einwechslung mit Gelb-Rot das Feld verlassen musste. Zuvor hatte Jhon Cordoba Hertha in einer intensiven Anfangsphase in Führung gebracht (8.), die Dayot Upamecano nur drei Minuten später egalisierte. Selbst in Unterzahl hielten die Blau-Weißen über weite Strecken gut dagegen – bis sie sich mal wieder einen Elfmeter einfingen, den Marcel Sabitzer verwandelte (77.). Damit verpasste das Team von Bruno Labbadia, einen Tag vor der Mitgliederversammlung in der Ostkurve, den erhofften Befreiungsschlag und bleibt mit nur drei Punkten nach fünf Spielen weiter im Tabellenkeller stecken.

Debüt für Omar Alderete

Labbadia änderte seine Startelf im Vergleich zum 0:2 gegen Stuttgart in der Vorwoche auf zwei Positionen. Für Marvin Plattenhardt feierte Verteidiger Omar Alderete sein Hertha-Debüt. Der 23-jährige Paraguayer wechselte erst am letzten Tag der Transferperiode für sechseinhalb Millionen Euro vom FC Basel an die Spree. Außerdem erhielt Dodi Lukebakio auf der rechen Außenbahn den Vorzug vor Mathew Leckie.

An das enttäuschende 0:2 gegen die Schwaben, als sein Team müde und ideenlos wirkte, wollte Labbadia kurz vor Anpfiff nicht mehr denken. Vielmehr erinnerte der 54-Jährige an die starken Leistungen beim 3:4 gegen den FC Bayern und das letzte Duell bei RB (2:2) im Mai. „Wir müssen an die Leistung in München anknüpfen!“, forderte Labbadia: „Wir brauchen Enthusiasmus und Konzentration. Beim letzten Spiel in Leipzig sind wir kompakt aufgetreten und haben einen verdienten Punkt geholt. Das wollen wir wiederholen."

Und seine Mannschaft setzte das Geforderte von Beginn an um. Hellwach lieferten sich die Berliner in der Anfangsphase einen offenen Schlagabtausch mit den Sachsen. Zunächst traf Lukebakio aus spitzem Winkel nur das Außennetz (1.), dann rettete Hertha-Torwart Alexander Schwolow sein Team gegen RB-Stürmer Justin Kluivert mit einer starken Parade vor dem Rückstand (7.). Keine Minute später gingen die Blau-Weißen nach einem perfekten Konter mit 1:0 in Führung: Maximilian Mittelstädt öffnete das Spiel mit einem langen Ball auf Vladimir Darida, der auf den durchsprintenden Lukebakio durchsteckte. Der Belgier spitzelte den Ball durch zwei Verteidiger zum mitgelaufenen Jhon Cordoba durch, der gegen Leipzigs Schlussmann Peter Gulacsi aus rund elf Metern einschob (8.).

Dass die Führung nur drei Minute lang hielt, lag an Herthas in dieser Saison bisher nicht sattelfester Defensive. RB-Verteidiger Dayot Upamecano durfte nach einem Freistoß gleich zweimal unbedrängt aufs Tor schießen, verwandelte schließlich seinen eigenen Nachschuss zum Ausgleich. Dennoch: Hertha blieb auch nach dem Gegentor konzentriert, auch wenn RB mehr und mehr die Kontrolle übernahm.

Zur Halbzeit brachte Labbadia Rechtsverteidiger Zeefuik für Peter Pekarik, der unter der Woche wegen einer starken Hüftprellung nur individuell trainieren konnte. Dass der Niederländer nur kurz danach schon wieder unter Dusche stand, lag daran, dass er gegen Leipzigs Flügelstürmer Christopher Nkunku erst zu spät (47.) und dann zu ungeschickt (49.) zu Werke ging. Labbadia quittierte die harte Entscheidung von Schiedsrichter Tobias Stieler mit ungläubigem Kopfschütteln.

Selbst in Unterzahl probierten die Berliner weiter nach vorne zu spielen, allerdings ohne Durchschlagskraft. Daridas satter Distanzschuss, der zwei Meter über das Leipziger Gehäuse flog, blieb die gefährlichste Aktion (72.)

Auf die Verliererstraße brachte Hertha wie schon so häufig in dieser Saison ein individueller Fehler, diesmal von Cordoba. Der Kolumbianer lief im eigenen Strafraum dem aufgerückten Verteidiger Willi Orban ohne Not in die Beine. Den fälligen Strafstoß verwandelte Sabitzer sicher (77.). Labbadia versuchte alles, brachte mit Javairo Dilrosun, Kris Piatek und Jessic Ngankam drei Offensivkräfte. Doch auch das Trio konnte die vierte Niederlage in Folge nicht mehr abwenden. „Das Ergebnis tut weh. Wir haben als Mannschaft gut gearbeitet, ein schönes Tor geschossen. Wir müssen positiv bleiben und weiter arbeiten", erklärte Darida kurz nach Abpfiff bei Sky.