Es passt zwar ganz gut, es fühlt sich auch richtig an, aber wenn man die Bibelstelle streng auslegt, dann ist das Gleichnis vom verlorenen Sohn falsch in diesem Fall. Im Evangelium nach Lukas kehrt der Sohn nämlich reumütig zurück, weil er seinen im Voraus ausgezahlten Erbteil verprasst hat, irgendwo im Ausland, am Ende war er ein Bettler und Schweinhirte, er wollte nur nach Hause. Per Skjelbred, 27 Jahre alt, den sie bei Hertha BSC am Montag wie einen verlorenen Sohn empfangen haben, ist es zuletzt nicht ganz so schlimm ergangen beim Hamburger SV. Aber schön war es eben auch nicht.

Zwei Aussagen des Mittelfeldspielers, der nach einem geliehenen Jahr nun fest für drei weitere in Berlin unterschrieben hat, reichen aus, um ein Bild davon zu bekommen, wie es so ist, von einem Verein unbedingt gewollt und von einem anderen schier grundlos verstoßen zu werden. Erstens: „Hertha BSC ist mein Verein, ich bin unglaublich froh, dass ich wieder hier bin.“ Und zweitens: „Der HSV hat 0:3 gegen Paderborn verloren. Mehr braucht man nicht zu sagen.“ Dabei hätte Skjelbred sicherlich viel zu sagen über einen Wechsel, der sich hinzog wie eine Dauerwerbesendung im Nachtprogramm. Über einen Wechsel, den sich Hertha etwa über eine Million Euro hat kosten lassen. Die Kaderplanung ist nach dem neunten Zugang abgeschlossen.

Flexibel einsetzbar

„Per ist immer interessant“, hatte Michael Preetz schon vor zwei Monaten gesagt, da war Skjelbreds auf eine Saison begrenzter Leihjob gerade erst zu Ende gegangen. In der Zeit danach zeigte sich Herthas Manager dann sehr geduldig und auch einfallsreich im Beantworten der immer gleichen Frage: Wann kehrt Skjelbred endlich zurück? Zuletzt sagte Preetz: „Wir haben weiterhin großes Interesse.“

In Hamburg, wo Skjelbred – auch wegen Verletzungen – in zwei Saisons weniger Spiele (26) bestritten hat als in der vergangenen Spielzeit für Hertha (28), hatten sie schon lange kein Interesse mehr an ihm. Der Norweger, der seine neue Heimat Berlin wegen eines Länderspiels schon wieder Richtung London verlassen hat, sollte nur noch gewinnbringend verkauft werden. Es soll auch Angebote aus Spanien gegeben haben und eine von den Hamburgern gezielt öffentlich gemachte Anfrage aus Bremen, alles, um den Preis hochzutreiben.

Skjelbred, das hat auch immer Trainer Jos Luhukay betont, ist so etwas wie das fehlende Mosaiksteinchen im komplett erneuerten Mittelfeld. Sein Vorteil: Er ist so flexibel, dass er überall hineinpasst. Und er kommt zum richtigen Zeitpunkt, da Alexander Baumjohann gerade in die USA geflogen ist, um sich vom Knieguru Richard Steadman am Kreuzband operieren zu lassen. Da Ronny noch einen Muskelfaserriss auskurieren muss und Jens Hegeler nach seiner Form sucht. Vor einem Jahr war die Situation ähnlich. Der Unterschied: Diesmal ist Skjelbred gekommen, um wirklich zu bleiben.