Pal Dardai kam 1997 im Winter zu Hertha BSC und bestritt danach 286 Bundesligaspiele für den Verein.
Foto: Oliver Behrendt/Imago Images

BerlinKommt er? Kommt er nicht? Granit Xhaka, der 82-malige Schweizer Nationalspieler, wird seit Wochen von Hertha BSC umworben. Er zeigte sich wechselwillig, aber der FC Arsenal will ihn unbedingt halten. Am Montagabend stand Xhaka für 90 Minuten im Trikot der Gunners auf dem Platz, als das Team im FA-Cup Leeds United mit 1:0 besiegte. Ich würde ihn gern im Mittelfeld von Hertha erleben. Noch wird gepokert. Ende offen.

Doch wie es während eines Transferfensters oft ist: Aus Gerüchten werden keine Tatsachen und ab und an gibt es total überraschende Lösungen. Ich glaube jedenfalls fest daran, dass nach der Verpflichtung des 22-jährigen Argentiniers Santiago Ascacibar noch ein Königstransfer folgen wird. Dank der Millionen von Investor Lars Windhorst.

Hertha-Kenner

Michael Jahn begleitet seit mehr als zwei Jahrzehnten den Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Immer mittwochs gibt er in dieser Kolumne seine Expertise zu der Mannschaft, dem Klub und seinem Umfeld ab.

Pal Dardai war Herthas Winter-Königstransfer 

Dabei heißt es immer, in der Transferperiode zwei, also im Januar, seien kaum optimale Einkäufe möglich. Die wichtigen Profis stehen alle unter Vertrag, man bekäme nur die zweite Garde oder müsse sich mit Leihgeschäften begnügen. Dass diese These nicht immer stimmen muss, hat gerade Hertha BSC in der Vergangenheit oft bewiesen. Ein paar Beispiele gefällig?

Mein Winter-Königstransfer der zurückliegenden 25 Jahre steht eindeutig fest: Pal Dardai! Manch Hertha-Anhänger wird es vielleicht nicht mehr wissen: Pal kam als schmächtiger 20-Jähriger im Januar 1997 von BVSC Budapest nach Berlin und kostete 500 000 Mark an Ablöse. Im März 1997 gab er sein Debüt im Zweitligaspiel gegen den VfL Wolfsburg (1:0) vor 14 847 Zuschauern. 286 Bundesligaspiele wurden es danach – viel mehr Hertha geht nicht.

Im Januar 2000 folgte der nächste Coup. Hertha erlöste den Kroaten Josip Simunic vom Reservisten-Dasein beim Hamburger SV, zahlte schlappe 350 000 Mark Ablöse. Stattliche 222 Erstligaspiele absolvierte der sensible und oft hochklassige Abwehrmann danach, ehe ihn Manager Michael Preetz im Sommer 2009 für die feste Ablöse von sieben Millionen Euro sehr gewinnbringend nach Hoffenheim verkaufte.

Auch im Winter 2000 standen wir Journalisten uns auf dem Flughafen Tegel die Beine in den Bauch. Nach stundenlangem Warten war er endlich gelandet: „Wunderknabe“ Alex Alves, der erste Brasilien-Import der Hertha. Mittelgroß, Goldkette um den Hals und recht schüchtern wirkte der Mann, für den Hertha die damals satte Summe von 7,6 Millionen Euro an Cruzeiro Belo Horizonte überwies. Erstaunlich: Bis zur Verpflichtung von Davie Selke im Sommer 2017 blieb Alves der Rekordtransfer von Hertha.

Sehnsucht nach einem Publikumsliebling

Als Glücksgriff entpuppte sich im Januar 2008 zudem die Verpflichtung des filigranen Brasilianers Raffael vom FC Zürich. Für den Wunschspieler von Trainer Lucien Favre setzte der damalige Manager Dieter Hoeneß „Himmel und Hölle“ in Bewegung und zahlte 4,3 Millionen Euro an Ablöse.

Andere Winter-Verpflichtungen verpufften allerdings. Im Januar 2010 holten Preetz und Trainer Friedhelm Funkel in größter Abstiegsangst einige Nothelfer gleich im Dreierpack: Theofanis Gekas, Roman Hubnik und Lewan Kobiaschwili. Hertha stand nach der Hinrunde mit sechs Punkten abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz. Doch auch dieses Trio konnte den Abstieg nach 13 Jahren Erste Liga nicht verhindern.

Was passiert nun, zehn Jahre später? Am liebsten wäre mir ein Profi, der das Zeug zum Publikumsliebling besitzt. Viele davon gab es zuletzt bei Hertha nicht.