Reden hilft eigentlich. Das war schon immer so. Und das wird auch diesmal wieder so sein. Mit Spannung blicken die deutschen Fußballfans auf die Entwicklung bei Hertha BSC. Pinke Ausweichtrikots, zunehmende Event- und Digitalisierung, Hymnen-Zoff und nun das durch Hertha auferlegte kollektive Fahnenverbot als Reaktion auf die schweren Ausschreitungen in Dortmund – die Ultras des Berliner Bundesligisten und die Klubführung liegen zurzeit ganz gewaltig im Clinch.

„Natürlich müssen wir an einen Tisch. Es müssen Dinge besprochen und Grenzen gezogen werden“, kündigte Geschäftsführer Michael Preetz offen an. Kein Dialog sei auch keine Lösung.

Für Montag hatte die Klubführung deshalb Vertreter der beiden Ultragruppierungen Harlekins Berlin 98 und Hauptstadtmafia zu einem Krisengipfel eingeladen. Das bestätigte der Klub am Sonntag auf Nachfrage. „Es ist ein kleiner Teil der Fans, mit dem wir aktuell nicht im Gespräch sind. Es gilt aber, dass unsere Hand auch nach dem Dortmund-Spiel ausgestreckt ist“, hatte Preetz noch am Rande der 0:3-Pleite gegen Leipzig gesagt.

Ultras beziehen per Brief Stellung 

Es sollte eigentlich zur Aussprache kommen. Doch die Ultras lassen das Treffen platzen. Grund: Ultras und Verein liegen in vielen Gesichtspunkten momentan noch so weit auseinander wie Mond und Erde. Hertha gibt auf Nachfrage an, dass die Ultras das Treffen für „nicht notwendig“ halte. Die Ultras dagegen sprechen von Erpressung durch den Klub.

In einem Brief kritisieren die Ultras, dass sie an einem Vorgespräch mit der Geschäftsführung teilnehmen müssen, ansonsten würden die von einem runden Tisch ausgeladen. In dem Schreiben heißt es: „Wie allgemein bekannt ist, führen wir Ultras aktuell keine Gespräche mit der Geschäftsführung. Wir haben uns allerdings aufgrund der Konzeption des „Runden Tischs“ entschieden, an diesem teilzunehmen und haben uns diesbezüglich dialogbereit gezeigt. Die Geschäftsführung hat nun allerdings ein verpflichtendes Vorgespräch nur mit uns einberufen und uns mitgeteilt, dass wir bei Nicht-Teilnahme vom „Runden Tisch“ ausgeschlossen werden. Auch wenn wir Ultras mittlerweile nichts mehr von dieser Geschäftsführung erwarten können: Dialogbereitschaft sieht anders aus.“

„Runder Tisch” für Donnerstag geplant

Hertha wollte zunächst mit den Ultras die jüngste Ausschreitungen aufarbeiten, ehe es eigentlich noch in dieser Woche einen erneuten Versuch geben soll, den Dialog mit allen Fangruppen an einem „runden Tisch“ zu beleben. Diese Sitzung war ursprünglich für vergangenen Donnerstag geplant und wegen einer kürzlich einberufenen Sicherheitsbesprechung abgesagt worden.

Trainer Pal Dardai bemerkte unterdessen: „Ich habe vor unseren Fans keine Angst. Wir reden mit ihnen.“ Das soll ja bekanntlich helfen. Die Ultras sind aber dazu noch nicht bereit.