Voller Einsatz, aber ohne Wirkung: Krzysztof Piatek.
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BerlinKrzysztof Piatek hat mal ganz „Italien im Sturm erobert“. Befand zumindest die Gazzetta dello Sport, nachdem der Pole in der Spielzeit 2018/19 in seinen ersten zehn Spielen für den Serie-A-Klub Sampdoria Genua stolze dreizehn  Tore erzielt hatte. Da müsste es für den 24 Jahre alten Angreifer aus dem niederschlesischen Dzierzoniow doch ein Leichtes sein, vielleicht nicht gleich ganz Deutschland, aber zumindest Berlin oder fürs Erste eben auch nur Charlottenburg zu erobern.

Ob Piatek dazu in der Lage ist, lässt sich nach diesem eher frühlings- denn winterhaften Freitagabend im Berliner Olympiastadion freilich noch nicht in letzter Konsequenz sagen. Der 22-Millionen-Euro-plus-Boni-Mann kam beim 0:0 gegen den FC Schalke zwar zu einem halbstündigen Einsatz, konnte aber seinem Ruf, ein Spezialist für das 1:0 seiner Mannschaft zu sein, noch nicht gerecht werden. Was auch nicht verwundern kann, weil er a) doch erst mal die Strapazen des Transfers verarbeiten muss und b) und plötzlich Spieler in einer immer noch nicht funktionierenden Mannschaft ist. Immerhin konnte er bei einem Kopfball in der 73. Minute seine Torgefährlichkeit andeuten, wobei er womöglich doch besser dem hinter ihm positionierten Dedryck Boyata den Vortritt hätte lassen sollen.

Auf Absicherung bedacht

Auf Absicherung bedacht Womöglich darf Piatek schon am Dienstagabend von Beginn an ran, wenn die Hertha in der dritten Runde des DFB-Pokals in so einer Art Rückspiel bei Schalke 04 anzutreten hat. Doch drängt sich grundsätzlich schon die Frage auf, ob Klinsmann bereit ist, die taktische Marschroute im Sinne seines neuen Strafraumstürmers zu verändern.

Auch gegen den FC Schalke war die Hertha nämlich erst mal auf Absicherung bedacht, ließ die Gäste agieren, was die allerdings aufgrund ihrer spielerischen Defizite nicht zu ihrem Vorteil nutzen konnten. Dieses Nicht-Wollen und Nicht-Können hatte in der ersten Hälfte ein unattraktives Gewürge zur Folge. Was auch immer in die Tiefe gespielt wurde, verlor sich da wie dort in der gegnerischen Abwehrreihe. Flankenbälle landeten da, wo bei Leichtathletik-Wettkämpfen die Hochspringer in die dicke Matte plumpsen.

Boyatas dicker Patzer

Kaum einer wagte ein Dribbling, und wenn einer tatsächlich eine Einzelaktion startete, wurde die sogleich durch ein Foul gestoppt. Und mal ehrlich, ist ein Torschuss eigentlich ein Torschuss, wenn ein Schuss – wie bei Marius Wolf in der 24. Minute – drei Meter am Tor vorbeigeht? Von Torgefahr konnte letztlich nur einmal die Rede sein, nämlich als Schalkes Weston McKennie in der 45. Minute an der Strafraumgrenze frei zum Schuss kam, sein Schuss aber  von Maxi Mittelstädt entschärft und von Keeper Rune Jarstein noch über die Querlatte gelenkt wurde.

Nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit, nachdem Boyata mit einem dicken Patzer beim Rückspiel auf Jarstein fast den Rückstand verursacht hatte, waren Klinsmann und dessen Zuarbeiter auf der Hertha-Bank zu dem Schluss gekommen, dass nun doch ein Personalwechsel vonnöten war. Arne Maier, der in der Winterpause laut seinen Wechselwunsch kundgetan hatte, entledigte sich seines Trainingsanzugs, schlüpfte ins Trikot. Genauso wie Piatek, der kurz vor seinem Debüt von Klinsmann noch eine kurze Streicheleinheit und ein breites Grinsen mit auf den Weg bekam.

Maier kam für Grujic, der sich in einem Kopfballduell eine Beule zugezogen hatte, ins Spiel, Piatek wiederum für Wolf, der auf dem rechten Flügel viel versuchte, aber genauso wie sein Pendant auf linken Seite, Javairo Dilrosun, ohne Wirkung blieb. Keine klare Struktur Ein bisschen gefälliger und zielorientierter wurde das Spiel der Hertha in der Schlussphase.

Keine klare Struktur

Doch auch in diesem Spielabschnitt war keine klare Struktur zu erkennen, eine Struktur, welche die Basis für Spielfluss ist, für ein Miteinander, das den Gegner in eine Verlegenheit bringt. Ein Sieg für die Hertha, den Maxi Mittelstädt in der Nachspielzeit mit einem Flachschuss nur knapp verfehlte, wäre auch deshalb vor 47 863 Zuschauer letztlich nicht verdient gewesen.

Nur ein paar Profis dürfen sich bei Hertha sicher sein, dass sie den hohen Ansprüchen des Übungsleiters genügen. Innenverteidiger Dedrych Boyata zählt offensichtlich dazu, aber nicht Niklas Stark, der sich nach seinem von Klinsmann gelobten Einsatz beim 2:1 in Wolfsburg doch wieder nur auf der Ersatzbank wiederfand. Dann noch Grujic, der kämpferische Santiago Ascacibar und vielleicht auch Dodi Lukebakio. Der Rest kann froh sein, dass gestern um 18 Uhr, also zweieinhalb Stunden vor Spielbeginn die Wintertransferperiode endete.