Als Jos Luhukay, der Hertha-Trainer, nach dem Aufstieg in die Erste Bundesliga behauptete, seine Mannschaft werde in dieser Saison mit sieben oder acht Erstligateams mithalten und auf Augenhöhe sein, hätte man liebend gern gewusst, welche Gegner der Holländer damals im Blick hatte. Auf jeden Fall war der 50-Jährige wieder einmal ein sehr guter Prophet. Seine Vermutung ist eingetroffen und sogar übertroffen worden. Vor dem letzten Spieltag der Hinrunde, an dem der Aufsteiger zu Borussia Dortmund reisen muss (Sonnabend, 15.30 Uhr, Sky), hat Hertha die stattliche Anzahl von 25 Punkten gesammelt, steht auf Rang sieben und konnte somit elf andere Teams hinter sich lassen, darunter mit Eintracht Frankfurt oder dem SC Freiburg Gegner, die sogar in der Europa League gestartet waren.

Ein endgültiges Fazit wollte Luhukay noch nicht ziehen, aber unabhängig vom Ausgang des Duells vor 80 000 Zuschauern in Dortmund (darunter 4 367 Hertha-Fans, die ein Ticket erworben haben) sagt der Trainer: „Diese Mannschaft hat fast das Maximum erreicht. Platz sieben ist für uns sensationell.“

Duell mit einer Maschine

Die Konstellation in der Liga beurteilt er so: „Die Top drei werden unangefochten bleiben. Bis zu Platz sechs folgen Vereine, die in der Vergangenheit schon recht erfolgreich waren. Wir aber stehen zu Recht auf Platz sieben.“ Auch nach Dortmund reise man deshalb mit einem guten Gefühl. Zum Spiel bei der Borussia fand Berlins Coach drastische Formulierungen. „Nur mit einer Kräfteexplosion können wir das Duell gut überstehen.“ Und das Dortmunder Mittelfeld sei „eine richtige Maschine“, der man nur mit enormen Einsatz und Tempo entgegentreten könne. Bei diesem Unterfangen muss Luhukay auf zahlreiche Stammkräfte verzichten, vor allem in der Defensive. Dort fallen außer Sebastian Langkamp (nach Muskelfaserriss erst im Lauftraining), Johannes van den Bergh (Muskelverhärtung) auch John Anthony Brooks und Fabian Holland (beide Grippe) aus. Luhukay ist aber kein Trainer, der über verletzte Spieler klagen würde. Er spricht lieber von einer „guten Balance“ im Team und redet so diejenigen stark, die er aufbieten wird. Wichtig ist, dass seine „stabile Achse“ steht. Zu der zählt Luhukay Torhüter Thomas Kraft, Abwehrchef Fabian Lustenberger, den oft giftigen Balleroberer Hajime Hosogai und Sturmspitze Adrián Ramos.

Der letzte Ausflug einer Hertha-Mannschaft nach Dortmund brachte ein überraschendes Resultat. Im September 2011 gewann Berlin 2:1 in Dortmund unter Trainer Markus Babbel, heimste enormes Lob auch von Jürgen Klopp ein („Hertha hat eine brutale Qualität“) und stieg Monate später ab. Solche Dinge interessieren Jos Luhukay überhaupt nicht, für ihn zählt nur das Jetzt und Heute. Mitentscheidend für das starke Abschneiden war auch für den Trainer die schnelle Integration aller sechs Zugänge, die sämtlich in die erste Elf drängten und so viele Aufstiegshelden zu Einwechselspielern oder gar zu Reservisten machten. Solch eine Erfolgsquote ist selten, aber Luhukay kannte „die menschlichen wie sportlichen Qualitäten“ der Neuen. Für die meisten der Zugänge war im Gegenzug wichtig, dass der Trainer langfristig in Berlin arbeiten will.