Hertha-Verteidiger Karim Rekik bejubelt seinen Treffer zum 1:0 gegen Bayer Leverkusen.
imago-images

LeverkusenDas Engagement von Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC zeigt nach einer kurzen Phase des Kennenlernens offensichtlich doch Wirkung. Der 1:0-Erfolg bei Bayer Leverkusen am 16. Spieltag der Fußball-Bundesliga lässt jedenfalls für den Moment keinen anderen Schluss zu. Denn der Sieg in der Bay-Arena war keineswegs ein Glücksfall, sondern die Konsequenz aus einer so engagierten wie konzentrierten Teamarbeit. Und so schnell kann es gehen: Während bei den Blau-Weißen plötzlich von Krise oder Abstiegskampf nicht mehr die Rede sein kann, gehen die Leverkusener mit einem unguten Gefühl in das Vorrundenfinale beim FSV Mainz 05.

Klinsmann und Alexander Nouri, der als Assistent von Klinsmann wohl wesentlichen Einfluss auf den jeweiligen Matchplan der Blau-Weißen hat, hatten ihren Profis für den Abend in Leverkusen eine doch anspruchsvolle taktische Vorgabe mit auf den Weg gegeben. In der Grundordnung sollten die Herthaner in einem 4-1-4-1 agieren, das sich in der Rückwärtsbewegung in ein 4-5-1, in der Vorwärtsbewegung hingegen in ein 4-3-3 verwandelt. Kein Wunder also, dass sich der eine oder andere nach den Theoriestunden im Training in der Praxis erst mal neu orientieren musste. So wie Marko Grujic, der weitaus offensiver agieren sollte als unter Pal Dardai oder Ante Covic, aber eben plötzlich das Spiel nicht mehr nur vor sich hatte, sondern als 360-Grad-Spieler gefragt war.

Die Leverkusener nutzten die Findungsphase der Herthaner zu einem ziemlich forschen Auftakt, doch trotz all der vermeintlichen Qualität, die Trainer Peter Bosz zur Verfügung steht, sprang dabei nicht allzu viel heraus. Ein wuchtiger Schuss von Moussa Diaby aus halblinker Position, den Rune Jarstein zur Ecke parierte (9.), ein Schlenzer von Lucas Alario aufs lange Ecke, der ebenfalls von Jarstein entschärft werden konnte, das war’s. Und dann war mit einem Mal plötzlich zu sehen, welches Potenzial diese Hertha-Mannschaft in sich trägt. Da ist einer wie Javairo Dilrosun, dem nach einem 30-Meter-Sprint im Abschluss nur ein wenig die Präzision fehlte (21.). Und da ist einer wie Grujic, der wenige Sekunden später mit einem blitzgescheiten Pass Davie Selke freispielte. Selke allerdings scheiterte mit seinem Schuss an Leverkusens Schlussmann Lukas Hradecky. Dilrosun war es auch, der sich die letzte Torschussaktion in Hälfte eins erarbeitete, aber auch hier ließ der Niederländer die Präzision missen.

Fortschritte im Miteinander

Darüber hinaus waren bei der Hertha an diesem Abend auch Fortschritte im Miteinander auszumachen. Was im Besonderen für die Abwehrreihe gilt, die auf all das, was die Gastgeber versuchten, stets ein Antwort hatten. Dedryck Boyata tat sich dabei als leidenschaftlicher, aber auch gewiefter Zweikämpfer hervor. Aber auch Karim Rekik scheint unter der Führung von Klinsmann zumindest einen kleinen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Es waren ja durchaus schon Zweifel angebracht, ob das noch was wird mit ihm und der Hertha, aber in Anbetracht der Leistungssteigerung beim Niederländer wird Neu-Nationalspieler Niklas Stark doch erhebliche Probleme haben, seinen Stammplatz zurückzugewinnen.

Aus allerlei gelungen Aktionen entwickelte Rekik gar den Mut, um sich nach einem Eckball nicht gleich wieder seinen Abwehraufgaben zu widmen, sondern  mal zu spekulieren, ob sich im Nachgang dieser Standardsituation nicht vielleicht eine weitere Chance ergeben könnte. Und siehe da: Dilrosun kam an den Ball, sah Rekik in der Lücke, bediente seinen Landsmann mit einem wunderbaren Steilpass. Rekik zog ab, scheiterte zunächst an Hradecky, setzte aber nach und traf zum letztlich 1:0 (65.). Das Hertha in Kombination mit der Rettungstat von Jarstein beim Kopfball von Kevin Volland (66.) letztlich den erhofften Auswärtserfolg bringen sollte.