Hertha BSC gegen FC Mainz 05: Berliner müssen Fehler vermeiden

Neulich hat Pal Dardai über einen Spieler gesprochen, der gar nicht mehr da ist. Und dass dieser Spieler gar nicht mehr da ist, das versteht Herthas Trainer irgendwie immer noch nicht. Er empfindet es nämlich als persönliches Versagen, wenn er etwas sieht, das andere nicht sehen: eine seltene Fähigkeit, eine verborgene Veranlagung.

Und dann sind diese plötzlich weg. Oder vielleicht waren sie auch nie da. „Er konnte seine starken Trainingsleistungen im Spiel nie bestätigen“, sagte Dardai. Und warum? „Das ist mir immer noch ein Rätsel.“ Der Rätselspieler heißt: Jens Hegeler. Jens – wer war das noch mal?

Im Januar hat Hegeler Berlin verlassen, um sich dem englischen Zweitligisten Bristol City FC anzuschließen. Zunächst noch lief es ja ganz gut für den Mann, den Dardai mehrmals als zentrale Figur im Mittelfeld aufbauen wollte und mehrmals scheiterte.

„Ich bin ein komischer Mensch“

Hegeler, groß, feinfüßig, tatsächlich smart, machte in der Championship sechs Spiele über neunzig Minuten. Danach war es eine Stunde, eine Minute, vier Spiele nur auf der Bank, zuletzt kam er wieder zu Kurzeinsätzen, aber ein Stammspieler ist er in Bristol nicht geworden. Das Team steht einen Platz über dem Strich. Drunter geht es in die Drittklassigkeit.

Wenn man so liest, was die Engländer so schreiben, dann deckt sich das in etwa mit dem, was man auch in Deutschland über Hegeler gelesen und geschrieben hat: ein bisschen zu langsam, ein bisschen zu unkonzentriert, ein bisschen zu ungelenk in den Zweikämpfen. Von allem immer nur ein bisschen − kann auch ein bisschen zu viel sein. Aber immerhin war Hegeler einmal Herthas wichtigster Spieler.

Die Berliner Fußballreisegruppe muss am Sonnabend um halb vier in Mainz antreten. Und wer sich an Mainz erinnert, der muss vor allem den 7. Februar 2015 und den 14. Mai 2016 im Sinn haben. Das erste Datum steht für Dardais allerersten Cheftrainerauftritt – 2:0 gewonnen.

Weg ohne Umwege

Das zweite markiert das Ende der vergangenen Saison, als Hertha am letzten Spieltag mit einem 0:0 die direkte Qualifikation für die Europa League verpasste, verspielte. Denken Sie eigentlich auch noch daran, Herr Dardai? „Ich bin ein komischer Mensch, ich denke gar nicht. Jedes Spiel ist anders.“

Der Umbruch im Kader, der Wandel, den der gesamte Verein seitdem erlebt hat, kam schleichend. Aber er kam. Auf eine Fast-abstiegssaison folgte eine Fasteuropasaison nur, weil Hertha nicht im Mainz gewann. Weil Salomon Kalou alles traf, nur nicht das Tor. „Das waren Chancen, die ich normalerweise nutze“, sagte er.

Normalerweise hätte Herthas Weg ohne Umwege in die Gruppenphase geführt. So aber durften die Mainzer sich über einen längeren Urlaub freuen. „Platz sieben tut nicht weh“, sagte Dardai. „Ganz Deutschland hat gesagt, wir steigen ab.“ Was nicht übertrieben war.

„Pal war als Spieler ein Beißer“

Jetzt also wieder Mainz, und ja, auch dieses Spiel ist natürlich anders. Besonders für die Mainzer, die in der Europa League nicht über die Gruppenphase hinauskamen, aber noch ansehnlichen Fußball spielten in der Hinrunde. Doch dann kam die Rückrunde, und es ging Yunus Malli, der Kopf und das Herz der Mannschaft, nach Wolfsburg.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Spielen in Mainz fällt allein schon dann auf, wenn man die Mannschaft durchgeht, die vor zwei Jahren als verunsicherter Vorletzter und nach gerade mal drei Trainingstagen unter Dardai etwas Mut gefasst hatte im Abstiegskampf. Einer am meisten: Jens Hegeler. Es traute sich niemand, den Elfmeter zu schießen. Also nahm er sich den Ball – und traf zum 1:0.

„Ich bin kein Zauberer. Ich mache keine Wunder. Aber ich wollte Mentalität von den Jungs sehen“, sagte Dardai später. „Wir mussten heute Kerle sein auf dem Platz“, sagte Peter Niemeyer. „Pal war als Spieler ein Beißer, ein Kämpfer. Das transportiert er auch in der Kabine“, sagte Nico Schulz. Hegeler, Niemeyer, Schulz, der zweite Torschütze des Tages Roy Beerens, dazu Hajime Hosogai und im Tor stand Thomas Kraft – das ist nur zwei Jahre her. Gefühlt sind es zwanzig.

Zum Wohle der Kaderplanung

Acht Punkte Vorsprung hatte Mainz auf den Relegationsplatz. Jetzt stehen sie wie Bristol. Ist es im Nachhinein ein Segen, dass Hertha nicht an Wochentagen durch Europa touren musste, Herr Preetz? „Berechtigte Frage – aber es macht keinen Sinn, sie zu beantworten.“

Der Manager tat es dann doch ein wenig und verwies auf die vielen Mittelklasseteams, die es in den vergangenen Jahren mal durch Zufall oder Glück oder die Schwäche der Branchenführer nach oben geschafft haben. Um in der kommenden Saison wieder tiefer zu fallen. Hertha will trotzdem nach Europa.

Unbedingt. Und am besten direkt. Das hilft bei der Kaderplanung. Es hilft vor allem, Fehler zu vermeiden wie vor einem Jahr, als Hertha noch auf Platz drei stehend den Vertrag mit Alexander Baumjohann verlängerte. In der Hoffnung, dass man ihn brauchen wird unter der Woche. Dann brauchte man ihn plötzlich doch nicht mehr.

Dardai sagte neulich auch noch: „Jens Hegeler und Alexander Baumjohann bringen fußballerisch alles mit. Dass ich beide hier nicht hinbekommen habe, ist für mich als Trainer eine Niederlage.“ Jede Niederlage ist anders. Und sieht man von diesem einen Unentschieden ab, hat der Trainer Pal Dardai noch nie gegen Mainz verloren.