Berlin - Man hat unheimlich viel erfahren auf der Pressekonferenz von Hertha BSC vor dem Heimspiel am Samstag gegen Werder Bremen (15.30 Uhr, Olympiastadion). Etwa, dass der treue Blindenhund eines sehbehinderten Berliner Journalisten, der oft einen hartnäckigen Fragesteller gibt, weiblich ist und auf den Namen „Voice“ hört.

Rehhagel wollte den Namen wissen.

Man hat auch erfahren, dass ein anderer Kollege vom Jahrgang 1938, der eine TV-Sendung auf einem Berliner Lokalsender betreibt, beinahe Fußballtrainer geworden wäre. Das war nur deshalb von Belang, weil der ergraute Kollege mit seinem Jahrgang kokettierte – auch Trainer Otto Rehhagel, der auf dem Podium thronte, ist Jahrgang 1938.

Na bitte.

Ein-Mann-Show mit Rehhagel

Man hat auch erfahren, dass Rehhagel „mit dem Thomas und dem Klaus befreundet ist“. Thomas ist Werder-Trainer Schaaf und Klaus der Manager Allofs. Er, Otto Rehhagel, werde sich aber am Samstag „absolut professionell verhalten“. Er habe gewusst, was in Berlin auf ihn zukomme, sagte die Trainerlegende, „ich hoffe, dass ich erfolgreich bin. Ich knie mich richtig rein“.

Der Cheftrainer gibt seit seinem Amtsantritt in Berlin bei den Pressekonferenzen mit Vergnügen eine Ein-Mann-Show, auch deshalb, weil sämtliche Fragen nur noch an ihn gehen und nicht mehr an Manager Michael Preetz, der auf dem Podium wie ein vergessener Linksaußen wirkt.

Rehhagel behielt seine gute Laune – trotz einiger kurioser Fragen. Seinem Mitbürger vom Jahrgang 1938 erklärte er geduldig verschiedene Varianten einer Abwehrkette, um dann eine seiner vielen Weisheiten zu verkünden: „Fußball ist ein Spiel der Unwägbarkeiten.“

Hertha erwartet 50.000 Zuschauer

Das hat Rehhagel schon bei seinem ersten Spiel als Hertha-Coach in Augsburg (0:3) heftig zu spüren bekommen. Nun, gegen den Bremer Stürmer Claudio Pizarro, der immer gern gegen Hertha trifft, zu spielen, wird „eine schwere Nummer“, sagte der Coach auch, „wir müssen früh attackieren und klug spielen.“ Dass das Duell gegen seinen ehemaligen Klub äußerst wichtig ist, ist Rehhagel bewusst. „Ich kann ja die Tabelle lesen“, sagte er, „das ist eine schwierige Kiste.“

Taktik oder gar Details seiner Aufstellung verriet Rehhagel traditionsgemäß nicht. „Wer spielt, erfährt die Mannschaft erst am Samstag.“ Hertha erwartet über 50.000 Fans im Duell gegen Bremen und hofft nach zwölf sieglosen Spielen endlich auf einen Erfolg. Traditionell beendete der Trainer wieder die Pressekonferenz („Danke, das war’s, meine Herren!“). Dann streichelte er den Hund namens „Voice“. Dem schien das sehr gut zu gefallen.