Hertha BSC gewinnt 2:0 gegen FSV Mainz: Hertha in der Aufwärtsspirale

War die Ausgangslage zu komfortabel? Der dritte Tabellenplatz, und damit die beste Hinrundenendplatzierung seit sieben Jahren, war bereits vor Anpfiff so gut wie sicher. So zu hundert Prozent überzeugt, ob seine Spieler noch einmal die nötige Konsequenz zeigen würden, war Trainer Pal Dardai nicht gewesen. Von einem Bonusspiel hatte er gesprochen, und Bonus heißt ja auch immer, dass nichts verloren geht, wenn es nicht hinhaut. Alle Sorgen waren aber unbegründet, denn Dardai hat einen Kapitän, der selbst im größtmöglichen Erfolgsfall auf jegliche Bequemlichkeit verzichtet. Souverän gewann Hertha BSC das letzte Spiel im Jahr 2015 gegen Mainz mit 2:0 (1:0).

Die Fußballer im Olympiastadion können auf einer Rolltreppe in Richtung Rasen fahren, Fabian Lustenberger verzichtete auf den Luxus und verließ sich auf die eigene Muskelkraft. Prompt war der defensive Mittelfeldspieler derjenige, der von Beginn an das Spieltempo seines Teams bestimmte. Mit einem Vorstoß brachte er in der 8. Minute Bewegung ins Offensivdrittel. Die Kollegen hingegen trafen in den Anfangsminuten ihre Entscheidungen immer den Bruchteil einer Sekunde zu spät, die es im Bundesligafußball dauert, bis sich das schmale Zeitfenster für einen erfolgreichen Spielzug schließt. Nach dem zweiten Strafraumausflug von Lustenberger fanden aber auch sie die nötige Spannung.

Hertha kann alles

Die Dominanz in den ersten zwanzig Minuten war sogar noch größer als am Mittwoch gegen den Zweitligisten Nürnberg im Pokal. Die Statistik wies mehr als 75 Prozent Ballbesitz und ebenso viele gewonnene Zweikämpfe aus. In der Folge ließen die Herthaner etwas locker, als wollten sie den Mainzern mitteilen: Macht doch auch mal was. Schließlich spielt der Gast derzeit die zweitbeste Hinrunde der Vereinsgeschichte.

Seit insgesamt sechs Spielen war er ungeschlagen, auswärts hielt die Serie seit vier Partien. Aber in Berlin wollten oder konnten die Mainzer nicht. Also nahm sich Vladimir Darida den Ball, schickte die Verteidiger mit Blicken und Finten auf den Boden und schloss aus der Distanz flach ab. Die Vorarbeit zur Führung (34.) hatte Vedad Ibisevic geleistet, der wie Lustenberger neben der Rolltreppe zum Anpfiff marschiert war.

Hertha kann inzwischen alles: fein herausgespielte Treffer, Standards und Tore aus der zweiten Reihe. Da klatschte auch der Trainer-Papa auf der Tribüne begeistert. Im Schongang kamen die Berliner vor der Pause sogar fast zum 2:0, weil sich John Anthony Brooks trotz Doppelbewachung bei einem Eckball durchsetzte. Im Gegenzug vereitelte er die einzige Mainzer Chance. Yoshinori Muto war relativ unbehelligt in den Hertha-Strafraum gelaufen.

Aufwärtsspirale in Richtung Europacup

Nach dem Seitenwechsel änderte sich am Spielgeschehen nichts, und nach einem herausragenden Pass von Ibisevic entschied Kalou die Partie (54.). Es ist beeindruckend, wie der erfolgsverwöhnte Champions-League-Sieger unter Pal Dardai zu alter Stärke gefunden hat. Mit acht Toren ist der 30-jährige Ivorer erfolgreicher als in der gesamten Vorsaison. Dabei ist er weit davon entfernt, vorne auf seine Chancen zu lauern. Auch gegen Mainz arbeitete er fleißig gegen den Ball und eroberte ihn in der eigenen Hälfte.

Vor etwas mehr als zehn Monaten hatte es düster ausgesehen für Hertha, es drohte die Herabstufung in die Zweitklassigkeit. Der erste Gegner nach Dardais Amtsübernahme hieß damals Mainz, das Ergebnis lautete 2:0. Es sieht jedoch mitnichten danach aus, dass sich am Sonntag ein Kreis geschlossen hat. Vielmehr dreht sich da eine Aufwärtsspirale in Richtung Europacup. Von Mainz hingegen bleibt nach diesem Spiel nicht mehr in Erinnerung als sechs Sandhaufen auf der blauen Tartanbahn. Sie zeugen davon, dass die Fans vom Main pyrotechnisches Material abgefackelt hatten.