So durchsetzungsstark wie hier erlebt man Herthas Stürmer Davie Selke nur selten. 
Foto: Jürgen Engler

BerlinDer junge Mann, gerade 20, trägt einen klangvollen Namen: Matheus Santos Carneiro Da Cunha. Der Brasilianer, bis 2023 bei RB Leipzig unter Vertrag und nun von Hertha BSC umworben, hat schon in der Bundesliga wunderbare Treffer erzielt. Die schönste Aktion sollte man sich in der ARD-Mediathek oder auf YouTube anschauen. Im April vorigen Jahres traf der Nachwuchs-Nationalspieler bei einem 4:2-Sieg von RB Leipzig bei Bayer Leverkusen. Cunha drehte im vollen Lauf mit dem Ball eine Pirouette, umspielte einen Bayer-Abwehrmann, legte sich den Ball mit der Hacke selbst vor und spitzelte das Leder kunstvoll über Leverkusens Keeper Lukas Hradecky hinweg. Das „Tor des Monats April“ steht nun bis zum Wochenende auch zur Auswahl zum „Tor des Jahres“.

Cunha erzielte das "Tor des Monats" April 

Quelle: Youtube

Eben dieser Cunha soll bei Hertha BSC in der Gunst weit oben stehen. An Timo Werner kommt er in Leipzig nicht vorbei, hatte zuletzt wenige Einsatzzeiten. Trainer Jürgen Klinsmann sucht einen Stürmer, der der Mannschaft sofort im Abstiegskampf helfen kann. Gerade nach der 0:4-Pleite gegen den FC Bayern München hatte Klinsmann noch einmal die Notwendigkeit betont, Transfers zu tätigen, um das Offensivspiel entscheidend zu beleben. „Wenn wir im offensiven Bereich etwas finden, würde uns das enorm helfen.“ Gegen Bayern hatte es für Hertha nur zu einigen wenigen, eher mutlosen Nadelstichen in der Offensive gereicht.

Klinsmann lässt Torschüsse üben

Am Sonnabend, beim Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/live auf Sky) muss Klinsmann mit den vorhandenen Angreifern auskommen, denen zuletzt die Courage vor dem Tor, die letzte Entschlossenheit gefehlt hatte. Auf der Pressekonferenz vor dem Duell beim VfL erzählte der Trainer, dass man verstärkt Torschüsse geübt und „sehr viel vor dem Tor gearbeitet“ habe. „Unsere Angreifer müssen auch mehr in Eins-zu-Eins-Situationen gehen, provozieren und am gegnerischen Strafraum spekulieren.“ In Wolfsburg will der Trainer „mehr Torchancen und natürlich Tore sehen. Wir wollen dem VfL wehtun.“

Bislang setzte der 55-Jährige im Sturmzentrum stets auf Davie Selke, der viel arbeitet, aber unter Klinsmann noch nicht getroffen hat. „Davie gibt der Mannschaft Energie, haut sich rein“, lobte Herthas Coach, „aber er hat es schwer. Ich wünsche ihm ein Tor.“

Intern, so war zu erfahren, wurde bei Hertha diskutiert, in Wolfsburg vielleicht Dodi Lukebakio als Sturmspitze einzusetzen, flankiert von Marius Wolf (rechts) und Javairo Dilrosun (links). Dabei war der Fundus an Stürmern einst viel größer. Wie stark die Veränderungen beim Personal seit Klinsmanns Amtsantritt Ende November aber sind, fällt gerade in der Offensive auf. Die besten Schützen der Saison 2018/19 spielen keine Rolle mehr. Salomon Kalou (acht Tore, drei Assists) ist auf der Suche nach einem neuen Verein, Vedad Ibisevic (zehn Tore, drei Assists) drückt die Reservebank und Ondrej Duda (elf Tore, sechs Assists) wurde an Norwich City verliehen.

Preetz blockt Nachfragen nach Verstärkungen ab

Klinsmann gab auf Nachfragen zu Cunha lediglich zu, „hohe Wertschätzung für brasilianische und überhaupt für Spieler aus Südamerika“ zu haben. „Denen ist die tolle Technik in die Wiege gelegt, das gehört zu ihrer Kultur. Es gibt dort unglaublich viele Talente. Cunha hat den Vorteil, schon in Deutschland zu spielen.“ Manager Michael Preetz aber blockte am Freitag sämtliche Nachfragen nach möglichen Zugängen konsequent ab. „Ja, das ist spannend. Es wird so viel berichtet wie noch nie, allerdings wird auch so viel Unsinn wie noch nie geschrieben.“ Keine Antwort zu Cunha, keine Auskunft über den Franzosen Lucas Tousart von Olympique Lyon. „Wir äußern uns nicht zu Spielern, die nicht bei Hertha unter Vertrag stehen“, mauerte Preetz, „lassen Sie uns arbeiten. Dann ziehen wir nach Transferschluss Bilanz.“ Deadline ist am 31. Januar.

Foto: Andreas Gora/dpa
Chance für Stark

Erklären: Nationalspieler Niklas Stark steht unter Trainer Jürgen Klinsmann vor der Rückkehr in die Startelf von Hertha BSC. „Es ist die logische Schlussfolgerung, es schaut gut aus“, erklärte der Coach des Bundesligisten über den Innenverteidiger vor der Partie beim VfL Wolfsburg am Sonnabend (15.30 Uhr/Sky).
Ersetzen: Stark war von Klinsmann zum Ende der Hinrunde dreimal nicht eingesetzt worden, beim 0:4 gegen den FC Bayern fehlte der 24-Jährige wegen einer fiebrigen Erkältung. „Er ist voll hergestellt“, sagte Klinsmann am Freitag. Stark dürfte nun den gelbgesperrten Dedryck Boyata im Abwehrzentrum ersetzen.

Sollten die zahlreichen Meldungen, nachdem Hertha Matheus Cunha für rund 15 Millionen Euro verpflichten will, tatsächlich Realität werden, würde es zusätzlich noch eine schöne Verbindung zwischen dem Profi und Hertha geben. Cunha stammt aus João Pessoa im Bundesstaat Paraiba im Nordosten Brasiliens gelegen. Nur 130 Kilometer entfernt, in Campina Grande, lebt Marcelinho, der beste Brasilianer, der je bei Hertha spielte. Der 44-Jährige steht in seiner letzten Saison beim ortsansässigen AD Perilima auf dem Platz und will im Sommer vielleicht ein Trainer-Praktikum bei Hertha absolvieren. Vielleicht ist das ein gutes Omen für den Cunha-Transfer?