BELEK - Man sah es zunächst, und später konnte man es auch hören. Wie Jos Luhukay immer mal in die Hosentasche griff, ein Taschentuch herauszog, sich schnäuzte. Wie seine Stimme dann in der Höhe brach, heiser klang, ein wenig krächzte. Die Krankheit, die ihn in der vorigen Woche ans Bett gefesselt hat, ein grippaler Infekt mit hohem Fieber, sie ist noch nicht ganz überstanden.

Der Sonntag, der erste Tag in Belek, Fußballflucht im Januar, türkische Riviera, wo sich Hertha BSC auf den Rückrundenstart in zwei Wochen vorbereitet, war der letzte Tag, an dem Luhukay ein Antibiotikum nehmen musste. „Das Wichtigste ist“, sagte der Trainer nach der ersten Einheit unter Flutlicht, „dass ich mit der Mannschaft arbeiten kann.“ Ein wehleidiges Wort von ihm? Undenkbar. Niemals.

Suche nach dem Zusammenhalt

Die Krankheit, egal, ob der Körper mit Nachdruck nach Ruhe verlangt oder nicht, hat ihn vor allem geärgert. Seit einundzwanzig Jahren arbeitet Luhukay als Trainer in Deutschland, einundzwanzig Jahre sind das, in denen er keine einzige Einheit verpasst hat. Und dann erwischt es ihn ausgerechnet jetzt, wo die Vorbereitung nur so kurz ist, wo doch so vieles anders oder zumindest einiges besser werden soll. Die ersten beiden Testspiele hat Luhukay verpasst, aber das war vielleicht besser so. Bei der Niederlage gegen den Halleschen FC und dem Unentschieden gegen Energie Cottbus sah es noch nicht nach Besserung aus.

Eine Woche haben Luhukay und sein Trainerteam nun Zeit, um ihre Spieler daran zu erinnern, was erfolgreichen Fußball ausmacht. (Erinnert sei noch mal: Die verletzten Alexander Baumjohann, Tolga Cigerci und Änis Ben-Hatira sind nicht dabei, dafür Maximilian Mittelstädt und Nachwuchstorhüter Nils Körber.) Eine Woche ist es auch, in der das im Sommer um acht neue ergänzte Team zusammenfinden muss. Man kann Luhukay fragen, wie er seine Schwerpunkte für Belek gelegt hat, aber es reicht auch, beim Trainingsspiel zuzusehen.

Suche nach der Tiefe

Immer dann, wenn der Trainer unterbricht, seine Stimme erhebt, hat einer den falschen Pass gespielt, meist quer, nicht in die Tiefe. Denn die Tiefe im Spiel, sie fehlt. Dazu die Passgenauigkeit beim Umschaltspiel, das Tempo, die Kompaktheit in der Defensive – alles Dinge, die Luhukay seit Saisonbeginn wiederholt.

Zwei Mal wird Hertha in Belek zu einem Testspiel antreten, und spätestens danach wird Luhukay sehen, wo seine Mannschaft steht. Am Dienstag gegen Young Boys Bern, am Freitag gegen den Sieger aus Greuther Fürth und FC Thun, es ist ein Miniturnier. Wenn man so will, der einzige Titel, den das Team in dieser Saison gewinnen kann.