In diesen Tagen hat die Hertha mal wieder einige außergewöhnliche Dinge geschafft. Eine Tatsache, die mich natürlich gefreut hat. So oft fällt der Verein ja nicht bundesweit auf. Der ganz, ganz frühe Treffer von Kapitän Vedad Ibisevic zum 0:1 beim turbulenten 3:3 in Wolfsburg nach 20 Sekunden (!) war bereits das vierte Bundesligator von Ibisevic in einer Auftaktminute. Das beweist: Der Mann ist immer hellwach! Damit ist er nun der Rekordhalter in der Liga, löste Jupp Heynckes und Harald Spörl (ehemals HSV) ab, die einst als Profis beide je dreimal in den ersten 60 Sekunden eines Spiels getroffen hatten.

Auch in einer anderen „Disziplin“ steht die Hertha im Moment ganz oben. Der Verein stellt in diesen zwei Wochen in der Liga-Pause insgesamt 15 Akteure für Länderspiele ab!!! Fünfzehn! Platz zwei belegt Hoffenheim (14) vor dem FC Bayern (12). Wann hat es das zuletzt gegeben? Ich glaube, noch nie!

Bei Hertha reicht die lange Liste der Abstellungen von Marvin Plattenhardt, den Bundestrainer Jogi Löw erneut in die A-Nationalmannschaft für die Duelle gegen England und Frankreich berufen hat, bis zum 18-jährigen Palko Dardai, der neben den anderen Jungprofis Florian Baak und Arne Maier für die deutsche U19 berufen worden ist. Darauf kann der Verein – auch mit seinen zahlreichen Nachwuchstrainern - stolz sein.

Pflichtspieldebüt für Dardai Junior

Und damit bin ich schon beim dritten Spitzenwert und einem neuen Alleinstellungsmerkmal von Hertha BSC. Vorigen Donnerstagabend wechselte Pal Dardai im Europa League-Spiel gegen Luhansk (2:0) seinen ältesten Sohn Palko in der 79. Minute für Alexander Esswein ein. Es war das Pflichtspieldebüt als Profi für Dardai Junior.

Kinder, wie die Zeit vergeht, kann ich da nur ausrufen! Ich erinnere mich nämlich noch genau, wie ich den kleinen Palko im Garten des Hauses der Familie Dardai erlebt habe, als er mit dem Ball jonglierte und eifrig auf kleine Tore schoss. Das war zu Zeiten, als die Dardais noch in Seeburg bei Spandau wohnten und Torhüter Christian Fiedler der Nachbar war. Auch im neuen Zuhause der fußballverrückten Ungarn nahe dem Olympiastadion tummelten sich die Söhne Palko, Marton und Bence im Garten – natürlich mit dem Ball am Fuß! Ab und an ärgerten sie damit die Nachbarin. Nun also das Profidebüt nach behutsamem Aufbau in der U17, der U19 und der U23. Es gab bislang in der Liga-Historie nicht viele Vater-Sohn- Auftritte: Helmut und Peter Kronsbein bei Hannover 96 in den 60er Jahren, Herbert und Dieter Burdenski 1975 bei Werder Bremen.

Tradition in der Familie Dardai

Die letzte Einwechslung, die ein Trainer-Vater in der Bundesliga mit seinem Sohn vor den Dardais vornahm, passierte am 8. August 1986. Fritz Fuchs war der Chefcoach beim FC Homburg, sein Sohn Uwe stand im Kader. Im Heimspiel gegen den KFC Uerdingen wechselte Vater Fuchs den Stürmer Uwe in der 73. Minute ein. Gebracht hat es nichts mehr. Homburg unterlag 0:2 nach Treffern der Uerdinger Edvaldsson und Friedhelm Funkel. Ja, und international fallen mir zwei prominente Beispiele ein, bei denen der berühmte Vater als Trainer seinen Sohn ins Spiel brachte. Der große Johan Cruyff wechselte einst Sohn Jordi beim FC Barcelona ein und Trainer Cesare Maldini beim AC Mailand Sohn Paolo.

Bei Familie Dardai aber hat dieses Prozedere Tradition. Pal Senior, der Vater unseres Hertha-Cheftrainers, spielte einst im zentralen Mittelfeld beim ungarischen Erstligisten Pecs eine wichtige Rolle. Er kam auf 298 Erstligaspiele und 76 Tore! Natürlich ist er der Rekordspieler von Pecs. Schon im Alter von drei Jahren sah Pal Junior seinem Vater beim Training zu. Der wurde später auch Trainer und setzte Pal Dardai ein. Mit 16 Jahren stieg Pal zum jüngsten Spieler in der ersten ungarischen Liga auf…
Nun also Palko Dardai. Ob diesem seine jüngeren Brüder Marton und Bence, beide natürlich bei Hertha am Ball, folgen werden? Alles ist möglich. Ich fände es toll! Darauf ein Ungarisches Ha-Ho-He!