Hertha-BSC-Kolumne Hahohe: Herthas Heimschläfer stürmen im Duett

Hanne-Stine Bratli, die Frau von Hertha-Keeper Rune Jarstein, wird sich freuen. Auch Lujza Pekarik, Monique Lustenberger, Laura Leckie, Franziska Esswein und, und , und… Die Ehefrauen, auch die Freundinnen oder Lebensgefährtinnen aller Hertha-Profis können hoffen, dass ihre Männer in Zukunft öfters zu Hause im heimischen Bett schlafen – und das vor schweren Auswärtsspielen. Auch die Kinder werden sich freuen. Zu verdanken haben sie das Trainer Pal Dardai, dessen Frau Monika und die drei fußballspielenden Jungs sich auch über eine zusätzliche Nacht von Pal als Heimschläfer freuen konnten.

Der Ungar hatte vor dem letzten Auswärtsspiel beim 1. FC Köln angeordnet, dass seine Spieler die Nacht vor der Auswärtsfahrt noch einmal zu Hause verbringen konnten, statt in einem Hotelbett in Köln. Die Anreise nach Köln-Müngersdorf erfolgte erst am Spieltag selbst. Dardai: „Zu Hause schläft man immer besser als in Hotelbetten.“ Die sind oft zu hart oder zu weich oder auch schon mal zu kurz. Herthas Rekordspieler Dardai hat ja einst genügend Erfahrung mit Hotelbetten sammeln können – und er ist als Familienmensch bekannt. Der psychologische Kniff brachte bekanntlich Erfolg, Hertha siegte 2:0! Noch stehen ja insgesamt in dieser Saison 11 Auswärtsduelle an. Nur Dardai weiß, wie oft er seinen Heimschläfertrick noch anwenden kann und wird.

Ein schwer berechenbares Duo

Auch Davie Selke (22) und Vedad Ibisevic (33) genossen wohl die zusätzliche Nacht bei ihren Liebsten. Sie – und das war eine wichtige Erkenntnis des Duells in Köln – harmonieren als Sturmduo immer besser. In der Bundesliga stürmten sie bislang zweimal zusammen von Beginn an. Zweimal kam Selke in Duellen später für Ibisevic ins Spiel. Und einmal, beim 3:3 in Wolfsburg, wurde Selke eingewechselt für Salomon Kalou. Die positive Bilanz seitdem: vier Treffer durch den erfahrenen Ibisevic, ein Tor für Selke, dazu ein Assist für Herthas Kapitän und zwei Assists für Selke!

Auffällig für mich: Davie Selke geht weite und oft auch schlaue Wege und Ibisevic, der Fuchs, steht im Strafraum nach einer Torflaute wieder am richtigen Platz. Beide zusammen sind von den gegnerischen Abwehrspielern nur schwer auszurechnen.

In der Vergangenheit gab es schon ab und an sehr erfolgreiche Sturmduos bei Hertha. 1976/77 waren das Karl-Heinz Granitza und Lorenz Horr. 1999/2000 und 2000/2001 Michael Preetz und Alex Alves. Später auch Preetz und Marcelinho, obwohl der Brasilianer natürlich keine Sturmspitze war, aus dem offensiven Mittelfeld kam und so zahlreiche Treffer schoss oder für Preetz auflegte. 2006/07 harmonierten Marko Pantelic und Christian Gimenez sehr gut, verbuchten stattliche 14 Tore (Pantelic) und 12 Treffer (Gimenez). 2008/09 lehrte das Duo Pantelic/Andrej Woronin den Gegnern das Fürchten – mit 11 bzw. 7 Toren.

Aber eines unterscheidet all die Stürmer in ihrer Zweisamkeit von Ibisevic/Selke: Der Altersunterschied. Beide trennen immerhin elf Jahre, die zuvor genannten Stürmerpaare waren meist nicht so weit auseinander. Doch das ist ja sicherlich egal.

Ich denke, an den beiden Angreifern werden alle Hertha-Fans noch viel Freude haben. Davie Selke ist noch lange nicht am Limit, steht erst am Beginn einer vielleicht großen Karriere und kann zu Herthas neuem Torjäger aufsteigen. Und Ibisevic ist mit seiner Schlitzohrigkeit und Kampfkraft noch unersetzlich. Manager Preetz wird sicher dafür sorgen, dass beide noch länger ein Duo bilden können.

Darauf ein stürmisches Ha-Ho-He!