Hertha-BSC-Kolumne Hahohe: Lasst Dardai in Ruhe arbeiten!

Hertha, wohin gehst Du? Hertha, wo landest Du? Diese Fragen stellen sich die Fans immer wieder. Und diese Fragen stelle auch ich mir in regelmäßigen Abständen. Besonders, wenn ich mir die aktuelle Tabelle der Bundesliga anschaue. „Es ist eng!“, sagte Pal Dardai nach dem 1:1 in Augsburg, wo nach schwachem Auftritt ein glücklicher Punktgewinn herauskam. Ein Aufwärtstrend ist im Moment nicht zu sehen. Hochfliegende Ziele sind nicht angebracht.

Na klar, auch ich würde gerne irgendwann eine Hertha-Mannschaft sehen und erleben, die ganz vorn mitspielt, die die ganz Großen mächtig ärgert, die viele Punkte einsammelt. Meine Generation ist ja auch ein bisschen verwöhnt, hat die goldenen Zeiten in der Champions League 1999/2000 miterlebt oder den Kampf um die Meisterschaft in der Saison 2008/09, als wenigstens schon Meisterschalen aus Pappmache im Olympiastadion in die Luft gereckt wurden.

Wette verloren

Es war um 2004, als der damalige Manager Dieter Hoeneß versprach, bis 2009 einmal mit der Meisterschale durchs Brandenburger Tor gehen zu wollen. Na klar, auch ich wollte mit. Ich ging damals sogar eine Wette ein – um ein großes Fass Budweiser-Bier – dass dieses Unternehmen auch gelingen würde. Es wurde nichts daraus und ich musste die Zeche bezahlen.

Die Situation hat sich geändert, auch die handelnden Personen. Realität ist längst eingezogen bei den Verantwortlichen des Klubs, die auf eine solide wirtschaftliche Basis achten. Dennoch ist auch ein wenig Träumen erlaubt.
In den Fanforen wird nun wieder über Trainer Pal Dardai diskutiert. Manche meinen, er sei mit seinem Latein am Ende, er könne das Team nicht mehr weiterentwickeln. Andere sagen, er holt beinahe das Optimale aus diesem Kader heraus. Ich sage: Gebt Pal Zeit! Hertha wird in den kommenden Jahren nie wieder einen Trainer finden, der sich so mit dem Klub identifiziert wie der Ungar! Er lebt für diesen Verein. Natürlich ärgert er sich über einige „blutleere“ Auftritte seiner Spieler und würde am liebsten selbst auf den Platz stürmen. Rustikal, kämpferisch, voller Leidenschaft. Dinge, die einigen der aktuellen Spieler ab und an abzugehen scheinen.

Dardai muss und will noch dazu lernen

Dardai, das ist Fakt, ist noch immer ein junger Trainer und ein Coach, der dazu lernen muss und dazu lernen will. Er ist ein Teamplayer, der viel auf die Meinung seiner Assistenten hört und diese stets in Entscheidungen einbezieht. Das gegenwärtige Tief sollte überwunden werden – und das mit und durch Pal Dardai!

Manager Michael Preetz hat jüngst im „Doppelpass“ auf Sport1 über die Ziele der Hertha gesprochen. Immer sachlich, immer fundiert, immer realistisch.

Erstes Ziel sei es, dass Hertha in jedem Jahr die Bundesliga hält. Und irgendwann wolle man soweit sein, dass Hertha regelmäßig um die internationalen Plätze mitspielen kann. Das ist richtig und okay, aber ein paar Emotionen mehr, vielleicht auch Visionen (keine Luftschlösser!) hätten sich die Berliner Zuschauer sicherlich gewünscht.

„Wir sind noch nicht soweit, wie viele träumen“

Pal Dardai hat indessen den schwachen Auftritt von Augsburg analysiert und auch über die Realität gesprochen. „Wir sind noch nicht soweit, wie viele träumen. Wir müssen erstmal 2 x 20 Punkte holen. Das ist entscheidend. Und irgendwann, wenn uns unsere vielen jungen Profis nicht verlassen, können wir darüber reden, etwas Großes zu erreichen.“

Vielleicht, so denke ich, kann ich dann wieder eine Wette wagen – mit Aussicht, diese auch zu gewinnen! Doch wann ist irgendwann?

Darauf ein realistisches Ha-Ho-He!