Herthas Kicker drücken sich für das Elfmeterschießen selbst die Daumen.
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BerlinBereits 45 Minuten vor Anpfiff bekamen die Hertha-Fans einen akustischen Vorgeschmack, wie es sich anfühlen wird, wenn ihr langersehnter Traum wahr werden und ihr Klub das Pokalfinale im eigenen Stadion tatsächlich mal erreichen sollte. Mit einem gellenden Pfeifkonzert und „Dynamo“-Rufen wurden die Berliner von den mehr als 30 000 mitgereisten Dresdnern im Olympiastadion empfangen. Auch optisch erinnerte vieles an das Endspiel im Mai. Beide Fanlager teilten sich unter den 70 429 Zuschauern fast gleichmäßig in den beiden Kurven des Stadions auf. Nach dem dramatischen 8:7 (3:3, 2:2, 0:1) nach Elfmeterschießen gegen Dynamo Dresden, dem Tabellenvorletzten der Zweiten Liga, zogen die Herthaner zwar ins Achtelfinale ein. Rückenwind für das in drei Tagen anstehende Stadtduell beim 1. FC Union dürfte das kräftezehrende Spiel aber nicht unbedingt gegeben haben.

Covic hatte seine Ankündigung wahr gemacht und seine Startelf im Vergleich zum spektakulären, aber enttäuschenden 2:3 gegen Hoffenheim am vergangenen Sonnabend auf gleich fünf Positionen gewechselt. Das war bereits ein Fingerzeig, in welche Richtung das Spiel laufen sollte. Covic setzte auf geballte Angriffskraft, schickte mit Salomon Kalou, Javairo Dilrosun, Marius Wolf, Ondrej Duda und Dodi Lukebakio fünf Offensivakteure von Beginn auf das Feld.

Dresden hat die Großchancen

Covics Plan, das Gästeteam von Cristian Fiél, das mit dem Selbstbewusstsein von vier Niederlagen in Folge anreiste, früh unter Druck zu setzen, ging nur bedingt auf. Zwar gehörten den Berlinern die ersten zehn Minuten, in denen Kalou, Wolf und Dilrosun an Dresdens Torwart Kevin Boll scheiterten. Doch bereits nach einer Viertstunde kamen die Sachsen gefährlich vor das Tor von Herthas Schlussmann Thomas Kraft, der im Pokal Stammkeeper Rune Jarstein vertrat. Zunächst offenbarte Dynamo-Stürmer Moussa Koné die wacklige Hertha-Abwehr, indem er völlig frei in den Strafraum eindringen konnte und den Ball nur hauchdünn am linken Pfosten vorbeischoss. Nur eine Minute später verfehlte Brian Hamalainen mit einem Distanzschuss nur knapp das Tor.

Die Dresdner Großchancen schienen die Blau-Weißen zu beeindrucken. Während Dynamo kompakt in der Defensive stand, giftig in den Zweikämpfen agierte und mit Steilpässen immer wieder Nadelstiche setzte, wirkte Covics Team gehemmt. Als Konsequenz gingen die Sachsen durch einen Konter nach einer Berliner Ecke in Führung. Koné, der weder von Wolf noch von Vladimir Darida und Marvin Plattenhardt gestört wurde, spitzelte den Ball aus elf Metern am herausstürmenden Kraft zum 1:0 vorbei (36.). Mit der nicht unverdienten Pausenführung für die Gäste ging es in die Kabine.

Ob Covic seiner Elf eine knackige Standpauke in der Halbzeit verpasste? Zumindest fiel seine Ansprache kurz aus. Und sie zeigte Wirkung. Denn seine Schützlinge starteten einen Sturmlauf auf das Dresdner Tor. Nach einem missglückten Abschlag der Sachsen, machte Kalou das Spiel schnell, Duda bediente Wolf auf der rechten Außenbahn, dessen scharfe flache Flanke Lukabekio aus vier Metern über die Linie drückte (48.) Danach scheiterten Dilrosun und Kalou am Aluminium.

Grujic verwandelt den Sieg-Elfmeter für Hertha

Es dauerte aber bis zur 85. Minute bis Duda, nach einem Foul von Niklas Kreuzer an Lukebakio auf der Strafraumlinie, Hertha scheinbar ins Achtelfinale schoss. Doch weil Abwehrchef Niklas Stark ungestüm Koné zu Fall brachte und der frühere Herthaner Patrick Ebert Dresdens einzige Chance in Halbzeit zwei sicher vom Punkt verwandelte (90.), musste Hertha in die Verlängerung, in der sich die Ereignisse überschlugen. Zunächst schien Luka Stor (107.) alle Herthaner aus allen Pokalträumen gerisse zu haben, bis der eingewechselte Jordan Torunarigha in der 122. Minute mit einem Drop-Kick-Schuss aus 14 Metern erneut ausglich.

Im Elfmeterschießen avancierte Kraft mit zwei gehaltenen Elfmetern zum Pokalhelden, ehe Marko Grujic als sechster Schütze den Sieg sicherte.