Neuruppin - Dampferfahrten haben bei Hertha BSC eine gewisse Tradition. Jeder blau-weiße Fan kennt die Geschichte des Berliner Klubs, der seinen Namen 1892 von einem Fahrgastschiff namens Hertha erhielt. Das Boot war über Jahre verschollen und rückte erst 2017, zum 125. Jubiläum des Vereins, wieder in den Fokus. Weil der Kahn in der Malz Werft in Oranienburg liegt und dort für die Bundesgewässer fit gemacht werden soll, lud Manager Michael Preetz, 51, zum Abschluss des ersten von zwei Trainingslagern auf die „MS Fontane“ ein. Fast eine Stunde tuckerte das Schiff des Mannschaftshotels im Kreis über den Ruppiner See. Preetz will dagegen in dieser Saison eine andere Geschwindigkeit sehen, damit sich Klub und Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr weiterentwickeln.

Michael Preetz mit Ante Covic zufrieden

Im sportlichen Bereich soll dafür der neue Cheftrainer Ante Covic, 43, sorgen. Preetz, der für die Zeit in Brandenburg das Businesshemd gegen den vereinseigenen Jogginganzug getauscht hat, ist mit der ersten Woche der Vorbereitung zufrieden. „Ante legt sehr viel Wert auf den Austausch mit den Jungs. Er greift sehr viel ein, korrigiert viel. Das hat damit zu tun, dass er von Anfang an Dinge vermitteln will, die hinterher auch im Spiel wichtig werden. Das macht einen sehr, sehr positiven Eindruck.“ Dass die Mannschaft unter Covic − anders als unter Vorgänger Pal Dardai − trotz der frühen Phase, in der die konditionellen Grundlagen gelegt werden sollen, bereits viel mit dem Ball arbeitet, sei logisch. „Jeder Trainer hat einen anderen Ansatz. Es geht darum, Dinge so früh wie möglich zu verinnerlichen“, erklärt er. Schließlich sei es eine Kennlernphase; mit dem Spielgerät zu arbeiten, helfe dabei. „Wenn es losgeht, müssen wir ja auch mit dem Ball spielen.“

Preetz ist gut gelaunt, was wohl daran liegt, dass er sich nach den ersten Eindrücken in seiner Entscheidung, den Trainer zu wechseln, bestätigt sieht. Der Auftrag: einen aktiveren, offensiven Fußball spielen. „Das Ziel ist es, mehr Torchancen zu kreieren.“ Dafür darf der Kroate auf weiteres Personal hoffen. Nicht zuletzt durch die 125-Millionen-Euro-Finanzspritze von Unternehmer Lars Windhorst. „Es stimmt, dass wir unseren Blick nun auch woanders hinrichten können“, erklärt Preetz den neuen Handlungsspielraum. Dennoch gehe es darum, junge, entwicklungsfähige Spieler zu finden, die zur Mannschaft und Philosophie des Klubs passen. „Man muss auch im Blick haben, dass insgesamt das Gefüge passt, auch wenn wir jetzt andere Möglichkeiten haben.

Hertha plant mit Niklas Stark

Weil es auf dem Transfermarkt „turbulent“ zugehe, könnte es aber noch dauern, bis Hertha nach U21-Mittelfeldspieler Eduard Löwen und Innenverteidiger Dedryck Boyata einen weiteren Neuzugang präsentiert. „Wenn irgendwo eine gravierende Veränderung eintritt, dann hat das Auswirkungen auf allen Ebenen“, beschreibt Preetz den Domino-Effekt. „Das wird nicht nur für Bayern München Auswirkungen haben, sondern auch für andere Klubs. Ob das für uns gilt, kann ich heute nicht sagen.“ Trotz des Investors schließt er aber einen 30-Millionen-Transfer für die neue Saison nahezu aus. „Irgendwann“ werde er vielleicht auch mal so tief in die Tasche greifen. Ziel sei es aber, nicht irgendeinen Topstar zu verpflichten, auf den sich dann alles fokussiere, sondern „die Mannschaft insgesamt weiterzuentwickeln. Helfen soll dabei das bereits vorhandene Personal. Allen voran Abwehrchef Niklas Stark, dessen Ausstiegsklausel verstrichen ist und mit dem Preetz, solange kein unmoralisches Angebot vorliegt, fest für die neue Saison plant.

Kein Verständnis für Zingler-Aussagen

Ein deutscher Nationalspieler würde Hertha auch von der innerstädtischen Konkurrenz aus Köpenick abgrenzen. Den Bundesliga-Aufstieg des 1. FC Union bewertet Preetz positiv. Die Sportstadt Berlin bekomme damit noch mehr Aufmerksamkeit. „Natürlich ändert sich was in dieser Saison, wenn die Derbys anstehen. Für unsere Mannschaft und für unsere Fans sind das zwei Termine, die wir uns natürlich vormerken. Es geht darum, diese beiden Spiele zu gewinnen. Daran besteht kein Zweifel“, betont er. Den „Klassenkampf“-Aussagen von Union-Präsident Dirk Zingler kann Preetz dagegen nichts abgewinnen. „Für alle gilt der Auftrag, dass es Fußballfeste werden und zwar friedliche. Alles andere hat in diesem Zusammenhang nichts zu suchen“, sagt Preetz, als der Interview-Dampfer wieder anlegt.

Dass ausgerechnet zum Schluss der Gesprächsrunde noch Fragen zu den Fortschritten in der Stadion-Diskussion aufkommen, sorgt für eine passende Symbolik. Denn auch da dreht sich Hertha im Kreis. Da „Sommerpause in der Berliner Politik“ herrsche, gebe es „nichts Neues“. Verändert haben sich auch nicht die Wünsche des Vereins. „Wir würden gerne auf unserem Gelände im Olympiapark ein Stadion realisieren. Wir glauben, dass das für die Entwicklung von Hertha in den nächsten Jahren ein Meilenstein sein würde“, erklärt er. Dass er dazu die Entscheidungsträger in der Berliner Politik brauche, wisse er. „Alle haben wir noch nicht überzeugt“, stellt Preetz fest. Er werde weiter Gespräche führen und Überzeugungsarbeit leisten.